Keine Ausgangssperre, kein 15-Kilometer-Radius – ABER:

Kreis Uelzen: Nur noch Notfallversorgung im Helios-Klinikum – Bundeswehr unterstützt Kampf gegen Corona

Helios-Klinikum Uelzen
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Laut Allgemeinverfügung gilt für das Klinikum, dass alle Patienten, die stationär behandelt und bis zum 13. Februar 2021 entlassen werden, sich nach ihrem Aufenthalt für zehn Tage in häusliche Quarantäne zu begeben haben. 
  • Lars Becker
    vonLars Becker
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Der Landkreis Uelzen hat am Donnerstagnachmittag mitgeteilt, dass der Zweckverband Gesundheitsamt Uelzen-Lüchow-Dannenberg angesichts des Anschwellens der 7-Tage-Inzidenz auf einen Wert von deutlich über 200 eine Allgemeinverfügung erlassen wird, die mit Wirkung vom 30. Januar – also am Samstag – in Kraft tritt und bis zum 13. Februar gilt.

  • Die neuen Regelungen in Sachen Corona-Pandemie betreffen ausschließlich Alten- und Pflegeheime im Landkreis sowie das Helios Klinikum Uelzen. 
  • Keine nächtlichen Ausgangssperre oder einer Einschränkung des Bewegungsradius auf 15 Kilometer um den Wohnort werde, da privates Verhalten aktuell nicht als ursächlich für den hohen Inzidenzwert angesehen werde. 
  • Der Landkreis Uelzen hat die Unterstützung der Bundeswehr im Kampf gegen Corona angefordert.

Die neuen Regelungen in Sachen Corona-Pandemie betreffen ausschließlich Alten- und Pflegeheime im Landkreis sowie das Helios Klinikum Uelzen. 

Von weitergehenden Maßnahmen wie einer nächtlichen Ausgangssperre oder einer Einschränkung des Bewegungsradius auf 15 Kilometer um den Wohnort werde bis auf Weiteres abgesehen, da privates Verhalten seitens des Krisenstabes aktuell nicht als ursächlich für den hohen Inzidenzwert angesehen werde. 

Besonders pikante Nachricht aus dem Kreishaus: Nach Angaben der Verwaltung hat das Helios Klinikum Uelzen am heutigen Donnerstagmorgen „um 7.30 Uhr telefonisch mitgeteilt, ab sofort keine Patienten außerhalb der Notfallversorgung mehr aufzunehmen.“ Landrat Dr. Heiko Blume wird dahingehend zitiert, „dass dieses kurzfristige Vorgehen mit dem Landkreis nicht abgestimmt ist.“ Vielmehr habe das Helios Klinikum in Absprache mit dem Landkreis einen solchen Aufnahmestopp erst aussprechen sollen, nachdem die Versorgung der Bevölkerung sichergestellt sei. 

Weiter heißt es wörtlich: „Der Landkreis Uelzen hat unmittelbar nach der Mitteilung des Helios Klinikums Kontakt zu anderen Kliniken und Krankenhäusern aufgenommen, um das weitere Vorgehen abzustimmen bzw. die Konsequenzen der Mitteilung des Helios-Klinikums zu klären. Die Notfallversorgung wird durch das Klinikum sichergestellt. Nicht lebensbedrohliche Erkrankungen oder Verletzungen werden in Absprache über den Rettungsdienst den umliegenden Krankenhäusern zugeführt.“ 

Laut Allgemeinverfügung gilt für das Klinikum, dass alle Patienten, die stationär behandelt und bis zum 13. Februar 2021 entlassen werden, sich nach ihrem Aufenthalt für zehn Tage in häusliche Quarantäne zu begeben haben. Zwingend notwendige Versorgung und Pflege dürfe durchgeführt werden, wobei die Kontakte auf das Notwendigste zu beschränken seien. Das Helios Klinikum Uelzen sei verpflichtet, täglich die jeweils im Dienst befindlichen Mitarbeitenden vor Antritt des Dienstes durch PCR-Test auf das Coronavirus zu testen. Dies passiert – wie bereits berichtet – schon seit Mittwoch. 

Außerdem sei für das Helios Klinikum angeordnet worden, dass von den Mitarbeitenden bei allen Arbeiten am Patienten Schutzbekleidung bestehend aus FFP2-Masken und Visier oder Schutzbrille sowie Einweg-Schutzkittel zu tragen sei. 

Für Alten- und Pflegeheime wird der Zutritt durch Personen, die nicht in der jeweiligen Einrichtung untergebracht sind, grundsätzlich zwar untersagt. Ausgenommen sei aber jeweils eine einzelne durch den Bewohner/die Bewohnerin auswählbare nahestehende Person. Seelsorger, Geistliche, Palliativbegleitende, Sterbebegleitende, Bestatter, Urkundspersonen, rechtliche Betreuer, Richter in Betreuungsangelegenheiten, Mitarbeiter von Betreuungsstellen, Verfahrenspfleger sowie Personen, die notwendige therapeutische Maßnahmen und zwingende Dienstleistungen zur Aufrechterhaltung des Einrichtungsbetriebs vornehmen, dürfen die Häuser weiterhin betreten – auch Ärzte, deren Beauftragte, die zur Pflege bestimmten Personen, die Einrichtungsleitungen, Mitarbeitende der Heimaufsicht sowie Personen, die im Bereich der Gefahrenabwehr tätig seien. 

Zur Bewältigung der aktuell kritischen Corona-Lage habe der Landkreis weitere Unterstützung der Bundeswehr angefordert. Entsprechende Kräfte sollen in den Alten- und Pflegeheimen zum Einsatz kommen und dort bei den Testungen der Bewohner helfen. 

„Zudem liegt es in der organisatorischen Verantwortung der Heime, bei allen Bewohnerinnen und Bewohnern dreimal pro Woche einen Schnelltest auf das Coronavirus durchzuführen“, so die Landkreis. Zur Bewältigung der aktuell kritischen Corona-Lage habe der Landkreis weitere Unterstützung der Bundeswehr angefordert. Entsprechende Kräfte sollen in den Alten- und Pflegeheimen zum Einsatz kommen und dort bei den Testungen der Bewohner helfen. 

„Wir hoffen, mit diesen sich zunächst auf Alten- und Pflegeheime sowie das Helios-Klinikum konzentrierenden Vorgaben die derzeitige Infektionsdynamik bremsen und den aktuellen Inzidenzwert deutlich senken zu können. Die in den vergangenen Tagen ermittelten Infektionsketten machen deutlich, dass es richtig ist, dort anzusetzen“, wird Landrat Dr. Heiko Blume zitiert. 

(Update von 19.53 Uhr): Zum Aufnahmestopp erklärt am heutigen Abend der kommissarische Klinikgeschäftsführer des Helios Klinikums Uelzen, Thomas Clausing: 

„Dieser Schritt war unumgänglich und musste heute unverzüglich erfolgen“, erklärt der kommissarische Klinikgeschäftsführer Thomas Clausing. „Durch das extrem gestiegene Aufkommen an COVID-Patienten in unserem Klinikum sind wir aktuell nicht mehr in der Lage, nicht lebensbedrohlich erkrankte Patientinnen und Patienten aufzunehmen. Dies haben wir dem Landrat und dem Gesundheitsamt unverzüglich mitgeteilt.“ Ein entsprechendes Vorgehen, so der Klinikgeschäftsführer, sei bei erschöpften Kapazitäten auch außerhalb der Pandemie nicht ungewöhnlich. Der Aufnahmestopp gilt zunächst bis zum 5. Februar. „Wir bewerten die Lage täglich neu“, so Clausing. „Sollte sich die Situation im Helios Klinikum Uelzen entspannen, ist auch eine frühere Beendigung des Aufnahmestopps denkbar.“ 

Die Maßnahme sei sehr wichtig, um die Notfallversorgung für den Landkreis Uelzen weiterhin zu gewährleisten und die Mitarbeiter des Klinikums entlasten zu können. 

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