Andreas Kunze-Harper arbeitet jetzt in der Justizvollzugsanstalt

Er ist der neue Knast-Pastor in der Uelzener JVA

Andreas Kunze-Harper in der Kapelle der JVA Uelzen. Nachdem er jahrelang in der Ausbildung tätig war, reizt den Uelzener nun die Rückkehr an die Basis.
+
Andreas Kunze-Harper in der Kapelle der JVA Uelzen. Nachdem er jahrelang in der Ausbildung tätig war, reizt den Uelzener nun die Rückkehr an die Basis.

Uelzen – Sein neuer Arbeitsplatz ist auch für einen Pastor nicht gerade alltäglich. Andreas Kunze-Harper arbeitet seit Kurzem als Pastor und Seelsorger für Inhaftierte sowie Angestellte in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Uelzen.

Seine Kollegin Martina Forster fungiert in der JVA als katholische Seelsorgerin.

Beide wechseln sich beim sonntäglichen, halbstündigen Gottesdienst in der Kapelle der JVA ab. „Ich denke, dass etwa die Hälfte der Teilnehmer keine Christen sind“, sagt Kunze-Harper. Rund 250 Inhaftierte zählt die JVA, zwischen 25 und 30 nehmen regelmäßig an den Gottesdiensten teil. „Das ist eine gute Quote, vergleicht man es mit Gemeinden“, so der Pastor.

Die Predigt in der JVA sei für ihn eine Herausforderung. Er müsse sich auf ein, zwei Gedanken beschränken, sie klar formulieren in einer einfachen Sprache. Zu den Häftlingen zählen schließlich nicht nur Deutsche. Anschließend gibt es jeweils eine Seelsorge-Sprechstunde und Kirchenkaffee. Forster leitet zudem einen Chor mit Häftlingen, der auch beim Gottesdienst singt. Begleitet wird er aktuell von drei Häftlingen, die Klavier, Gitarre und Cajón (Kistentrommel) spielen.

Kunze-Harper war lange in der Ausbildung tätig und wollte jetzt gerne noch in den letzten Jahren vor seinem Ruhestand zurück in die Praxis. Von 1987 bis 1990 war als Gemeindepastor schon einmal im Landkreis Uelzen gewesen, nämlich in Wriedel. Kunze-Harper war auch Pastor einer ökumenischen Gemeinde in Lüneburg-Kaltenmoor und hat zehn Jahre in der Psychiatrischen Klinik Lüneburg als Seelsorger mit „Patienten“ gearbeitet. Von 2010 bis 2016 bildete er in Hannover Krankenhausseelsorger aus und war zuletzt im Bereich der „kultursensiblen“ Seelsorge in Hannover tätig. Kunze-Harper: „Was brauchen Menschen aus anderen Religionen“, umschreibt der Pastor sein damaliges Tätigkeitsfeld. Er hatte in der Landeshauptstadt mit vielen Muslimen zu tun und bot Workshops an. Auch in der JVA Uelzen hätten ihn schon Muslime besucht und um ein Gespräch gebeten. „Ich hatte in der AZ gelesen, dass Pastor Carsten Junge die JVA verlässt und zur evangelisch-lutherischen Georgs-Kirchengemeinde nach Kirch- und Westerweyhe wechselt“, so Kunze-Harper.

Der 62-Jährige stammt ursprünglich aus dem Wendland, ist verheiratet, hat einen Sohn und wohnt in Uelzen. So könne er sogar mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Er verbringe gerne Zeit im eigenen Garten, mit einem Hund und laufe gerne im Ausdauerbereich.

Während seiner ersten drei Wochen in der JVA gab es für Kunze-Harper eine Hospitationsphase, in der er die Arbeit der Kollegen in allen Abteilungen kennenlernte. „Viele Mitarbeiter kenne ich daher jetzt schon“, sagt der Pastor. In der nächsten Zeit möchte er die Inhaftierten kennenlernen. Kunze-Harper: „Ein Thema ist immer mal wieder, wie Häftlinge damit umgehen können, wenn sich ihre Familienangehörigen nicht melden.“

Außerdem kümmert sich Kunze-Harper jeweils donnerstagnachmittags um Inhaftierte in Lüneburg. Er bezeichnet sich selbst in den Gesprächen mit Gefangenen als Zuhörer. „Wenn ich Dein Ohr nur habe, finde ich schon mein Wort“, nennt er ein Zitat von Karl Kraus als gute Beschreibung seiner Aufgabe in der JVA.

Neu wird für den Pastor die anvisierte Seelsorge-Arbeit mit Angehörigen sein: „Darauf bin ich sehr neugierig und möchte es sehr gerne kennenlernen.“

VON TIMO HÖLSCHER

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare