„Es gibt andere Baustellen“

Nicht jede Fraktion im Kreistag sieht Notwendigkeit für einen Uelzener Nachtbus 

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Sollte es im Landkreis Uelzen am Wochenende einen Nachtbus geben? Darüber gibt es im Kreistag unterschiedliche Auffassungen. 

Uelzen – Sollten Bewohner aus dem Landkreis Uelzen die Möglichkeit haben, am Wochenende nach 23 Uhr mit dem Bus von Lüneburg zurück nach Hause zu fahren? Die SPD-Kreistagsfraktion hält ein solches Angebot für notwendig und stellte auf Vorschlag von Jakob Blankenburg einen entsprechenden Antrag im Kreistag, ein Konzept für einen Nachtbus zu erarbeiten (AZ berichtete).

So ein Bus könnte vor allem außerhalb gelegene Gemeinden auch zu später Stunde mit Uelzen und Lüneburg verbinden. Nicht nur Partygänger sollen davon profitieren. Auch ältere Bürger hätten so die Möglichkeit, mehr kulturelle Angebote in anderen Städten zu nutzen. Die Kreistagsfraktionen zeigen sich jedoch verhalten bis skeptisch. „Ich halte so ein Angebot für schwierig“, sagt der Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion Hans-Heinrich Weichsel.

Zwar habe man innerhalb der Fraktion noch nicht über den Antrag beraten. Aber persönlich hält der Christdemokrat nicht viel davon, den Tourismus in anderen Landkreisen zu fördern, indem man Geld dafür ausgibt, dass die Menschen kulturelle Angebote andernorts anstatt in Uelzen nutzen. „Das ist nicht unsere Aufgabe.“

Hans-Heinrich Weichsel, Vorsitz CDU

Hans-Heinrich Weichsel findet, dass der Landkreis mit einem Nachtbus Wirtschaftskraft aus den Händen gibt. Gerade bei den jungen Menschen außerhalb der Kernstadt sieht er keine Notwendigkeit: „Die jungen Leute auf dem Land organisieren sich schon immer selbst. Für die ist das gar kein Thema“

Ralf Munstermann, UWG

Bei der Sicherheit im Straßenverkehr sieht die SPD gerade in jungen, männlichen Fahrern zwischen 18 und 24 eine erhöhte Risikogruppe. Das kann Ralf Munstermann von der UWG, der Leiter des Uelzener Streifendienstes ist, nicht nachvollziehen. Man habe hier überhaupt keine Alkoholfahrten von jungen Leuten – und schon gar keine Unfälle wegen Alkohol.

Birgit O.- Reinhardt, Grüne

Das sieht Birgit Ohrenschall-Reinhardt etwas anders: „Wir brauchen uns da nix vormachen. Klar fahren die jungen Leute am Wochenende nachts los“, sagt die Grünen-Vorsitzende. Trotzdem stehe ein Nachtbus in ihrer Fraktion nicht hoch oben auf der Agenda: „Wenn der Landkreis finanziell unbegrenzte Möglichkeiten hätte, wäre das sicher eine schöne Sache. Ich finde aber, es gibt beim ÖPNV andere Baustellen.“ Wichtiger sei es, die Dörfer besser an die Kernstadt anzubinden.

Maik Hieke, AfD

Zweifel an der Wirtschaftlichkeit eines Nachtbusses hat auch der Vorsitzende der AfD-Kreistagsfraktion, Maik Hieke: „Ich sehe das eher kritisch, weil ich bezweifle, dass die Auslastung für einen solchen Bus gegeben ist.“ Pauschal ablehnen wolle er den Antrag nicht, aber zuerst müssen aus seiner Sicht verlässliche Zahlen bezüglich der Kosten auf dem Tisch liegen.

Rainer Fabel, FDP

Die FDP verfolgt eigene Ziele und fordert in einem Antrag ein sogenanntes Jugendmobilticket, bei dem Schüler, Auszubildende und Freiwilligendienstleister mit einem Ticket zum kleinen Preis Bus und Bahn im Landkreis und darüber hinaus nutzen können. Das soll rund um die Uhr und auch am Wochenende gelten. „Wenn das klappt, könnte der Nachtbus natürlich eine Ergänzung sein“, befindet Fraktionsvorsitzender Rainer Fabel.

VON SANDRA HACKENBERG

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