„Wir stehen für seriöse Kleinkunst.“

Neues Schauspielhaus Uelzen: So viele Besucher wie noch nie

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Ausverkauft sind die Auftritte von Bidla Buh im Neuen Schauspielhaus fast immer.

Uelzen – Mit einer verrückten Idee des Künstlers Reinhard Schamuhn fing es vor 30 Jahren an: Eine kleine Bühne, 97 Sitzplätze, familiäre Atmosphäre, Kleinkunst. Im vergangen Jahr hat Uelzens Neues Schauspielhaus so viele Besucher gezählt wie noch nie. Es ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte.

Wenn Johannes Vogt-Krause beim Neujahrsempfang am morgigen Sonntag im Neuen Schauspielhaus auf das vergangene Jahr zurückblickt, hat er vermutlich ein breites Grinsen im Gesicht. Das kleine Theater zählte 2018 so viele Besucher wie noch nie. Über 4.000 Menschen haben die rund 55 Veranstaltungen besucht – 1.500 mehr als im Vorjahr.

Johannes Vogt-Krause, Vorsitzender des Trägervereins Neues Schauspielhaus.

„Das ist schon spannend, wenn man sagen kann, man hatte über 1.000 Leute mehr im Theater“, freut sich der Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Kunst im Kreativen Speicher. Wer denkt, das liegt daran, dass „der große Bruder“, Uelzens Theater an der Ilmenau, fast zwei Monate geschlossen war, der irrt: „Wir hatten über das ganze Jahr eine sehr gute Auslastung.“ 70 Besucher verzeichnete das Neue Schauspielhaus im Schnitt – eine Auslastung von 72 Prozent. „Das ist schon bemerkenswert, vorher lagen wir immer bei um die 50 Prozent“, berichtet der Vorsitzende des Trägervereins, der 2018 ebenfalls einen regelrechten Ansturm erlebt hat: „Wir hatten im Jahr davor 60 Mitglieder. Jetzt sind wir 90.“

Woher der Erfolg des Neuen Schauspielhauses genau kommt, darüber kann Johannes Vogt-Krause nur spekulieren: „Ich glaube, die Mischung macht’s.“ Die Mitglieder des Trägervereins, die ehrenamtlich den Spielbetrieb seit dem Tod von Reinhard Schamuhn am Leben halten, haben laut dem Vorsitzenden erheblichen Anteil daran, dass sich Besucher und Akteure an der Rosenmauer wohlfühlen: „Es ist die Art, wie unser Team mit den Künstlern und dem Publikum umgeht. Es gibt viele, die immer wiederkommen.“

Das macht sich bei vielen Künstlern bemerkbar, die jede Saison im Neuen Schauspielhaus auftreten und in Uelzen inzwischen eine breite Fan-Gemeinschaft vorweisen können. „Bidla Buh treten seit ewig und drei Tagen bei uns auf. Ihr nächster Auftritt am 31. März ist jetzt schon fast ausverkauft.“

Theater, Kabarett, Comedy – bei seinem Programm bedient das Neue Schauspielhaus eine große Bandbreite. „Im Juni tritt das Duo Mimikry mit einer Art Pantomime auf. Das hatten wir so auch noch nicht“, kündigt Johannes-Vogt Krause an. Politisch, historisch und gleichermaßen aktuell wird das Gastspiel von Linde Weiland, die aus ihrem Leben als Jüdin in Deutschland berichtet. Neu im Programm ist auch die Jugendkantorei von St. Marien. die A-Capella-Chormusik präsentiert. „Wir arbeiten gerne mit lokalen Künstlern zusammen“, erklärt Johannes Vogt-Krause. Neu sei auch die Zusammenarbeit mit anderen lokalen Institutionen wie dem Paritätischen. So stellt Tobi Katze am 20. Februar sein Buch „Morgen ist leider auch noch ein Tag...“ vor, in dem das Thema Depression behandelt wird.

Diese Mischung, so vermutet Johannes Vogt-Krause, hat das Neue Schauspielhaus salonfähig gemacht. „Wir stehen für seriöse Kleinkunst.“

Von Sandra Hackenberg

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