Kinder sollen im Unterricht mithalten können

Modellprojekt für Oberschule Ebstorf geplant: Ein Schulbegleiter für die Klasse

Bisher hat jedes gehandicapte Kind Anspruch auf einen Schulbegleiter. In der Oberschule Ebstorf beginnt ein Modellprojekt mit einem Begleiter pro Klasse.
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Bisher hat jedes gehandicapte Kind Anspruch auf einen Schulbegleiter. In der Oberschule Ebstorf beginnt ein Modellprojekt mit einem Begleiter pro Klasse.
  • Norman Reuter
    vonNorman Reuter
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Einem Kind mit Handicaps kann für den Unterricht ein Schulbegleiter an die Seite gestellt werden. In extremen Fällen sind neben dem Lehrer damit mehrere Erwachsene in der Klasse im Einsatz. Das macht das Unterrichten nicht leichter. Jetzt geht der Kreis neue Wege: An der Ebstorfer Oberschule startet ein Modellprojekt.

Ebstorf – Die Kinder sollen im Unterricht mithalten können. Jungen und Mädchen mit körperlichen oder seelischen Handicaps wird im Landkreis Uelzen auf Antrag ein Schulbegleiter zur Seite gestellt. Für jedes Kind einer. Was das im Schulalltag bedeuten kann, berichtet Heike Matthies, Leiterin der Ebstorfer Oberschule: „Wir haben in einer Klasse vier Schulbegleiter.“ Mit dem Lehrer sind das fünf Erwachsene und die Schüler in einem Raum. „Das ist auch für die Klasse nicht gut“, so Matthies.

An ihrer Schule ist ein Modellprojekt geplant, mit dem es anders werden soll. „Pooling“ ist das Stichwort. Die Kreispolitik hat sich dafür bereits im November 2019 ausgesprochen. Jetzt wird an der Umsetzung gearbeitet.

Statt bisher jedem Kind einen Schulbegleiter zur Seite zu stellen, soll es eine Kraft pro Klasse geben, die sich bei Bedarf um mehrere Kinder kümmern kann. Zusätzlich soll je Jahrgangsstufe ein weiterer Schulbegleiter eingesetzt werden. Dieser kann, wenn Kinder kurzzeitig in Krisen geraten, beispielsweise durch die Scheidung der Eltern, aktiv werden.

Zum Schuljahr 2022/23 soll das Modellprojekt starten. Zunächst war vorgesehen, die Kräfte, die im Rahmen des Poolings in Ebstorf als Schulbegleiter im Einsatz sein sollen, beim Landkreis Uelzen anzustellen. Das ist jetzt nicht mehr vorgesehen.

Christian Rötschke, stellvertretender Leiter des Amtes für Teilhabe beim Landkreis, erklärt in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses: „Eine Anstellung über den Kreis würde mindestens 15 neue Kräfte in der Verwaltung bedeuten. Damit verbunden wäre ein erheblicher Aufwand für Mitarbeiter-Betreuung und -Gespräche.“ Und im Krankheitsfall wäre eine Vertretung zu organisieren, was dem Landkreis schwerer falle als einem freien Träger. „Es gibt“, ergänzt der Erste Kreisrat Claudius Teske, „Punkte, bei denen wir unterlegen sind im Vergleich zu freien Trägern.“

Mit einem solchen freien Träger soll das Modellprojekt umgesetzt werden. Für Hans Peter Hauschild (SPD) ist wichtig: Es dürfe nicht nur um Strukturen gehen, sondern auch um Qualität. In diesen Zusammenhang fragt Léonard Hyfing (FDP): „Haben Mitarbeiter eines freien Trägers die Möglichkeit, an Schulkonferenzen teilzunehmen?“ Das schreibe der Landkreis als Bedingung in die Ausschreibung, so Teske.

Hauschild hat Bauchschmerzen bei der Idee, das in die Hände eines freien Trägers zu legen. Die Löhne seien zu hinterfragen und rasche Mitarbeiter-Wechsel seien auszuschließen. „Und woher kommen die Kräfte? Der Markt an Erziehern und Pädagogen ist leergefegt.“ Christian Rötschke erklärt, dass mit dem Pooling-Modell für Mitarbeiter bessere Bedingungen geschaffen werden. Bislang endet der Arbeitsauftrag für einen Schulbegleiter, wenn das Kind keinen Bedarf mehr hat. Jetzt ist eine Kraft einer Klasse zugeordnet.

Zur Wahrheit gehört: Das Modellprojekt wird auch aus Kostengründen vom Kreis angepackt. 2018 hatte er allein für die Oberschule in Ebstorf Ausgaben für Schulbegleiter in Höhe von fast 300 000 Euro. Bei besonders schweren Handicaps soll auch weiterhin eine Einzelfall-Betreuung möglich bleiben. Das Pooling-Projekt wird nun europaweit ausgeschrieben.

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