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Nordzucker trotzt hohen Energiepreisen - Landwirte profitieren von Marktlage

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Von: Lars Becker

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In die Zuckerfabrik Uelzen wird in den nächsten Jahren weiter investiert. Das Werk hat innerhalb des Nordzucker-Konzerns einen hohen Stellenwert.
In die Zuckerfabrik Uelzen wird in den nächsten Jahren weiter investiert. Das Werk hat innerhalb des Nordzucker-Konzerns einen hohen Stellenwert. © Philipp Schulze/dpa

Umsatz und Ergebnis deutlich verbessert, die gestiegenen Kosten durch das höhere Preisniveau auf den Märkten kompensiert: Die Nordzucker AG mit Sitz in Braunschweig, Europas zweitgrößter Zuckerproduzent, hat am Donnerstag die Zahlen eines „sehr erfolgreichen“ Geschäftsjahres 2021/2022 vorgelegt - und weitere Investitionen am Standort Uelzen angekündigt.

Braunschweig/Uelzen – Die Landwirte aus dem Landkreis Uelzen, aus dem Nordkreis Gifhorn und aus der Altmark, deren Zuckerrüben in der Zuckerfabrik in Uelzen verarbeitet werden, dürfen sich freuen: Unabhängig davon, ob sie Fix- oder variable Verträge mit Nordzucker abgeschlossen haben, wird der Auszahlungspreis pro Tonne von knapp über 30 Euro auf wohl deutlich über 40 Euro steigen.

Das hat der Vorstandsvorsitzende Dr. Lars Gorissen am Donnerstag auf entsprechende AZ-Nachfrage in der Bilanzpressekonferenz des Konzerns gesagt. „Damit kann die Rübe vor allem im Vergleich zu den wesentlichen Konkurrenzfrüchten Weizen und Raps, aber auch Mais und Kartoffel sehr gut mithalten und hat durchaus sogar das Potenzial, die beste Frucht zu sein“, so Gorissen.

„Kunden sicher mit dem Lebensmittel Zucker versorgen“

Die aktuelle Situation auf den Agrarmärkten habe laut Nordzucker dazu geführt, dass die Preise für Konkurrenzfrüchte wie Weizen und Raps deutlich angestiegen seien. Gleichzeitig stiegen für den Landwirt die Kosten insbesondere für Treibstoffe und Düngemittel.

Gorissen: „Wir haben Rübenpreise für 2022 erhöht und gehen davon aus, dass die Zuckerpreise am Ende der Kampagne sehr attraktive Rübenpreise zulassen. Rübenanbauer und Nordzucker müssen die steigenden Kosten kompensieren können, damit Rübenanbau und Zuckerherstellung wirtschaftlich bleiben und wir unsere Kunden sicher mit dem Lebensmittel Zucker versorgen können.“

„Uelzen hat eine zentrale wichtige Rolle im Konzern“

Dessen Vorstandskollege Alexander Godow, seit dem 1. Januar im Unternehmen und für Produktion sowie Vertrieb verantwortlich, stellte im Gespräch mit der AZ die Bedeutung und die Herausforderungen für die Zuckerfabrik in Uelzen gleichermaßen heraus: „Uelzen ist neben Nordstemmen der größte Standort, hat eine zentrale wichtige Rolle im Konzern und über das Servicecenter dort eine besondere Bedeutung für uns. Deshalb werden wir dort in den nächsten Jahren weiter investieren.“

Von der Rübenmenge her werde das Werk in der kommenden Kampagne gut ausgelastet sein: „Für dieses und nächstes Jahr sind wir von der Anbaufläche her gut aufgestellt.“ Gorissen ergänzte dazu, dass die Zeichnung durch die Landwirte für 2023 noch bis Mitte Juni laufe und dass die preislich attraktiven Angebote, zu denen man sich in der Lage sehe, bereits gut angenommen würden.

Steinkohle soll bis 2025 der Vergangenheit angehören

Wie berichtet, wird in Uelzen in diesem Jahr für mehrere Millionen Euro die Mittelspannungsschaltanlage erneuert, außerdem die Anlage zur Maische-Extrahierung. Und dann soll, so Godow, bis zum Jahr 2025 der Steinkohle-Kessel der Vergangenheit angehören und die Produktion komplett auf Gas umgestellt werden – eine Investition von rund 15 Millionen Euro. Kohle kommt sogar aus Australien und Südamerika, perspektivisch geht es um die Umrüstung auf Biomethan aus den bei der Zuckerherstellung anfallenden Rübenschnitzeln. Bis 2050 will der Konzern CO2-neutral sein.

Für den Fall, dass es zu irgendeinem Zeitpunkt der Kampagne 2022/23 zu Engpässen bei der Energieversorgung kommen sollte, plant das Unternehmen „mit verschiedenen Szenarien“, so Alexander Godow. Dann sei denkbar, die Kampagne von 120 auf bis zu 160 Tage auszuweiten. Grundsätzlich aber sei man zuversichtlich, die benötigte Energiemenge zu erhalten.

Zum Thema Rübenanlieferungen per Bahn in die Zuckerfabrik Uelzen sagte Alexander Godow: „Das einzigartige Konzept kam zum richtigen Zeitpunkt und wird fortgesetzt.“ An anderen Nordzucker-Standorten wird an Kunden per Bahn ausgeliefert.

Mehrere Bausteine führen zu hohem Überschuss

Der Konzern erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 1,9 Milliarden Euro – ein Anstieg um 273 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. Der Jahresüberschuss beläuft sich auf 84 Millionen Euro (Vorjahr 66 Millionen Euro).

Zu dem guten Ergebnis hätten vor allem das höhere Preisniveau für Zucker, der deutliche Anstieg des Zuckerabsatzes sowie die Mehrheitsbeteiligung am Rohrzuckerhersteller Mackay Sugar in Australien (15 Millionen Euro gegenüber 600 000 Euro im Vorjahr) beigetragen.

80 Cent Dividende pro Aktie geplant

Der Nordzucker-Vorstandsvorsitzende Dr. Lars Gorissen betonte zudem, dass sich das vor drei Jahren gestartete Optimierungs- und Kostenreduktionsprogramm auszahle: „So konnten wir zusätzlich zu den Effekten der guten Marktentwicklung einen Ergebnisbeitrag in Höhe von rund 70 Millionen Euro generieren.“ Vorstand und Aufsichtsrat werden der Hauptversammlung am 20. Juli in Braunschweig eine Dividendenausschüttung von 80 Cent je Aktie (60 Cent im Vorjahr) vorschlagen.

Trotz der gestiegenen Energiekosten – die Zuckerproduktion ist sehr energie-intensiv – sollen die Rübenanbauer von der Entwicklung profitieren: „Wir gehen davon aus, dass die Zuckerpreise sehr attraktive Rübenpreise zulassen“, so Gorissen. Die neue Kampagne beginnt im September – auch in der Zuckerfabrik in Uelzen. Hauptaugenmerk dafür ist die Energiesicherheit an den 21 Produktionsstätten in Europa und Australien.

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