16 Anklagepunkte: Uelzener Ex-Mitglied der Red Devils vor dem Landgericht Lüneburg angeklagt

Nötigung, Gewalt und Bedrohungen

Zwei Uelzener stehen wegen des Vorwurfs der Nötigung und Körperveletzung vor dem Lüneburger Landgericht. Foto: Archiv

Uelzen. Wegen des Vorwurfs der Bedrohung, Nötigung und Körperverletzung sitzen Vater und Sohn seit gestern auf der Anklagebank des Lüneburger Landgerichts.

Indessen breitet sich gestern beim Prozessauftakt auf dem Flur vor dem Saal 121 eine Atmosphäre von Angst und Schrecken aus. Ab halb elf sind die neun Zeugen im halbstündigen Rhythmus geladen und sitzen bis zu drei Stunden auf den harten Holzbänken, ohne zu wissen, was drinnen passiert.

Die 16 Anklagepunkte, die der Staatsanwalt verlesen hat, zeichnen ein Bild von zwei Männern, die ihre Interessen in ganz Uelzen grundsätzlich mit dem Faustrecht durchsetzen. Nach dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft sollen Vater und Sohn immer, wenn sie sich im Recht fühlten, ihre Gegner durch Einschüchterungen, Bedrohungen, Nötigungen und Gewalt dazu gebracht haben, Bargeld herauszugeben, Beleidigungen zurückzunehmen oder sich von Personen fernzuhalten.

Doch kaum betreten die Zeugen den Gerichtssaal, wollen sie „nicht aussagen“ oder behaupten, „es sei nichts Großes vorgefallen“ zwischen ihnen und den Angeklagten. Der Vorsitzende Richter der 1. Großen Strafkammer Thomas Wolter ist bemüht, jedem Zeugen einzeln die Pflichten eines Zeugen verständlich zu erläutern. „Sie haben nicht das Recht, die Aussage zu verweigern“, erklärt er laut schon dem ersten Zeugen. Ihn sollen die beiden Männer im Januar vergangenen Jahres überfallen haben, als er nachts vor seiner Haustür an der Hauenriede aus dem Taxi gestiegen war. Im Gerichtssaal wollte der Zeuge das nicht mehr bestätigen.

Zwei Monate später sollen ihn die beiden sogar nachts in seiner Wohnung aufgesucht, auf einmal an seinem Bett gestanden und ihn gewürgt haben. Im Gerichtssaal behauptet er nun, beide Männer nur vom Sehen in der Uelzener Innenstadt zu kennen. „Die sind so auffällig, weil sie wie Rocker aussehen, der eine mit einem Motorrad und der andere mit einem Chopper-Fahrrad.“ Einem weiteren Zeugen sollen die beiden in Holdenstedt aufgelauert haben und diesen „massiv“ unter Druck gesetzt haben, dass sie noch 300 Euro von ihm bekommen würden. Doch von einem „sehr schmerzhaften Kniestoß in den Bauch“, wie es der 24-Jährige noch in seiner polizeilichen Vernehmung protokollieren ließ, weiß er im Zeugenstand nichts mehr. „Die blauen Flecken habe ich mir wahrscheinlich bei einem Sturz zugezogen.“

Während der 23-jährige Angeklagte die Tat, die er laut Anklagevorwurf ohne Unterstützung seines Vaters ganz alleine verwirklicht haben soll, voll umfänglich einräumt, lässt sein Vater, bis vergangenes Jahr noch Mitglied des Motorradclubs Red Devils, der als Handlanger der Hells Angels gilt, wenige Erklärungen durch seinen Verteidiger abgeben.

Für die nächsten Verhandlungstage im Landgericht sind zunächst sechs, dann fünf weitere Zeugen aus Uelzen, Rosche, Soltendieck und Suderburg zur Aussage geladen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare