Reinhard Richert betreut Unterkunft „Im Böh“ / Stelle ist nicht langfristig gesichert

Obdachlosenbetreuung auf der Kippe

+
Ihm vertrauen die Menschen in der Obdachlosenunterkunft: Reinhard Richert.

Uelzen. „Hier ist nichts.“ Daniela Faber bringt es mit wenigen Worten auf den Punkt.

„Hier“, damit meint die Leiterin der Ambulanten Hilfen des Herbergsvereins Wohnen und Leben die Obdachlosenunterkunft „Im Böh“, rund drei Kilometer außerhalb der Uelzener Innenstadt.

Ein Mitarbeiter nimmt sich dort täglich der Anliegen der Wohnungslosen an. Allerdings: Wie lange noch, das weiß derzeit niemand. Denn offiziell ist Reinhard Richert Teil eines „Projekts“, um dessen Verlängerung der Herbergsverein jährlich aufs Neue kämpft. Ohne die fünfstellige Finanzierung der Greyer-Stiftung ist seine 25-Stunden-Beschäftigung in der Unterkunft „Im Böh“ Geschichte. Richert: „Ich hänge regelmäßig das letzte Vierteljahr ein wenig in der Luft.“ Und nicht nur er: Bis zu 40 Obdachlose könnten in den Flachdachgebäuden am Stadtrand unterkommen, rund die Hälfte sind es derzeit. „Ich habe mir bei vielen ein großes Vertrauen erarbeitet“, sagt der 58-Jährige. „Sie lassen sich von mir etwas sagen.“

So hätten sich in den vergangenen sechs Jahren seiner Arbeit nicht nur die hygienischen Zustände deutlich verbessert. Vielfach sei durch Richert überhaupt erst eine professionelle Betreuung für die Wohnungslosen entstanden, erklärt Faber. Weil er auch eine wichtige Vermittlerrolle in Fällen einnehme, in denen das Vertrauen in sämtliche Hilfssysteme verloren zu sein schien. Richert selbst ist überzeugt: „Wenn das alles nicht mehr ist, dann werden viele daran kaputtgehen.“

In dieser Woche wird es wieder einen Termin geben, der für die Fortsetzung der Finanzierung entscheidend ist. Die Stadt Uelzen müsse ein Gebäude für die Obdachlosen vorhalten, so Faber, nicht aber einen Mitarbeiter vor Ort stellen.

Von Anna Petersen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare