Neuer Ärger um Querungshilfe in Groß Liedern

Blinden- und Sehbehindertenverband bemängelt Planung für Verkehrsinsel

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Unweit der Kreuzung nach Oldenstadt soll die Querungshilfe entstehen. Der Bau beschäftigt den Ort seit Jahren.

Uelzen-Groß Liedern. Die Einwohner von Groß Liedern warten auch mehr als ein Jahr nach der Zusage für eine Querungshilfe für die Bundesstraße 71 weiter auf den Baubeginn.

Die Finanzierung des Baus ist durch die Niedersächsische Landesstraßenbaubehörde gesichert, es hakt aber bei der Planung.

Zuerst musste der Standort geändert werden (AZ berichtete) und nun übt der Regionalverein Nordostniedersachsen im Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen (BVN) Kritik: Werner Gläser, Beauftragter für Umwelt und Verkehr im Regionalverein, hat sich die Entwürfe für die Querungshilfe angeschaut. In einem Schreiben an die Stadt resümiert er: „Ohne fremde Hilfe ist die von ihnen geplante Querung in Groß Liedern für blinde und sehbehinderte Menschen nicht nutzbar.“ Dies sei ein Verstoß gegen die UN-Behindertenrechtskonvention.

Damit Blinde und Menschen mit Sehbehinderungen gefahrlos die Straße queren könnten, müsse entweder eine Ampel mit Tonanlage oder ein Zebrastreifen geschaffen werden. Zum Auffinden müsste der Bürgersteig mit Noppen- und Riffelplatten ausgestattet werden.

Die Stadt Uelzen erklärte auf Nachfrage, dass die in Groß Liedern geplante Querungshilfe in der Tat nicht den gleichen gesicherten Übergang für blinde und sehbehinderte Menschen gewährleisten könne, wie es ein Zebrastreifen oder eine Ampel täte. Um aber eine wie von Gläser geforderte Querung installieren zu können, müssten bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. So dürften diese, entsprechend bundesweit geltenden Richtlinien für Fußgängerüberwege, nur angelegt werden, wenn Fußgängern Vorrang gegeben werden müsse, weil sie die Straße wegen eines hohen Verkehrsaufkommens sonst nicht überqueren könnten. Nach aktuellen Verkehrszählungen seien diese Voraussetzungen aber nicht erfüllt, so Stadtsprecherin Janin Thies.

Mit einer zu geringen Zahl an Fußgängern hatte sich die Landesstraßenbaubehörde zunächst auch geweigert, die Kosten für die Querungshilfe zu übernehmen. Erst ein Brandbrief des Ortsrates an Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies hatte die Wende gebracht. Die Stadt Uelzen kündigte an, dass die Querungshilfe in diesem Jahr gebaut werde.

Von Norman Reuter

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