Anwohner sehen Maststall-Pläne in Klein Süstedt mit Argwohn / Landwirt Riggert erläutert Vorhaben

Angst vor Keimen und Gerüchen

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Auf dieser Fläche zwischen seiner Biogasanlage (rechts) und einer Zwiebelhalle (hinten links) in Klein Süstedt will Landwirt Thorsten Riggert seinen Schweinemaststall für bis zu 1976 Tiere bauen. Das Projekt stellte er jetzt im Ortsrat vor.

Uelzen-Klein Süstedt. „Wir haben etwas gegen diese Massentierhaltung. Davon wird unser kleines Dorf erschlagen."

Das war eine der Meinungsäußerungen der mehr als 50 Zuhörer, mit denen sich Kreislandwirt Thorsten Riggert am Mittwochabend auf der Sitzung des Ortsrates Holdenstedt/Klein Süstedt konfrontiert sah. Zuvor hatte Riggert seine Pläne für den Bau eines Schweinemaststalls für bis zu 1976 Tiere am Flachskamp in Klein Süstedt vorgestellt. Mit diesem Vorhaben stieß er sowohl auf heftige Kritik als auch auf Verständnis.

Ob Riggert den etwa 2500 Quadratmeter großen Maststall wie geplant zwischen seiner bestehenden Biogasanlage, seinem Güllesilo und einer Lagerhalle für Zwiebeln – etwa 240 Meter von Wohnhäusern entfernt – bauen darf, entscheidet nun der Landkreis als Genehmigungsbehörde. Der Ortsrat hatte lediglich das Recht, sich Riggerts Vorhaben anzuhören.

Das taten auch die Zuschauer – und sie sparten nicht mit kritischen Fragen. „Was ist eigentlich mit unserer Gesundheit?“, wollte ein Mann wissen. Seine Befürchtung: Der Stall könnte zu Keimbelastungen von Gemüsegärten führen. Diese Sorge versuchte Kreisdezernent Frank Peters zu zerstreuen. Der Stall werde durch einen zertifizierten Geruchsfilter entlüftet, daher seien dort keine zusätzlichen Gerüche oder Keime zu erwarten, erklärte Peters. Denn der maßgebliche Träger von Keimen sei Staub, „und dieser wird durch die Filteranlage erheblich gemindert. Die Gefahr durch Keim-Austräge ist sehr gering“, betonte der Dezernent.

Doch warum ist Riggert von seinen ursprünglichen Plänen abgerückt, den Maststall jenseits der Bahnlinie und somit in etwa 600 Metern Abstand zur Wohnbebauung zu errichten? Das wollte ein Zuhörer wissen. Riggert begründete das mit den hohen Auflagen bei der Lüftungstechnik, die ihm der Landkreis erteilt habe. So müsse er besagte Filteranlage einbauen, die deutlich teurer sei als die zunächst vorgesehene herkömmliche Abluftführung. „Dann kann man den Stall auch gleich näher an den Häusern bauen, weil die Immissionen gegen Null gehen“, sagte der Landwirt. Der neue Standort habe auch den Vorteil, dass dort weniger Gülle- und Ferkeltransporte als jenseits der Bahnlinie notwendig seien. Zudem werde er seine Ställe in Holdenstedt und Bohlsen stilllegen, wenn die neue Anlage in Klein Süstedt gebaut würde, versprach Riggert.

Zur Besonnenheit im Umgang miteinander rief Carsten Bauck auf, der den ökologischen Bauckhof in Klein Süstedt betreibt. Zwar setze er auf eine völlig andere Art der Tierhaltung als Riggert. „Aber ein Stall wie der hier geplante ist mir allemal lieber als die alten Ställe in Holdenstedt und Bohlsen. Das ist immissionstechnisch für unser Dorf ein deutlicher Gewinn“, meinte Bauck.

Nun warten die Anwohner gespannt auf die Entscheidung des Kreises. Unterdessen wollen sie eine neue Unterschriftenaktion gegen den Stall starten, kündigte Andrea Pollehn an.

Von Bernd Schossadowski

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