Verstopfte Straßen durch Rübenlaster: Diese Zeiten sind dank des Einsatzes von digitaler Technik vorbei

In Uelzen läuft die Rübenernte 2.0

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Bei den Planungen zum Rübenanbau, als auch bei der Ernte kommt digitale Technik zum Einsatz, erklären Hartmut König vom Maschinenring (links) und Georg Sander von Nordzucker.

Uelzen. Die Rübenlaster rollen. Gut 1000 Lkws steuern pro Tag die Uelzener Zuckerfabrik an, stellen mit ihrer süßen Fracht sicher, dass die Produktion Tag und Nacht läuft. Es ist ein alljährliches Prozedere.

Doch während in früheren Zeiten noch Klagen von Polizei und Autofahrern zu vernehmen waren, Rübenlaster würden die Straßen verstopfen, ist dergleichen nicht mehr zu hören. Andreas Dobslaw, Verkehrsexperte der Polizei, sagt: „Die Situation ist heute völlig entspannt. “ Der Grund: Digitale Technik kommt zum Einsatz, die, beginnend vom Rübenanbau bis zur Verarbeitung, noch weit mehr ermöglicht.

Georg Sander ist in der Uelzener Zuckerfabrik für die Rübenbeschaffung zuständig. 26 Jahre arbeitet er schon im Betrieb, hat Zeiten erlebt, in denen er täglich unzählige Telefonate führte. Das reibungslose Zusammenspiel von Landwirten, Liefergemeinschaften und Unternehmen will organisiert sein. Telefoniert wird auch heute noch, aber Online-Portale und digitale Medien sind inzwischen gängige „Werkzeuge“. Nordzucker setzt sie inzwischen an allen deutschen Standorten ein. „Zurzeit etablieren wir das digitale System auch in anderen Produktionsländern“, sagt Sander. Beispielsweise in Dänemark.

Die Fahrer von landwirtschaftlichen Maschinen, von Rübenlastern, die Mitarbeiter von Zuliefergemeinschaften und Nordzucker sowie die Landwirte erhalten über Displays, Tablets und Handys die wichtigsten Informationen, können Daten weitergeben und Verkehre lenken. Der größte Vorteil sei, dass sich gerade die Rübenernte logistisch weit besser organisieren lasse, sagt Sander.

Wartezeiten wie einst werden verhindert, zügig können die Rüben abgeladen werden. Bei den ungeheuren Mengen ist das wichtig: 25.000 Tonnen der Hackfrucht nimmt das Werk täglich an. Rund 2,3 Millionen Tonnen an Rüben sollen bis Januar in Uelzen verarbeitet werden.

Einsatz für Rübenmausfahrer Wilfried Harder bei Westerweyhe: Im Inneren der landwirtschaftlichen Maschine sind mehrere Displays zu finden, über die er Daten zu Ernteorten und zur Beladung abrufen und weiterschicken kann.

Im digitalen Zeitalter erfolgt die Anbauplanung, die jetzt für 2019 begonnen hat, bereits online – in einem Online-Portal sind die Rübenanbauer, die das Uelzener Werk beliefern, mit Lieferansprüchen, Vertragsoptionen und Flächen erfasst. So können die Landwirte Informationen darüber abrufen, was an Flächen im neuen Jahr bewirtschaftet werden sollte, gleichzeitig werden sie gebeten, in den hinterlegten Karten genau jene Felder einzuzeichnen, auf denen sie Rüben anbauen werden. Für einen möglichst unkomplizierten Abtransport sind auch Angaben darüber entscheidend, wo die geernteten Rüben abgelegt werden, sowie dass Zufahrts- und Abfahrtsstrecken eingezeichnet werden.

Wenige Meter vom Nordzucker-Werk hat der Maschinenring Uelzen/Isenhagen seinen Sitz. Der Maschinenring ist eine von acht Liefergemeinschaften für das Uelzener Zuckerwerk. Geschäftsführer Hartmut König verfolgt das Geschehen auf zwei Bildschirmen.

Der Maschinenring plane die Abholung der Rüben, erläutert König. Dazu werden Speditionen beauftragt und es kommen sogenannte Rübenmäuse zum Einsatz – gewaltige landwirtschaftliche Maschinen, die die aufgetürmten Rüben am Feld aufnehmen, dabei Erde, Blattwerk und Steine „aussortieren“ und schließlich die Hackfrüchte in Laster füllen. Früher wurde das Beiwerk mit in die Fabrik transportiert, „jetzt bleibt die Erde auf den Feldern, wo sie hingehört“, sagt Sander.

Nun kommen Laster wie die Ameisen ins Werk.

Georg Sander

Zudem sind die Maschinen schnell. Keine fünf Minuten dauert es, bis ein Lkw beladen ist. Aber Rübenmäuse sind auch teuer. „Etwa 400.000 Euro kostet eine“, sagt König. Es können also nicht unbegrenzt viele zum Einsatz kommen. Mithilfe der eingezeichneten Felder kann der Maschinenring für die Mäuse und Speditionen Touren planen, die von den Strecken günstig liegen, zudem auch mögliche Abtransportwünsche der Landwirte berücksichtigen. „Denn jede zusätzliche Vegetationszeit zählt für den Bauern“, sagt Sander.

König klickt am Computer Erntefelder in einer Reihenfolge an, zieht Linien und erstellt so Tourenpläne. Maus- und Lkw-Fahrer erhalten die Informationen auf Tablets, werden mithilfe der hinterlegten Daten sowie via GPS und Navigationssystemen zu den Anbauflächen und Zuwegungen gelotst. In seinem Büro kann der Geschäftsführer des Maschinenrings in Echtzeit abrufen, wo sich gerade Transportflotten befinden, und kann bei etwaigen Schwierigkeiten reagieren. Fahrer von Rübenmäusen schicken parallel vom Feld aus Daten zur Beladung von Lkws online ins Werk nach Uelzen. Eine Rübenernte 2.0 – bei der „nun die Laster wie Ameisen ins Werk kommen“, sagt Sander.

Von Norman Reuter

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