Unternehmen im Gewerbegebiet Nord klagen über langsames Internet

Online im Schneckentempo

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Uelzen. Dateien fürs Internet hochladen, Datenpakete aus dem Netz herunterladen, E-Mails versenden – was in den meisten privaten Haushalten mittlerweile schnell und unkompliziert möglich ist, lässt einer Reihe von Uelzener Unternehmern allmählich graue Haare wachsen:

Im Gewerbegebiet Nord nämlich – rund um den Meisterweg, im Breidenbeck, aber auch am Funkturm und an der Nordallee – steht den Firmen, die nicht über eine Funkverbindung ins weltweite Datennetz gelangen, sondern via Leitungskabel, nur ein Internet im Schneckentempo zur Verfügung. Die Probleme sind inzwischen so groß, dass Peter Meinecke, Geschäftsführer vom ebenfalls betroffenen Euronics XXL-Markt, stellvertretend für viele weitere Unternehmer die Wirtschaftsförderung „Uelzen aktiv“ eingeschaltet hat.

„Es ist ganz schlimm“, schüttelt Meinecke den Kopf. Euronics, wie auch die meisten anderen betroffenen Firmen, verfügt über eine sogenannte 1-Megabit-Leitung. Zum Vergleich: Gängig in Privathaushalten sind mittlerweile bis zu 16-Megabit-Leitungen. Meinecke: „Wir haben zum Beispiel ein Instore-TV-System, in das wir Filme einspielen. Die Präsentationen ruckeln aber ständig.“ Auch das Herunterladen von Software für Kunden laufe alles andere als rund. „Jeder schimpft hier so vor sich hin“, weiß er aus der Nachbarschaft.

Martin Zienau gehört auch zu denen, die schimpfen. „Das Internet ist wahnsinnig langsam und wir telefonieren auch über die Internetleitung“, sagt der Chef der Heuer GmbH, die unter anderem Hardwarekomponenten und Multimediazubehör vertreibt. Den Umzug von der Groß Liederner Straße an den Meisterweg bereut Zienau schon beinahe wieder. Denn während man zuvor zwei 30-Megabit-Leitungen hatte, sind es nun zwei gebündelte 1-Megabit-Leitungen. Zu wenig, als dass sich die Außenstelle in Hannover problemlos auf das System in Uelzen aufschalten könnte. Telefonate werden plötzlich unterbrochen oder nur verzögert übertragen. Damit ein halbwegs reibungsloses Arbeiten stattfinden kann, nutzen Mitarbeiter sogar schon ihre Privathandys, sagt Heuer.

Das kennt Stefan Schlüsselburg vom gleichnamigen Kfz-Service nur allzu gut. Wie es mit dem Internet laufe? „Besch...“, wettert er. Die Mitarbeiter müssten tagtäglich Schaltpläne für Fahrzeuge aus dem Netz herunterladen. „Was normalerweise fünf Minuten dauern würde, dauert hier eine Stunde“, klagt Schlüsselburg.

Reimar Ohnesorge von der Firma Noro-Werbung hat vor allem Probleme, Bilder und Entwürfe per Mail zu versenden. „Langsamer geht es wirklich nicht“, ist er genervt von der bescheidenen Internet-Verbindung. Michael Schneidau, Leiter der EDV im Autohaus Wolter am Funkturm, geht es nicht anders. „Bei uns laufen alle Programme übers Internet“, erklärt er. An 25 Arbeitsplätzen müsse man sich die vorhandene 1-Megabit-Leitung teilen. An Präsentationen, wie den Audi-Konfigurator, braucht man da fast gar nicht mehr zu denken. „Das dauert, bis da was hochgeladen ist“, seufzt Schneidau. Und wenn die Leitung besonders stark beansprucht ist, hakt es auch bei den Telefonaten.

Sascha Blumenberg von der Wirtschaftsförderung „Uelzen aktiv“ hat die Sorgen der Unternehmer nun zum Anlass genommen, ein Interessenbekundungsverfahren anzustoßen. Im Klartext: Die Stadt Uelzen erklärt gegenüber dem Breitbandkompetenzzentrum, das die Versorgung mit schnellem Internet in Niedersachsen koordiniert, ihren Bedarf fürs Gewerbegebiet Nord. Provider, die an einer Versorgung dieses Bereiches interessiert sind, können sich daraufhin melden. Gleichzeitig bewirbt sich die Stadt Uelzen damit um Landeszuschüsse, um eine schnellere Internetverbindung zu ermöglichen. Darüber hinaus habe Blumenberg Kontakt mit dem Geschäftskundenvertrieb der Telekom aufgenommen.

Unterm Strich ist der schnelle Weg ins Internet eine Kostenfrage. Dr. Lorenz Steinke, zuständiger Pressesprecher bei der Telekom, erklärt, dass im Uelzener Gewerbegebiet Nord über das Netz der Deutschen Telekom derzeit Internet-Bandbreiten von 2- bis 6-Megabit-Verbindungen verfügbar seien. Geschäftskunden biete man spezielle Lösungen mit eigenem Breitband-Anschluss bis hin zur Glasfaser aufs Firmengelände an. „Damit sind garantierte Geschwindigkeiten von bis zu 622 Mbit/s und feste IP-Adressen technisch machbar“, so Steinke.

Die Kosten für Tiefbaumaßnahmen und Technik seien vom Auftraggeber zu tragen, sagt der Telekom-Sprecher. Und da liegt der Hase im Pfeffer: „Für Leitungen, die andere 40 bis 50 Euro kosten, müssten wir 400 bis 500 Euro bezahlen“, macht Michael Schneidau vom Autohaus Wolter eine Beispielrechnung auf. Weder für ihn noch die anderen stehen die Kosten da im Verhältnis. Steinke empfiehlt den Unternehmen, über die Bildung einer Investorengemeinschaft nachzudenken, um Kostenvorteile nutzen zu können.

Von Ines Bräutigam

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