Von Woche zu Woche

Neue Regierung, neue Schule

Glauben kann man in der Kirche, sagt der Volksmund. Doch Glaubensfragen spalten nach wie vor auch die Schulpolitik. Wie vor Jahrzehnten debattieren SPD und CDU über Integrierte Gesamtschule (IGS) kontra gegliedertes Schulsystem.

Diese ideologische Kontroverse befeuert die rot-grüne Landesregierung in Niedersachsen mit dem am Dienstag vorgestellten neuen Schulgesetz.

Bislang galt: Keine Schule durfte durch die Gründung einer neuen Gesamtschule gefährdet werden. Diese Regelung wird jetzt aufgekündigt. Die Änderung scheint auf den ersten Blick geringfügig, doch angesichts zurückgehender Schülerzahlen gerade in ländlichen Regionen ist sie alles andere als marginal. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) verlagert die Schulform-Debatte mit dieser Entscheidung in die Landkreise.

Auch wenn laut Gesetzentwurf stets ein Gymnasium in erreichbarer Nähe vorhanden sein soll, dürfte es zukünftig vor allem von den parteipolitischen Mehrheiten in den Kreistagen abhängen, ob die IGS doch zur Einheitsschule für alle Schüler wird, wie es die CDU jetzt lautstark befürchtet. Kurzfristige Veränderungen sind im Landkreis Uelzen allerdings nicht zu erwarten, weil sich Haupt- und Realschulen rechtzeitig zu Oberschulen zusammengeschlossen haben.

Ausgetragen wird dieser ideologische Streit wie eh und je auf dem Rücken von Schülern und Eltern, obwohl doch lange Konsens ist, dass Schulklima, pädagogische Konzepte und das Engagement jedes einzelnen Lehrers wichtiger sind als die äußere Schulform.

Auf weite Zustimmung dürfte die Rückkehr zum Abitur nach 13 Schuljahren (G 9) stoßen. Von einer „absolut notwendigen Korrektur einer Fehlentwicklung“ spricht der schulpolitische Sprecher der Grünen, Heiner Scholing, in der AZ. Er hat Recht: Mehr Zeit zum Lernen und für die Persönlichkeitsentwicklung sprechen für eine längere Gymnasialzeit – erst recht, wenn diese mehr als nur stromlinienförmig verwertbares Wissen und Fähigkeiten für eine zukünftige Berufskarriere liefern soll.

Die Rücknahme des Turbo-Abiturs ist ein Erfolg für die vielen Eltern im Land, die nicht locker gelassen haben, darunter auch die Schulelternräte des Herzog-Ernst- und des Lessing-Gymnasiums in Uelzen.

Dennoch bleibt die bange Frage, ob sich Schulen, Lehrer, Schüler und Eltern jetzt bei jedem Regierungswechsel auf ein neues Schulsystem einstellen müssen. Tatsache ist, dass die Rolle rückwärts zu G 9 jetzt ebenso überstürzt ins Werk gesetzt wird wie unter Schwarz-Gelb die Verkürzung des Wegs zum Abitur, für die es auch Argumente gab.

Von Gerhard Sternitzke

Rubriklistenbild: © Schmidt

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