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Neues Corona-Test-System sorgt für Frust

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Von: Norman Reuter

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Coronavirus - Corona-Kontrollen am Flughafen München
Schnelltests auf Steuerzahlerkosten gibt es nur noch für bestimmte Gruppen. © DPA

Bisher hatte jeder Anspruch auf mindestens einen kostenlosen Corona-Schnelltest pro Woche. Damit ist jetzt Schluss. Schnelltests auf Steuerzahlerkosten gibt es nur noch für bestimmte Gruppen. Doch jene, die Testzentren betreiben, sehen ungeklärte Fragen.


Uelzen/Landkreis – Marvin Großkrüger hat schon viel erlebt in der Pandemie. Der Unternehmer, der in Hochzeiten bis zu 14 Corona-Teststationen in den Landkreisen Uelzen, Celle und Lüneburg unterhielt, musste schon öfter auf neue Vorgaben reagieren, die erst unmittelbar vor Inkrafttreten veröffentlicht wurden. Seine Hoffnungen, es würde mit der Zeit besser werden, haben sich jetzt mit den jetzt eingeführten Regelungen zu Corona-Testungen einmal mehr zerschlagen.

Erst am Mittwochabend habe der Bund den Gesetzestext freigegeben, so Marvin Großkrüger. „Das bekommst du vor den Latz geknallt, und musst damit binnen Stunden umgehen.“

Dabei handelt es sich nicht um Marginalien, die sich änderten. Für die Corona-Testungen gelten völlig neue Regeln. Wichtigste Neuerung dabei: Nicht jeder hat mehr einen Anspruch auf einen kostenlosen Test. In bestimmten Fällen sind drei Euro pro Test fällig (siehe Zum Thema). Die Mitarbeiter informieren, neue Formulare anfertigen und Kassensystem einführen, das alles müsse von jetzt auf gleich passieren, ärgert sich Großkrüger.

Was ihn aber richtig umtreibt: „Es gibt ungeklärte Fragen“, so der Unternehmer. Sie betreffen nach Angaben Großkrügers eine entscheidende Gruppe: Menschen, die sich selbst positiv getestet haben. Bisher sei es so gewesen, dass sie zu einem zweiten Schnelltest in ein Testzentrum mussten und dann Anspruch auf einen genaueren PCR-Test hatten. „Davon ist im Verordnungstext nicht mehr die Rede.“ An die Gesundheitsämter der Region habe er schon Fragen gestellt, wie mit dieser Gruppe umgegangen werden solle. Nach seiner Lesart sind in solchen Fällen die Arztpraxen gefragt. „Das wird kompliziert. Wir entlasten die Ärzte bisher massiv“, sagt Großkrüger und er rechnet damit, dass es noch zu Veränderungen beim Thema kommen wird.

Mit Wattestäbchen und Testkassette: Marvin Großkrüger unterhält 14 Corona-Testzentren in der Region.
Mit Wattestäbchen und Testkassette: Marvin Großkrüger unterhält Corona-Testzentren in der Region. © Privat

So will er, was mögliche Schließungen von Zentren betrifft, auch noch die Füße weitestgehend stillhalten. Aber: „Die Badue-Teststelle in Uelzen wird geschlossen. Dafür bieten wir längere Zeiten an der Celler Straße an.“ Dort waren bisher vor allem Abstriche für PCR-Tests genommen worden. Die Teststelle an der Albrecht-Thaer-Straße bleibt erhalten, aber kann über das Wochenende nur zu Fuß erreicht werden. Das ist dem Open R geschuldet.

Im Landkreis Uelzen hat es zu Hochzeiten der Pandemie mit entsprechenden Testvorgaben 53 Teststellen gegeben, zuletzt waren es noch 43. Vonseiten der zuständigen Kreisverwaltung heißt es zur Frage, ob sich mit den neuen Bestimmungen die Zahl verändere: „Ein signifikanter Rückgang der Anzahl der im Landkreis Uelzen vorhandenen Teststellen ist bisher nicht zu verzeichnen. Einige der Teststellen haben jedoch ihre ursprünglichen Öffnungszeiten reduziert.“

Begründet hatte der Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach die neuen Regelungen mit den hohen Kosten für die Bürgertestungen und auch mit einem Missbrauch durch Betreiber. Gestern hat er die Neuerungen noch einmal verteidigt.

Die Kreisverwaltung will nicht ausschließen, dass die Zahl der Testungen aufgrund der neuerdings für bestimmte Personengruppen anfallenden Kosten zurückgeht. „Der Landkreis hofft in diesem Zusammenhang aber weiterhin auf die Vernunft und Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger, um durch Testungen andere Menschen vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen“, heißt es aus dem Uelzener Kreishaus.

Wer bekommt noch einen kostenlosen Test?

Nichts bezahlen müssen Kinder unter fünf Jahren, Schwangere in den ersten drei Monaten und Menschen, die sich nach der Quarantäne freitesten lassen wollen, außerdem Besucher, Behandelte und Bewohner in Krankenhäusern und weiteren Einrichtungen. Gratis-Tests bekommen zudem pflegende Angehörige, Menschen mit Behinderung und deren Betreuer sowie Haushaltsangehörige von Infizierten.

Für einen Gratis-Test muss bei Kleinkindern die Geburtsurkunde oder der Kinderreisepass, bei Schwangeren der Mutterpass vorgelegt werden. Wer sich freitesten will, legt den PCR-Test vor. Bei Besuchen in Pflegeheimen oder Kliniken kann ein kostenloser Test vor Ort gemacht werden – oder der Besuch wird der Teststelle gegenüber glaubhaft gemacht. Dazu kann ein Formblatt ausgefüllt werden. Wer einen Angehörigen pflegt, muss dies ebenfalls glaubhaft machen.

Die 3 Euro-Tests sind für Besucher von Familienfeiern, Konzerten oder einer anderen „Veranstaltung in einem Innenraum“ am selben Tag gedacht. Auch dafür ist ein Nachweis erforderlich – etwa ein Konzertticket. Wer auf einer Hochzeit/einem Geburtstag eingeladen ist, bringt die Einladung mit. Das gleiche gilt für Schützenfeste oder andere Veranstaltungen in Innenräumen. Wer eine rote Kachel auf seiner Warn-App hat oder andere Menschen ab 60 Jahre oder mit Vorerkrankung besuchen will, kann sich auch für 3 Euro testen lassen. Wer sich ohne Anlass testen lassen möchte, muss den Test komplett selber bezahlen. Der Erstattungspreis für Testzentren liegt bei 11,50 Euro.

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