Gespräche zur künftigen Vermarktung des Hundertwasser-Bahnhofs / Auch Mängel treiben Mieter um

„Nur in Gemeinschaft funktioniert´s“

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Im Uelzener Bahnhof sind Läden und ein Restaurant zu finden. Wegen einbrechender Besucherzahlen sorgen sich die Mieter und der Verein „Bahnhof 2000“. 

Uelzen. Einträge sind in Englisch, Spanisch, in skandinavischen Sprachen abgefasst. Auch Schriftzeichen aus dem asiatischen Raum sind zu entdecken.

Das Gästebuch im Projektladen des Vereins „Bahnhof 2000“ erzählt von Besuchern aus aller Welt, die den Weg zum Uelzener Bahnhof im Stil des Wiener Künstlers Friedensreich Hundertwasser fanden. Auch 2017. Herbe Besucherverluste mussten allerdings beim Bustourismus hingenommen werden, berichtet Ariane Schmäschke vom Bahnhofsverein. 32 Busreisen weniger als im Jahr zuvor habe es gegeben, sagt sie. Weniger Zulauf bedeute auch weniger Umsatz.

Der Verein wie auch Mieter im Uelzener Hundertwasser-Bahnhof meinen: So darf es nicht weitergehen. Inseriert wurde auch 2017, und alles aufs Wetter zu schieben, greife zu kurz. In den zurückliegenden Wochen waren Mieter und Verein bereits rührig, verfassten einen Brief an Uelzens Bürgermeister Jürgen Markwardt, wie Oliver Huchthausen berichtet, der mit dem „Natürlich“ ein Geschäft für Blumen- und Geschenkartikel im Bahnhof betreibt. Das Stadtoberhaupt saß daraufhin mit den Akteuren des Bahnhofs zusammen. Für heute ist eine weitere Gesprächsrunde mit Anke Steffen, Leiterin der Uelzener Stadt- und Touristinfo, geplant. „Nur in der Gemeinschaft von Mietern, Stadt und Bahn wird es funktionieren“, sagt Ariane Schmäschke.

Vor allem um die künftige Vermarktung des Bahnhofs als Touristen-Attraktion werde es heute gehen, kündigt die Vereinsvertreterin an. Ein Stichwort dabei auch: Digitales Marketing über Internet-Plattformen, die auch via Handys abzurufen sind.

Auch das Erscheinungsbild des Bahnhofes sei wichtig, damit Touristen ihn als Ausflugsort weiterempfehlen, meinen Verein und Mieter. Im Bahnhof ist mit dem „Lässig“ auch ein Restaurant zu finden, dessen Geschäftsführer Gerd Waldecker ebenfalls zu den Akteuren in diesen Wochen gehört.

Mängel im Bahnhof würden nicht in der gewünschten Zeit behoben, so Schmäschke. Von einer zersplittern Eingangstür, die ein halbes Jahr nicht repariert wurde, berichtet Oliver Huchthausen. Auch die Sauberkeit des Bahnhofsgeländes sei immer wieder ein Thema. Die Deutsche Bahn erklärt gegenüber der AZ, dass es bei einer bundesweiten Umstellung der 5400 Bahnhöfen auf ein neues, einheitliches Reinigungskonzept zunächst bei verschiedenen Bahnhöfen zu Problemen gekommen sei. Diese seien inzwischen aber behoben, der Bahnhof werde täglich gereinigt. Der Bahnhof fällt in den Zuständigkeitsbereich vom Bahnshofsmanagement in Braunschweig. Als Ansprechpartner gibt es eine Vermieter-Abteilung in Hannover. Im Austausch mit Bahn und den Mietern wurde inzwischen die Idee eines regelmäßigen Stammtisches angedacht, wie Oliver Huchthausen sagt.

In Sachen Attraktivität wurde bereits vereinbart, dass die beiden von Friedensreich Hundertwasser geschaffenen Modelle des Bahnhofs künftig dort auch gezeigt werden. Das sei aber nur ein kleiner Schritt um wieder Boden gut zumachen, so Anke Steffen Anfang der Woche im Tourismus-Ausschuss der Stadt. „Interesse und Markt sind noch da“, erklärt sie.

Es müsse zügig gehandelt werden, sagt Ariane Schmäschke. Der Bahnhofsverein blickt auf 2020, dann soll eigentlich das 20-jährige Jubiläum des Hundertwasser-Bahnhofs ge-feiert werden. „Wenn aber erst mal Fenster zugeklebt sind, weil Mieter nicht mehr da sind, dann ist das Haus am Ende.“

Von Lars Lohmann und Norman Reuter

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