Nicht den dritten vor dem ersten Schritt

„Eine bis dato kaum frequentierte Geschäftsstraße durch eine Fußgängerzone auswerten zu wollen, wird in der Realität nicht funktionieren“, heißt es in dem Gutachten. Archivfoto: Mahler

Uelzen - Von Marc Rath. „Wir brauchen eine vernünftige Abfolge der Schritte und können nicht den dritten vor dem ersten machen“ – mit deutlicher Kritik an dem Vorgehen zur künftigen Gestaltung der Innenstadt-Straßen meldet sich jetzt Handelsvereins-Vorsitzender Uwe Schwenke nach der Abschlusssitzung der dafür von Bürgermeister Otto Lukat eingesetzten Arbeitsgruppe zu Wort.

Der Vertreter der Einzelhändler hält den Vorstoß der Verwaltung, die Fußgängerzone in die Veerßer Straße – zwischen Alten Rathaus und Turmstraße – verlängern zu wollen, zum jetzigen Zeitpunkt für einen falschen Ansatz. „Schauen Sie einmal frühmorgens in die Veerßer Straße, wenn dort kaum ein Auto parkt –  weit und breit Leere“, merkt Schwenke an und zitiert sodann ein Gutachten: „Extreme Straßenbreiten und/oder Längen in Kombination mit mangelnder Frequenz verstärken das Gefühl von Leere. Wenn es dem Straßenraum zusätzlich an Abwechselung durch städtebauliche Qualität, Begrünung oder Möblierung durch Gastronomie fehlt, wirkt eine Fußgängerzone schnell ,wie ausgestorben‘.“

„Wirtschaftsstandort Innenstadt“ heißt diese Expertise der CIMA Stadtmarketing GmbH, die das bayerische Wirtschaftsministerium und der Landesverband des bayerischen Einzelhandels herausgegeben haben, um im Freistaat „Voraussetzungen und Erfolgsfaktoren für Fußgängerzonen“ herauszuarbeiten.

„Aus verkehrstechnischer Sicht mag die Erweiterung in die Veerßer Straße richtig sein“, sagt der Ramelow-Geschäftsführer und verweist aber ein weiteres Mal auf das Gutachten der CIMA, die auch schon für die Stadt Uelzen gearbeitet hat: „Eine bis dato kaum frequentierte Geschäftsstraße durch eine Fußgängerzone auswerten zu wollen, wird in der Realität nicht funktionieren.“ Die CIMA-Empfehlung lautet: „Wichtig ist ein nachhaltiges Konzept, das existierende und zukünftige Kundenströme sowie die örtliche Verkehrs- und Parkraumsituation eingehend berücksichtigt. Gerade bei diesem zentralen Bereich einer Stadt ist es unerlässlich, alle innerstädtischen Interessengruppen sowie Wirtschaft und Bürger frühzeitig in die Planungen einzubeziehen und diese Einbindung nicht nur als bloße Information zu verstehen.“

Doch genau das vermisst Schwenke jedoch in Uelzen. Der Vertreter des örtlichen Einzelhandels hat den Eindruck, das Ergebnis der Arbeitsgruppe habe „von Seiten der Ratsmehrheit und der Verwaltung von vornherein festgestanden“: „Gewisse Argumente will man einfach nicht hören.“

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