Stadtwerke Uelzen und Schwäbisch Hall verhandeln um Millionen aus Ukraine-Geschäft

„Nicht um jeden Preis“

Der Ackerboden in der Ukraine war vor Beginn des SBE-Landwirtschaftsgeschäfts jahrelang nicht bearbeitet wurden. Derzeit soll die Ernte auf den Feldern gut vorangehen, berichtete das SBE-Beraterteam dem Uelzener landwirtschaftlichen Beiratsmitgliedern. Archivfoto: TM

Uelzen. Im Streit um die Uelzener Forderung von 1,7 Millionen Euro aus dem Landwirtschaftsprojekt in der Ukraine haben sich die Stadtwerke Schwäbisch Hall und Uelzen jetzt auf ein klärendes Gespräch für Mitte August in Uelzen verständigt.

„Wir erwarten da aber noch keine Ergebnisse“, erklärt Jürgen Markwardt, Aufsichtsratsmitglied bei den Stadtwerken.

Die Stadtwerke Uelzen fordern den Millionenbetrag von der Sustainable Bio Energy Holding GmbH (SBE), die das Landwirtschaftsprojekt für die beiden Energieversorger betreibt. Schwäbisch Hall hält 75 Prozent an der SBE, Uelzen die restlichen 25 Prozent. Die 1,7 Millionen Euro stehen den Stadtwerken Uelzen nach eigener Einschätzung aus Darlehenszinsen und einem Rapsölliefervertrag zu. „Wir halten diese Forderung für begründet, werden sie aber in diesem Jahr nicht um jeden Preis durchzusetzen versuchen“, erklärt Stadtwerke-Geschäftsführer Markus Schümann in einem Pressegespräch mit der AZ.

Insgesamt hat der Uelzener Energieversorger 5,5 Millionen Euro in das umstrittene Landwirtschaftsprojekt gesteckt. Befürchtungen, dass die Stadtwerke bei einem Scheitern des Projektes in finanzielle Turbulenzen geraten könnten, weist Schümann zurück: „Das Projekt war immer auch nach dem Aspekt angelegt, dass wir ein Scheitern verkraften könnten.“ So verfügen die Stadtwerke nach eigenen Angaben über Rücklagen von 9,8 Millionen Euro (Stand 31. Dezember 2012).

Bei den Verantwortlichen von Stadtwerken und Aufsichtsrat ist man indes zuversichtlich, dass man das Projekt mit einer jetzt eingestellten neuen Mannschaft vor Ort noch auf die Erfolgsspur bringen kann. „Wir hoffen erstmals auf eine schwarze Null in 2012“, sagt Aufsichtsratsmitglied Dieter Schwutke. Der Jahresabschluss liege aber noch nicht vor.

„Die 5,5 Millionen Euro haben wir nicht verbrannt, wir können bloß den Beweis noch nicht erbringen“, sagt dazu der Aufsichtsratsvorsitzende Otto Lukat: „Eines Tages wird man einen Schlussstrich ziehen und dann wissen wir, ob dieses Engagement richtig war.“ Aber selbst wenn man scheitern sollte, „wird uns der Verlust von 5,5 Millionen Euro nicht umhauen“. Ob es letztlich richtig war, in der Ukraine zu investieren, sei aus heutiger Sicht schwer zu beantworten, sagt Geschäftsführer Schümann: „Das Projekt war damals auch ein deutliches Signal, dass wir in regenerative Rohstoffe investieren wollen.“ Man habe im Jahr 2007 auch die Hoffnung gehabt, dass sich der Annäherungsprozess der Ukraine an die EU schneller vollzieht. „Aber das wird es immer wieder geben, dass sich Projekte nicht so entwickeln wie gewünscht“, so Schümann.

Von Diane Baatani und Thomas Mitzlaff

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