Schauspielhaus nutzt Corona-Zwangspause

Stattliche Fördermittel nach Uelzen geholt - und sehr gut investiert

Die Verantwortlichen des Trägervereins für das Neue Schauspielhaus (von links) Johannes Vogt-Krause, Werner Muhs und Jens Kunze dürfen sich über hohe Fördergelder freuen und durchaus mutig nach vorne schauen.
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Die Verantwortlichen des Trägervereins für das Neue Schauspielhaus (von links) Johannes Vogt-Krause, Werner Muhs und Jens Kunze dürfen sich über hohe Fördergelder freuen und durchaus mutig nach vorne schauen.
  • Lars Becker
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Wie man die Corona-Zwangspause optimal nutzen kann, beweisen die Macher des Neuen Schauspielhauses Uelzen: Sie haben erfolgreich Fördertöpfe angezapft und in das Theater investieren können. In Summe blicken sie deshalb mutig nach vorne.

Uelzen – Das Schauspielhaus an der Rosenmauer in Uelzen liegt weiterhin im Corona-Dornröschenschlaf. Auch für den April sind bereits die ersten Veranstaltungen pandemiebedingt abgesagt worden: Am vergangenen Samstag (10. April) hätte wieder einmal Mathias Bozó mit „Yesterday, ein Beatles-Revival“ auftreten sollen – daraus wurde aber ebenso wenig wie aus dem Auftritt der „Hot Birds“ am 17. April wird.

Doch trotz dieser und weiterer drohender Absagen dürfen Johannes Vogt-Krause, Werner Muhs und Jens Kunze als Verantwortliche des „Vereins zur Förderung der Kunst im Kreativen Speicher e.V.“, der Träger des Neuen Schauspielhauses ist, mutig nach vorne schauen. Das liegt vor allem daran, dass es dem Vorstand gelungen ist, aus verschiedenen Töpfen für diverse zweckgebundene Investitionen oder Kostenstellen Fördergelder in stattlicher fünfstelliger Höhe genehmigt zu bekommen.

„Sind wir Künstlerinnen und Künstlern einfach schuldig“

„Die Beantragung war zwar viel Arbeit, aber das sind wir den Künstlerinnen und Künstlern einfach schuldig. Wir machen das aus Solidarität mit ihnen. Denn wir dürfen nicht riskieren, dass einige von ihnen aufgeben und damit nicht mehr zur Verfügung stehen. Zusammenhalt ist gerade jetzt in dieser Zeit so wichtig“, sagt der 2. Vorsitzende Werner Muhs, der sich maßgeblich um die besagten Fördermittel gekümmert hat. „Unser Kerngeschäft läuft aktuell zwar nicht, aber wir haben viel erneuert und beispielsweise die Technik auf einen neuen Stand gebracht“, ergänzt Johannes Vogt-Krause im AZ-Gespräch.

Vor allem über den Lüneburger Landschaftsverband ist viel Geld nach Uelzen geflossen. Aus dem bis zu zehn Millionen Euro starken Programm „Niedersachsen dreht auf“ des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur für soloselbstständige Künstler hat das Neue Schauspielhaus vor rund zwei Wochen Zuwendungszusagen über insgesamt 17 000 Euro erhalten. Dazu mussten spezielle Verträge abgeschlossen werden, damit neben Gagen auch Hotel- und Fahrtkosten übernommen werden. Fallen die Veranstaltungen dann coronabedingt aus, wird eine Ausfallgage in Höhe von 50 Prozent gezahlt. Der Lüneburger Landschaftsverband wickelt dieses Förderprogramm für das Land ab.

Verpflichtete Soloselbstständige profitieren von Ausfallgagen

Und davon profitiert als Erster der bereits erwähnte Mathias Bozó, der nun trotz der Absage für vergangenen Samstag Geld erhält. Viktoria Car und Hendrik Lücke am 24. April („Oldies but Goldies“) sowie Sängerin und Komödiantin Lina Lärche am 25. April könnten als nächste ebenfalls von den Ausfallgagen profitieren.

„Insgesamt muss man sagen, dass uns der Landschaftsverband nicht hat hängen lassen. Die Geschäftsführung hat uns sehr gut unterstützt und geholfen, so dass wir als Verein trotz Corona aktuell keine große Not haben“, so Werner Muhs. Mit knapp 5000 Euro sei eine neue Ausstattung von Thekenbereich und Küche gefördert worden, sogar weitere 7500 Euro flossen im Rahmen eines Investitionsprogrammes für die neue Bühnenbeleuchtung. Und für sechs Monate seien durch den Landschaftsverband sämtliche anfallenden laufenden Kosten getragen worden – weitere fast 7000 Euro, die den Verein nicht belasten.

Komplette Klimaanlage wäre finanziert worden

Außerdem erhielt das Neue Schauspielhaus aus dem Sofortprogramm „Neustart Kultur“ des Bundesverbandes Soziokultur zwei Luftfilteranlagen für das Theater bezahlt, dessen Deckenhöhe im Zuschauerraum bekanntlich sehr gering ist. „Aus Angst vor einer möglichen Infektion sind einige Zuschauer ja selbst dann nicht gekommen, als es erlaubt war“, erinnert sich Werner Muhs an die Zeiten, in denen zumindest 35 Gäste zugelassen waren.

Beinahe wäre übrigens ein noch größerer Wurf gelungen. Denn selbst die Kosten für eine komplette Klimaanlage für das Theater – Kostenpunkt um die 40 000 Euro – wären übernommen worden. Doch die entsprechende Bewilligung kam dahingehend zu spät, dass eine solch maßgeschneiderte Spezialanfertigung von der Industrie nicht fristgerecht hätte geliefert und eingebaut werden können. Aber auch mit den Luftfiltern sowie der neuen Lichttechnik und den Modernisierungen im Bereich Theke/Küche sind die Verantwortlichen im Theater an der Rosenmauer sehr glücklich.

Was aber am meisten zählt, sind Veranstaltungen vor Publikum. Wann die wieder möglich sein werden, ist völlig ungewiss. Wenn es aber wieder losgeht, dann ist das Neue Schauspielhaus jedenfalls gerüstet.

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