Neuer Kurs auf dem sinkenden Schiff?

Von Marc Rath - Er ist bei weitem noch keine 100 Tage im Amt und sorgte bereits für einen Paukenschlag mit der Intensität eines Donnerhalls: Uelzens neuer Erster Stadtrat und Finanzdezernent Jürgen Markwardt kündigt eine radikale Operation an den Uelzener Finanzen an. Ganz freiwillig ist allerdings seine erste große Aktion im Rathaus freilich nicht. Der Kreis hat die Daumenschrauben angelegt, ist der Stadt jetzt deutlicher als je zuvor in die Parade gefahren und fordert deutliche Kürzungen ein.

„Setzen, Sechs“ oder „Zurück auf Null“ lassen sich die neuesten Botschaften aus Kreis- und Rathaus auch übersetzen. Der neue zweite Mann in der Stadt verpackt das weitaus netter, aber nicht minder konsequent. Wenn er seine Ankündigung, dass es bei Einsparungen auch kein Tabus geben dürfe, denn auch wahr macht, weht wirklich ein frischer Wind durch die mitunter reichlich abgestandene Luft in dem ja noch recht neuen Gemäuer. Zuletzt ließen sich die Haushalts-Debatten im Rat auch in einem alten Udo-Jürgens-Evergreen zusammenfassen – „Wir haben alles im Griff auf dem sinkenden Schiff“.

Sinkendes Schiff stimmt, im Griff sehr wohl weniger. Die Politik wird quer durch alle Fraktionen zeigen müssen, dass auch sie die Kraft für einen neuen Kurs hat. Zuletzt hatten die Christdemokraten zwar „Bauchschmerzen“ bei dem aktuellen Zahlenwerk, das jetzt nur noch Makulatur ist. Trotzdem stimmten sie –  bis auf zwei Ausnahmen – zu. Konsequenz auf Uelzisch. Und wenn der SPD-Fraktionschef jetzt keine Vorschläge machen mag und sein FDP-Kollege meint, mal sehen zu müssen, was von dem Markwardtschen Vorstoß wohl übrig bleibt, hat man direkt den Jürgens-Gassenhauer auf den Lippen.

Keine Tabus also. Das muss auch für die eigenen Reihen gelten. Jüngst erlebte ich einen staunenden Landesbeamten, als ihm ein leitender städtischer Beamter eine Terminabsage erteilte mit Verweis auf den Betriebsausflug: „Was, das kann sich die Stadt während der Arbeitszeit noch leisten?“ Kann sie eigentlich nicht. Und wenn man die Arbeitsleistung von mehr als 200 Stadtmitarbeitern an einem Tag addiert, hätte man schon das Volumen für die – sicherlich sinnvolle – neue Stelle eines Pressesprechers zusammen. Oder nehmen wir die „bewährte Praxis“, Mitarbeiter kurz vor ihrem Ruhestand noch einmal hochzustufen – „sie haben es doch verdient“. Womöglich, aber es passt nicht in eine Zeit, in der Arbeitnehmer etwa auf Teile ihres Urlaubsgeldes verzichten, um eine Firma und ihren Arbeitsplatz zu retten. Das kann sich Uelzen buchstäblich nicht mehr leisten.

marc.rath@cbeckers.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare