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Neues Jahr – alte Silvester-Sitten in Uelzen?

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Von: Norman Reuter, Theresa Brand

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Am Uelzener Herzogenplatz werden zum Jahreswechsel wieder Feuerwerksraketen in die Höhe steigen. Das ist schön anzusehen. Doch Böller und Raketen bergen auch Risiken. 	ARCHIVFoto: Marud
Am Uelzener Herzogenplatz werden zum Jahreswechsel wieder Feuerwerksraketen in die Höhe steigen. Das ist schön anzusehen. Doch Böller und Raketen bergen auch Risiken. © Marud, Arek

Der Jahreswechsel steht an. Scharfe Auflagen wie in den Vorjahren gibt es nicht. Damit dürfte es wieder lauter und bunter werden, zumal ein Feuerwerksverkauf erlaubt ist. Die Polizei, die Feuerwehr und das Klinikum blicken mit Spannung auf die Silvesternacht im Landkreis Uelzen.

Uelzen/Landkreis – Wenn um Mitternacht das neue Jahr anbricht, dürfte es auch im Landkreis Uelzen bunter und lauter zugehen als in den Vorjahren. Anders als 2020 und 2021 war in diesem Jahr wieder der Verkauf von Böllern und Raketen gestattet worden. Feuerwehren stellen sich so auf mehr Arbeit ein. „Wir gehen davon aus, dass wir wieder mehr Einsätze haben werden“, sagt der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbands, Karl-Heinz Banse, der Deutschen Presse-Agentur.

In Uelzen spielt das Wetter der Feuerwehr in die Karten. In den zurückliegenden Tagen hat es mitunter ergiebige Niederschläge gegeben. „Das Schmuddelwetter hilft“, sagt der Ortsbrandmeister Reiner Seidel im AZ-Gespräch. Weil Wiesen, Straßen und Flächen feucht seien, sei das Risiko von Bränden durch Feuerwerkskörper geringer. Für den Fall der Fälle ist man an den Bartholomäiwiesen aber gerüstet: Es ist eine Bereitschaft eingerichtet, sie besteht aus mindestens acht Mann und dem Brandmeister vom Dienst, erklärt Seidel. Weitere Kräfte würden bei Bedarf alarmiert.

Feuerwerkskörper bergen nicht nur das Risiko von Bränden, sondern auch eine Verletzungsgefahr. Wegen der Lautstärke sind auch die Ohren gefährdet: Bis 175 Dezibel erreichen Silvesterböller, darauf weisen die Johanniter in Niedersachsen hin. Das setzt auch Tieren zu (Siehe Bericht unten).

Bedingt durch die Corona-Auflagen war es in den beiden letzten Silvesternächten in der Notaufnahme des Uelzener Helios-Klinikums ruhiger zugegangen, was Böllerunfälle und Alkoholisierungen betrifft. Im vergangenen Jahre war nicht eine Brandverletzung zu behandeln, was als außergewöhnlich angesehen wurde. Auf was stellt sich das Klinikum für diesen Jahreswechsel ein? Helios-Sprecher Christian Becker: „Die Silvesternacht ist aufgrund der weitverbreiteten Feieraktivitäten eine besondere Nacht. Die Tatsache, dass viele Menschen den Jahresabschluss feierlich begehen und dass dabei alkoholische Getränke und Feuerwerkskörper eine nicht unerhebliche Rolle spielen, können zu einem erhöhten Patientenaufkommen in unserer Notaufnahme führen.“ Und: „Wir haben uns auch dieses Mal personell darauf eingestellt und sind vorbereitet.“

Nicht nur Feuerwehr und medizinische Teams sind in Silvesternächten gefordert, auch die Polizei: Menschen feiern feucht-fröhlich in das neue Jahr hinein, das ist 2022 wieder mehr möglich als in den beiden Vorjahren, in denen Kontaktverbote beziehungsweise -beschränkungen bestanden. Polizeisprecher Kai Richter sagt: „Die Menschen sollen feiern.“ Zugleich appelliert er auch: „Wichtig ist, nicht über die Stränge zu schlagen.“ Er kündigt an, dass der Streifendienst im Stadtgebiet präsent sein werde. Zusätzliche arbeite man mit der sogenannten Verfügungseinheit aus Lüneburg zusammen, deren Kräfte auch eingesetzt würden.

Viele Tiere verfallen in Panik ‒
Nabu rät zum Verzicht auf Feuerwerk / Haustiere nicht alleine einsperren

Uelzen/Landkreis – Viele freuen sich vielleicht darüber, dass in diesem Jahr wieder geknallt werden darf. Doch für Tiere und Umwelt ist das alljährliche Feuerwerk eine enorme Belastung – sowohl auf dem Land als auch in der Stadt, denn auch Kleintiere, Hunde und Katzen leiden unter dem Lärm.

„Da ist zum Beispiel die massive Akustik“, erklärt der Vorsitzende des Uelzener Nabu, Michael Walke. „Einmal im Jahr werden die Tiere völlig unvorbereitet damit konfrontiert. Viele verfallen in Panik.“ Wer in der Stadt ein Haustier hält, sollte versuchen, in der Nähe zu bleiben. „Wichtig ist es, das Tier nicht alleine einzusperren, sondern versuchen, positiv darauf einzuwirken“, rät Walke.

Schwieriger ist es da schon für Halter von Nutztieren. Unter freiem Himmel ist es kaum möglich, die Tiere vor Lärm zu schützen. Einige Tierhalter – so auch der Nabu-Vorsitzende – bringen aber ihre Pferde wenn möglich in den Stall, verriegeln Fenster und Türen und lassen das Radio laufen. „Das lenkt die Tiere ab und sie haben eine gleichmäßigere Geräuschkulisse“, erklärt er.

Noch besser ist es natürlich, auf Raketen und Knaller in der Nähe von Weiden und Ställen komplett zu verzichten. Konsequent ist hier die Samtgemeinde Salzhausen im Landkreis Harburg: Hier dürfen am 31. Dezember und 1. Januar im Umfeld ausgewiesener Pferdebetriebe keine Feuerwerkskörper gezündet werden. In Wangerland setzt man hingegen auf freiwilligen Verzicht und bietet kostenlos Fackeln und Kerzen an.

Ebenfalls problematisch sind der viele Müll und die Emissionen, die durch Feuerwerk entstehen. „Man möge sich nur mal am Neujahrsmorgen die Innenstadt angucken“, sagt Walke. Überall liegen Reste und Verpackungen. „Wir sprechen immer von Klimaschutz, aber wenn es darum geht sich einzuschränken, dann lieber doch nicht“, bedauert er. Statt viel Geld in Feuerwerk zu investieren, solle besser gespendet werden. tbr

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