Der Feldhase wird im Landkreis Uelzen geschont / Konstante bis steigende Besetzzahlen

Oase für sensibles Langohr

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Er hat besondere Ansprüche an seinen Lebensraum – neben Witterungseinflüssen und hasentypischen Krankheiten hat der Feldhase auch unter den Veränderungen in der Landwirtschaft zu leiden.

ib Uelzen/Landkeis. Er hatte vor allem in diesem Jahr keinen leichten Job – bei Schnee und Eis musste der Osterhase durch die Landen hoppeln und halbwegs passable Verstecke für die Ostereier finden. . .

Und auch sonst hat der Osterhase, bei dem es sich natürlich um einen waschechten Feldhasen handelt, einen schweren Stand: Er braucht einen strukturreichen Lebensraum, ist eine sogenannte Indikatorart, da er besonders sensibel auf Veränderungen in seiner Lebensumwelt reagiert. Und nicht überall sind stabile Umweltbedingungen eine Selbstverständlichkeit.

Im Landkreis Uelzen allerdings hat das Langohr kaum etwas auszustehen: „Bei uns in der Region ist der Feldhase mit konstanten bis steigenden Besatzzahlen vertreten“, betont Kreisjägermeister Heinrich Hellbrügge. Die Jäger im Landkreis haben nämlich zum größten Teil auf seine Bejagung verzichtet. Wenn also tote Feldhasen in der Jahresstrecke auftauchen, dann sind das überwiegend Unfallopfer im Straßenverkehr.

Der Feldhase ist ein Sensibelchen: Neben Witterungseinflüssen, hasentypischen Krankheitsgeschehen und den natürlichen Populationsschwankungen haben auch die Veränderungen in der Landwirtschaft Auswirkungen auf die Besatzsituation. „Hier setzen wir Jäger an“, erklärt der Vorsitzende der Jägerschaft, Gernot Magyar. „Gemeinsam mit den Landwirten in unserer Region haben wir schon eine Vielzahl von lebensraumverbessernder Maßnahmen umgesetzt, zum Beispiel die Anlage von „Lerchenfenstern.“ Dies ist eine künstlich angelegte Fehlstelle im Acker, die Vögeln als Schutz für ihre Nestlinge nutzen, als Einflugschneise sowie im Saumbereich für den Nestbau. Auch das Anlegen von Blüh- und Ackerrandstreifen zählt mit zu diesen Maßnahmen (siehe Bericht auf Seite 2).

Doch nicht nur der Feldhase benötigt strukturreiche Lebensräume mit Hecken, Saumstrukturen und Brachflächen, da er hier optimale Äsung und Deckung findet. Die Jäger im Landkreis Uelzen richten ihr Augenmerk mit diesen so sehr wichtigen lebensraumverbessernden Hegemaßnahmen auch zum Beispiel auf Feldlerche, Kiebitz oder Rebhuhn. Sie alle sind in ihrem Lebensraum bedroht. Und auch einer Vielzahl von Insekten kommen die genannten Verbesserungen zu Gute.

Die Jägerschaft ist ein anerkannter Naturschutzverband, betonen Magyar und Hellbrügge. Dies zeige sich auch daran, dass im vergangenen Jahr sieben Streuobstwiesen und Hecken im Landkreis Uelzen durch die Jäger vor Ort angelegt worden seien. Allein mit diesen Projekten wurden 1400 Heckenpflanzen und 256 Obstbäume auf einer Fläche von 3,55 Hektarn in die Erde gebracht – und so neuer Lebensraum geschaffen.

In diesem Zusammenhang erinnert Heinrich Hellbrügge noch einmal alle Hundehalter an die gesetzliche Pflicht zum Anleinen ihrer Hunde in der Brut- und Setzzeit, die gestern, am 1. April, begonnen hat und bis zum 15. Juli andauert. „In diesem Zeitraum brüten die allermeisten Vögel, andere Tierarten bekommen dann ihre Jungen“, so Hellbrügge. Oft liege dann das Jungwild – von den Elterntieren zur Nahrungssuche verlassen – schutzlos auf der freien Wiese, in Hecken oder auch im Wald. „Wenn dann der freilaufende Hund darauf stößt, sind diese Jungtiere völlig chancenlos“, warnt der Kreisjägermeister und bittet nachdrücklich alle Hundehalter: „Führen Sie ihren Vierbeiner zumindest in dieser Zeit nur an der Leine!“

Neben der Biotop-Hege beteiligen sich die Jäger der Region jedes Jahr kontinuierlich auch an der Wildtiererfassung in Niedersachsen (WTE). Durch diese Bestandserfassung, die wissenschaftlich vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) begleitet wird, erhält die Jägerschaft Jahr für Jahr fundierte Daten zur Populationsentwicklung – nicht nur des Feldhasen, sondern auch vieler anderer Arten wie Wildkaninchen und Fasan, aber auch von Neubürgern wie Waschbär und Marderhund.

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