Ute Lange-Brachmann: „Juwel“ Holdenstedter Schlosswochen von Sponsoren abhängig

Ohne Zuschuss ist 2014 Schluss

Kochen für die Musiker: Ute Lange-Brachmann organisiert das Programm der Schlosswochen samt Unterbringung der Gäste. Foto: Archiv

Uelzen. Das Manifest von 80 Kulturschaffenden in Uelzen hat im Stadtrat für Kritik gesorgt. Der Initiator dieses Schreibens, Eckhard Lange, Vorsitzender von drei Uelzener Kulturvereinen, und die Unterzeichner befürchten, dass der Stellenwert von Veranstaltungen mit einem „gewissen kulturellen Anspruch“, wie sie es nennen, im Stadtrat künftig sinken könnte.

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Politiker verschiedener Parteien hingegen haben darauf hingewiesen, dass in den Einsparmaßnahmen wegen des anstehenden Zukunftsvertrags mit dem Land Niedersachsen der kulturelle Bereich nur zu 0,4 Prozent beteiligt sei. Zudem seien als einzige Veranstaltung die Holdenstedter Schlosswochen betroffen, deren Intendantin Ute Lange-Brachmann ist. Dieses Jahr wurde der Zuschuss von 18 000 Euro auf 12 000 Euro gesenkt, 2014 wird er komplett gestrichen. Was bedeutet das für diese jährliche Konzertreihe?.

„Wir werden die Holdenstedter Schlosswochen 2013 noch im gewohnten Stil durchführen können, da die Schlosswochen vor einigen Jahren eine Erbschaft gemacht haben, von der noch ein Rest vorhanden ist“, sagt Ute Lange-Brachmann auf AZ-Nachfrage. Der Zuschuss der Stadt werde zudem in den Konzertbetrieb fließen. „Wenn sich nicht andere Sponsoren finden, die den bisherigen Zuschuss der Stadt auffangen, wird es ab 2014 keine Schlosswochen mehr geben können“, bedauert sie. „Das ist sehr schade, weil das eine Veranstaltung ist, die sich in 14 Jahren zu einem Juwel entwickelt hat – ein Uelzener Eigengewächs, das weit ausstrahlt.“

Im vergangenen Jahr habe es bei den Schlosswochen eine Auslastung von 95 Prozent gegeben, betont die Organisatorin, in diesem Jahr werde erstmalig „NDR Kultur“ eine Abendveranstaltung aufnehmen. Zweimal wurden die Schlosswochen vom „Musikland Niedersachsen“, einem Programm des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, aus über 100 Festivals ausgewählt und deutschlandweit beworben. „Wenn man bedenkt, wie gering im Vergleich mit anderen Projekten die Summe ist, die gestrichen wird, kann man erkennen, dass hier ohne große Not viel kaputt gemacht wird.“

CDU-Fraktionschef Stefan Hüdepohl sagte in Bezug auf die gewährten Mittel für kulturelle Einrichtungen, der Stadtrat hätte „das alles kippen können“. „Das Land, die Gemeinden und die Landkreise schützen und fördern Kunst und Kultur“, hält Lange-Brachmann ihm Artikel 6 der niedersächsischen Landesverfassung entgegen. „Wenn Herr Hüdepohl sich so locker über einen Verfassungssatz hinwegsetzen kann – was soll ich dazu sagen? Klingt ein bisschen nach Fürstenhof, nicht so sehr nach Demokratie.“

Ihr selbst wurde von „WIR für Uelzen“ ein respektloser Umgang mit Zuschüssen vorgeworfen. „Meinen Respekt vor öffentlichen Geldern bekunde ich damit, dass ich einen erheblichen Aufwand betreibe, um Qualität zu bieten“, sagt sie. Das Manifest sei unterschrieben worden, „aus Sorge darüber, welche Tendenz im Stadtrat gegenüber der von ihm abhängigen Kultur sichtbar wird“. Der Stadtrat habe als eine der ersten Taten den Kulturausschuss in seiner ursprünglichen Form abgeschafft, ebenso die kompetenten Fachberater. „Die Objekte, über die er zu entscheiden hat, sind ihm zu großen Teilen weder aus eigener Anschauung, noch aus fachlicher Beratung bekannt“, vermutet Lange-Brachmann.

Von Diane Baatani

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