In 42 Tagen endet Zusammenarbeit mit Nachbarlandkreis

Neues Uelzener Gesundheitsamt – alte Sorgen

Per Zeitungsannonce sucht der Landkreis Uelzen vergangenen Sonnabend wieder einen leitenden Amtsarzt für das eigene Gesundheitsamt, das seinen Sitz auf dem Rahlande in Uelzen hat.
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Per Zeitungsannonce sucht der Landkreis Uelzen vergangenen Sonnabend wieder einen leitenden Amtsarzt für das eigene Gesundheitsamt, das seinen Sitz auf dem Rahlande in Uelzen hat.
  • Norman Reuter
    VonNorman Reuter
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In 42 Tagen endet die Zusammenarbeit mit dem Nachbarlandkreis in Gesundheitsfragen. Uelzen bekommt nach rund 15 Jahren wieder ein direkt in die Kreisverwaltung integriertes Gesundheitsamt. Was fehlt, ist Personal – darunter ein leitender Amtsarzt.

Uelzen/Lüchow – Die Tage des gemeinsam von den Landkreisen Uelzen und Lüchow-Dannenberg unterhaltenen Gesundheitsamtes sind nahezu gezählt. Die Zusammenarbeit endet mit dem Jahr 2021, in 42 Tagen. Beide Kreise gehen dann eigene Wege, für Uelzen wie für Lüchow-Dannenberg soll es wieder Gesundheitsämter geben.

Bisher war ein gemeinsamer Zweckverband in Betrieb. Anlass für dessen Ende und die „Scheidung“ in Gesundheitsfragen war die Corona-Pandemie. In ihr sei nötig, stärker als bisher, einen direkten Zugriff auf das Gesundheitsamt zu haben, begründete die Uelzener Kreisverwaltung das Vorgehen. Auf die Frage der AZ, wie weit die Vorbereitungen für das hiesige neue Gesundheitsamt gediehen seien, erklärt der Landkreis knapp: „Die Vorbereitungen verlaufen bisher planmäßig.“

Was fehlt, das ergibt sich aus weiteren Fragen der AZ, ist Personal. Darunter ein leitender Amtsarzt. Bereits im Oktober 2020 hatte sich Dr. Gerhard Wermes als leitender Amtsarzt für das gemeinsam unterhaltene Gesundheitsamt verabschiedet. Seitdem konnte die Stelle nach Auskunft des Landkreises Uelzen nicht mehr besetzt werden.

Daran änderte auch ein beauftragter Headhunter nichts. Der Grund für die bisher vergebliche Suche nach einem Nachfolger? „Es herrscht Mangel an entsprechend qualifiziertem Fachpersonal“, so die Auskunft aus dem Kreishaus.

Vergangenen Sonnabend nimmt der Landkreis Uelzen einen weiteren Anlauf. Mit einer Annonce in Zeitungen wird nach einem leitenden Amtsarzt für das dann eigene Gesundheitsamt ab 1. Januar gesucht, einer ausführlicheren Ausschreibung zur Stelle auf der Homepage des Landkreises ist zu entnehmen: Gesucht wird jemand, der entweder eine Facharzt-Weiterbildung im Öffentliches Gesundheitswesen abgeschlossen hat oder kurz vor dem Abschluss steht. Eine mehrjährige Berufserfahrung als Arzt im öffentlichen Gesundheitsdienst sowie Führungserfahrung seien von Vorteil. Der Kreis Uelzen wirbt mit „flexiblen und familienfreundlichen Arbeitszeiten“, und einer „Region mit hoher Lebensqualität sowie sozialer und kultureller Vielfalt, die über ein attraktives Wohnraumangebot zu günstigen Preisen verfügt.“

Insgesamt sind für das Gesundheitsamt Uelzen rechnerisch 28,27 Stellen vorgesehen – aktuell seien davon, erklärt der Kreis vier unbesetzt. Das müssen nicht zwingend nur Ärzte seien. Im Gesundheitsamt arbeiten auch sogenannte Gesundheitsaufseher. Das sind ausgebildete Fachkräfte, die sich im Amt um Aufgaben kümmern. Nähere Angaben dazu, welche Stellen unbesetzt sind, macht der Kreis Uelzen nicht. Als diese Woche der Haushalt 2022 des Landkreises thematisiert, kommt am Rande zur Sprache, dass noch für das Gesundheitsamt eine halbe Arztstelle eingerichtet werde und zu besetzen sei.

Im Nachbarkreis Lüchow-Dannenberg ist, wenngleich auch hier Stellen unbesetzt sind, die Situation eine andere, was den leitenden Amtsarzt betrifft: Ausführlich schildert die Pressestelle in Lüchow auf Anfrage der AZ, dass zur Arbeitsaufnahme des eigenen Gesundheitsamtes im neuen Jahr zunächst Clemens Hanne kommissarisch die Aufgabe übernehmen werde. Der Mediziner, der seit 1982 im Wendland lebt und bis 2007 auch schon mal das damalige Gesundheitsamt, bevor es zur Zusammenarbeit der Kreise kam, leitete, unterstütze bereits seit einigen Monaten die Kreisverwaltung in Lüchow beim Aufbau der neuen Strukturen. In einer Pressemitteilung kommt Clemens Hanne auch schon zu Wort: „Mir ist es wichtig, dass die Menschen, die in Lüchow-Dannenberg zuhause sind, verlässlichen Zugang zu einem funktionierenden Gesundheitsamt haben.“

Der gleichen Mitteilung ist auch zu entnehmen, dass der Nachbarkreis gewillt ist, besondere Wege zu gehen, um entsprechendes Personal für sein Gesundheitsamt zu bekommen. „Wir haben uns entschieden, unsere nächste Amtsärztin, unseren nächsten Amtsarzt selbst auszubilden – falls das nötig sein sollte“, wird Julia Rutzen, Personalchefin der Kreisverwaltung Lüchow-Dannenbergs, zitiert.

Zugleich wirbt sie aktiv auch um Bewerber – was folgt, zeugt davon, wie sie sehr sich Arbeitgeber um Personal bemühen müssen: Von freigehaltenen Plätzen in einer Krippe am Kreishaus ist da die Rede, von allen erdenklichen Teilzeitmodellen und großzügigen Gleitzeit beim Arbeiten – „da gibt es nichts, was es nicht gibt“, so Rutzen. Für das Gesundheitsamt in Lüchow-Dannenberg sind 12,35 Stellen vorgesehen.

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