Uelzens Pirat Titus Tscharntke spricht im AZ-Interview über die Anlaufschwierigkeiten seiner Partei

Mit Nicknames in den Wahlkampf

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Uelzens Pirat Titus Tscharntke spricht im AZ-Interview über die Anlaufschwierigkeiten seiner Partei

Uelzen. Die Piratenpartei hat einige Anläufe unternommen, um ihre Kandidaten-Liste für die Landtagswahl zu bestimmen. Jetzt wurde wieder ein neues Wochenende gefunden, der 25. und 26. August in Delmenhorst.

Mit dabei in Wolfenbüttel war auch Titus Tscharntke, der zum Landtagskandidaten für den Uelzener Wahlkreis 47 bestimmt worden war. Im AZ-Gespräch erklärt er die Anlaufschwierigkeiten seiner Partei.

AZ: Herr Tscharntke, bei der Versammlung der niedersächsischen Piratenpartei in Wolfenbüttel hat es wieder Probleme bei der Aufstellung der Kandidaten-Liste für die Landtagswahlen gegeben. Beim Parteitag im April hatte das auch schon nicht geklappt. Wie erklären Sie sich das?

Titus Tscharntke

Tscharntke: Wir haben, seitdem wir Erfolg haben, auch viele neue Leute in der Piratenpartei. Manche von den neuen Mitgliedern haben Ziele, die von den anderen nicht getragen werden. Es führt zu Frust bei diesen Leuten, dass ihre politischen Ziele keinen Anklang bei den Piraten finden. Dadurch entsteht auch Streit, und einzelne dieser „Gefrusteten“ wollen es den anderen mal zeigen, wie der Volljurist Volker Schendel oder auch Carsten Schulz. So kam es zur Anfechtung von Aufstellungsversammlungen oder zu sinnlosen Kandidaturen.

Aber wie kam es dazu, dass dann Personen unter 18 Jahre abstimmten, so dass die Wahl für ungültig erklärt wurde?

Ja, es wurden in Wolfenbüttel Leute akkreditiert, die noch keine 18 Jahre alt waren. Dies führte zu starken Verzögerungen, da bei allen Anwesenden erneut die Akkreditierung überprüft werden musste.

Gibt es denn nun eine Landesliste oder muss noch einmal gewählt werden?

Wir haben eine Liste, wenn auch die Reihenfolge nicht festgelegt ist. Auf der Landesliste stehen jetzt die richtigen Leute, da ist keine Überraschung dabei. Es war relativ anstrengend, weil wir viel warten mussten. Wir haben uns zu sehr auf den Ablauf konzentriert. Es gibt einige in der Partei, die feststellen, dass ihre persönlichen Ziele vom Rest der Mannschaft nicht getragen werden, aber das wird überall in den Parteien so sein.

Was Ihre Partei von Anfang an beschäfigt hat, sind Themen wie Transparenz und Vorratsdatenspeicherung. Sie haben als Schwerpunkt auch das Thema Bildung genannt, aber Ihre Partei hat sich noch nicht so richtig positioniert zu solchen Bereichen, oder?

Das spielt so ein bisschen hinein, wir werden häufig mit den Grünen verglichen. Das ist nichts besonderes, weil man eine gemeinsame Linie finden muss. In der Anfangszeit, als ich 2009 beigetreten bin, fiel das wesentlich leichter. Es waren viele aus dem informationstechnischem Beruf, alle mit einem ähnlichen Weg, da verstand man sich ziemlich gut. Jetzt sind viele neue dabei. Es ist einfach ein zeitliches Problem. Wir sind dabei, einen Teil des Wahlprogramms aufzustellen, Anträge zu beschließen, sie öffentlich zu machen.

Welche Anträge stehen derzeit vor allem zur Diskussion?

Beim Thema Bildung gibt es ein Problem. Ein Antrag schlägt vor, dass man das Abitur nach 13 Schuljahren wieder einführt oder dass man direkt ernsthaft darüber nachdenkt, die Menge des Stoffes zu reduzieren, um das Abitur nach zwölf Jahren zu machen. Da spielt auch der Umfang der Unterrichtsstunden und die Essensausgabe eine Rolle.

Ein weiteres Thema ist, dass viele Leute versuchen, ihre Kinder auf das Gymnasium zu schicken, das wird aber auf dem Rücken der Kinder ausgetragen. Wenn die gesamte Bevölkerung ihre Kinder auf eine Schulform schickt, dann haben wir eine Form von Gesamtschule. Wir denken, dass Gesamtschulen angeboten werden müssen, um den Druck zu nehmen.

Welche Art von Gesamtschule meinen Sie denn?

Piraten haben diese Frage noch nicht geklärt, und es ist noch eine weitere Gesamtschulform im Gespräch. Allgemein haben wir aber festgestellt, dass die Schulformen, die in Niedersachsen bereits unter IGS und KGS laufen, sich nicht immer wirklich unterscheiden und es alle möglichen Mischformen gibt.

Die Piraten wollen keine Schulform strikt vorschreiben, sondern diese lediglich als „Standard“ vorgeben. Von diesem kann auch abgewichen werden. Hier sollen unter anderem Elternwünsche eine Rolle spielen und so auch andere Schulformen zulässig sein, wenn sich entsprechende Mehrheiten dafür aussprechen.

Sie haben sich, wie schon erwähnt, die Aufforderung zur Transparenz auf die Fahne geschrieben. Aber wie sehen Sie denn die Diskussion um den nichtöffentlichen Bereich auf dem Parteitag?

Ich glaube, da ist in der Kommunikation einiges schief gegangen, allen voran durch die Deutsche Presse-Agentur. Ich glaube nicht, dass man so einen Bereich braucht. Wir hatten beim letzten Parteitag festgestellt, dass während der Wahlgänge Kameraaufnahmen gemacht worden sind. Es sollte vor allem geklärt werden, dass nicht in den Wahlkabinen gefilmt werden darf. Die Diskussion ist ein bisschen hochgekocht. Letztendlich war es so, dass der nichtöffentliche Bereich mit ein bisschen mit Klebeband auf dem Boden markiert war.

Und in welchem der Bereiche haben Sie in Wolfenbüttel gesessen?

Wir haben im freien Bereich gesessen, da gab es keine Diskussion. Wir haben uns dahin gesetzt, wo Platz war.

Einige der Kandidaten der Piratenpartei Niedersachsens haben seltsame Zweitnamen auf der Internetseite angegeben, hinter Ihrem Namen steht „titi“. Ein anderer heißt dort Benjamin „crackpille“ Siggel, der hat auch bei den Angaben zu seiner Person hinzugefügt, er sei polyamourös. Halten Sie so etwas für seriös?

Ja, „crackpille“, da müssen sich die Leute dran gewöhnen. Viele von uns sind viel im Internet unterwegs und verwenden einen Nickname, zum Beispiel auch für den Twitter-Account. Der ist mit angegeben, damit die Leute sie wiedererkennen. Ich sehe es sehr locker. Diese Namen haben schon durchaus eine wichtige Bedeutung. Wenn wir viel twittern, weiß man auch die Person zuzuordnen.

Stehen Sie selbst mit auf der Landesliste für die Landtagswahlen 2013?

Ich habe mich nicht beworben, weil ich eigentlich nicht unbedingt ganz vorne sein möchte. Wir haben relativ viel Fläche, auf der wir die Landtagswahl stemmen müssen, mit nicht allzu vielen Leuten. Beim Stammtisch in Uelzen sind wir elf Leute, da sind wir vor der Wahl ausreichend beschäftigt.

Von Diane Baatani

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