Süße Frucht, saure Mienen

Nordzucker: Landwirte stehen beim Anbau von Rüben vor Herausforderungen

Das Einsatzverbot von Stoffen beim Rübenanbau war gestern ein gewichtiges Thema. Stefan Büsching (von links), Eckhard Hinrichs und Helmut Bleckwenn sprachen dazu. FOTOS: REUTER / dpa
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Das Einsatzverbot von Stoffen beim Rübenanbau war ein gewichtiges Thema. Stefan Büsching (von links), Eckhard Hinrichs und Helmut Bleckwenn sprachen dazu.

Uelzen/Landkreis – Es ist ein Geschäft mit einer süßen Frucht. Landwirte, die Zuckerrüben anbauen, sind zurzeit aber eher angesäuert. Es ist nicht nur der Preisverfall für Zucker (AZ berichtete), der es mit sich bringt, dass das Unternehmen Nordzucker weniger auszahlt.

Die Landwirte sehen sich auch beim Anbau der Feldfrucht vor Herausforderungen gestellt.

Der Rübenanbauer- und Aktionärsverband Nord (RAN) vertritt die Interessen der Landwirte aus der Region. Am Mittwoch bei der Mitgliederversammlung in der Uelzener Jabelmannhalle sind besagte Herausforderungen bestimmendes Thema.

Gast ist Helmut Bleckwenn vom Dachverband DNZ. Eine wesentliche Aufgabe von ihm und Verbandsvertretern sei es eigentlich, mit Nordzucker über möglichst gute Auszahlungsbeträge zu verhandeln. Doch derzeit seien sie vor allem mit einer Reihe von „Baustellen“ befasst, die mit Preisverhandlungen nichts zu tun hätten.

Helmut Bleckwen

Als Beispiele führt er Verbote für Stoffe zur Bekämpfung von Unkraut und Schädlingen an: Neonikotinoide, Herbizide, Glyphosat. „Andere Länder machen Sonderregelungen bei den Zulassungen“, so Bleckwenn. Stefan Büsching, Geschäftsführer des Rübenanbauer- und Aktionärsverbands Nord, sagt, dass diese Verbote beim Anbau zu mehr Kosten führen, sich die Landwirte aber der Thematik stellen würden. Er berichtet von Forschungsprojekten. „Wir brauchen aber mehr Zeit zum Testen und Entwickeln“, so Büsching.

Auch das Thema Wettbewerbsfähigkeit treibt die Rübenanbauer um. Bleckwenn berichtet von Subventionen für Drittländer, von Beihilfen und Freihandelsabkommen. Fair müsse es im Marktgeschehen zugehen, so die Forderung.

In den zurückliegenden Monaten hat sich der Rübenanbauer- und Aktionärsverband auch mit der Frage befasst, wie er sich künftig finanziert – bedingt auch durch die Situation von Nordzucker. Das Unternehmen gewährte bisher Zuschüsse an den Verband, befindet sich aktuell wegen des Preisverfalls von Zucker in den roten Zahlen und spart.

Die Zuschüsse standen vor dem Hintergrund einer Unabhängigkeit des Verbandes aber auch in der Kritik. Geplant ist nun, und die Versammlung stimmt gestern dafür, dass Nordzucker jedem Verbandsmitglied zehn Cent pro Tonne Vertragsmenge zahlt. Und der Verband finanziert sich zukünftig ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen. Diese umfassen dann auch die gewährten zehn Cent.

Ein Landwirt fasst gestern die aktuelle Situation launig zusammen: „Lange Zeit ist die Rübe eine schöne Braut gewesen. Aktuell müssen wir sie uns schöntrinken“. Aber Eheversprechen würden für gute und schlechte Zeiten gegeben.

VON NORMAN REUTER

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