Kreistag gibt nach langen Debatten grünes Licht

„Obere Ilmenau“: Schutzgebiet ist beschlossene Sache

Die Ilmenau und die Natur entlang der Ufer sind jetzt Landschaftsschutzgebiet.
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Die Ilmenau und die Natur entlang der Ufer sind jetzt Landschaftsschutzgebiet.

Uelzen/Landkreis – Nach mehr als einem halben Jahr coronabedingter Zwangspause ist der Kreistag des Landkreises Uelzen am Dienstag wieder zu einer Sitzung zusammengekommen.

Im Mittelpunkt stand die Ausweisung des Landschaftsschutzgebiets „Obere Ilmenau“, das sich künftig von Grünhagen im Norden, quer durch die Stadt Uelzen, bis nach Holdenstedt und Niendorf II im Süden des Landkreises erstreckt.

Heinrich Scholing (Grüne) betonte eingangs der Debatte, seine Fraktion habe eigentlich ein Naturschutzgebiet gewollt. In Naturschutzgebieten sind die Auflagen zum Schutz der Fauna und Flora noch strikter als in einem Landschaftsschutzgebiet und die Nutzungseinschränkungen sind deutlich höher.

Man sei, so der Grünen-Politiker, auch gegen eine zweite Mahd auf den Grünflächen. Dennoch: Man werde zustimmen. Der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises bescheinigten die Grünen hohe Kompetenz bei der Erstellung der Pläne. Scholing weiter: „Man mag vielleicht über den Schutz von Bachmuscheln lächeln. Angesichts des derzeitigen Rückgangs der Artenvielfalt vergeht einem das aber.“ Solche Natur vor der Tür zu haben, sei ein Privileg, das alle schützen müssten.

Auch Jörg Martens (CDU) erklärte: „Wir sind dafür. Die Ausarbeitung ist der Verwaltung gut gelungen, sie hat vieles gut abgewogen. Insgesamt können wir gut damit leben.“ Auch die SPD gab grünes Licht, nach den „monatelangen Debatten“. Der Entwurf sei eine großartige Leistung der Verwaltung, auch wenn die Sozialdemokraten mit einem Naturschutzgebiet gut hätten leben können: „Der Lebensraum wird aber sichergestellt.“

Es blieb der FDP vorbehalten, sich gegen das Landschaftsschutzgebiet in seiner jetzigen Form auszusprechen: „Es war nicht genug Zeit für die Ausarbeitung, es sind nicht die besten Ergebnisse für Mensch und Tier.“ Eigentümern von Flächen innerhalb des Gebiets werde mehr vorgeschrieben als in allen anderen Landkreisen, kritisierte Léonard Hyfing.

Mit sieben Gegenstimmen und drei Enthaltungen nahm der Kreistag die Vorlage mit großer Mehrheit an. Das neue Landschaftschutzgebiet „Obere Ilmenau“ ist beschlossene Sache.

Das 965 Hektar große Gebiet umfasst die Flussniederung der Ilmenau einschließlich des Zusammenflusses von Gerdau und Stederau, die dann gemeinsam die Ilmenau bilden. Für das Gebiet gelten künftig eine Reihe von Einschränkungen, damit Fauna und Flora möglichst unbehelligt bleiben. Dazu gehören unter anderem eine generelle Leinenpflicht für Hunde außerhalb privater Grundstücke sowie das Verbot, Wasserfahrzeuge in fließende Gewässer einzusetzen. In der freien Landschaft ist Camping ebenfalls nicht erlaubt. Auch Drohnen dürfen nicht über das Schutzgebiet geflogen werden.

Der Klimanotfall wird indes im Landkreis Uelzen nicht ausgerufen. Die Grünen hatten einen entsprechenden Antrag gestellt, in dem es heißt: „Der Kreistag Uelzen erklärt den Klimanotfall für den Landkreis Uelzen und erkennt damit die Eindämmung der Klimakrise und ihrer schwerwiegenden Folgen als Aufgabe von höchster Priorität.“

Markus Jordan stellte den Antrag und seine Begründung vor: „Der Klimawandel bedroht unseren Planeten.“ Es sei für den Landkreis geboten, sich angemessen zu positionieren. Unter anderem wurde beantragt, dass die Verwaltung den Auftrag erhalten solle, zur Beratung des Kreishaushalts ein organisatorisches Konzept zur Einrichtung einer Stabsstelle Klimaschutz in der Kreisverwaltung Uelzen und einen entsprechenden Vorschlag zur Anpassung des Stellenplans vorzulegen. Der Kreistag lehnte den Antrag und seine Unterpunkte jeweils mit deutlicher Mehrheit ab. VON MICHAEL MICHALZIK

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