„Neue brauchen langen Atem“

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Schließungs-Gerüchte dementiert: Seit Sommer vergangenen Jahres gibt es das „India Haus“ an der Veerßer Straße.

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. Das Arte im Hundertwasserbahnhof: Umgeben von ungezählten Besucherströmen. Dennoch ist das Restaurant derzeit verrammelt, die Bahn hofft mit einem neuen Konzept im Frühjahr auf eine Neueröffnung. Der Uelzener Stadtgarten: Die Gastro-Meile startete im Jahr 2007 mit großen Erwartungen, mittlerweile ist keiner der vier ursprünglichen Pächter mehr dabei. Mit neuen Plänen hoffen die Uelzener Versicherungen als Besitzer auf eine Wiederbelebung im Frühjahr.

Und jetzt wird in gesellschaftlichen und politischen Kreisen schon diskutiert, dass auch das erste indische Restaurant der Stadt, vergangenes Jahr mit viel Aufwand eingerichtet, nach nur einem halben Jahr schon wieder schließen soll – zuletzt war dieser Umstand beim alljährlichen Greyer-Essen des Stadtrates in Randgesprächen ein Thema.

Auch Maqsoad Ahmad, Betreiber des „India Hauses“, wird in den vergangenen Wochen häufig mit diesem Gerücht konfrontiert – und es schockiert ihn, wie er sagt: „Stammgäste sprechen mich an und ich muss immer wieder dementieren.“ Denn eine Schließung sei nicht in Planung, versichert Ahmad, im Gegenteil: „Wir sind mit den ersten knapp sieben Monaten sehr zufrieden und haben schon eine Stammkundschaft gewonnen.“

Maqsoad Ahmad betreibt mit seinen Brüdern drei indische Restaurants in Norddeutschland, doch die Gerüchte, die seit Wochen in Uelzen kursieren, sind ihm ein Rätsel: Die Situation in dieser Stadt sei schon etwas speziell, formuliert er vorsichtig, „so etwas habe ich noch nicht erlebt und so etwas kenne ich bislang auch noch nicht“.

Einer, der Ahmads Verwunderung gut nachvollziehen kann, ist Karl-Heinrich Meyer, seit 30 Jahren Gastronom in Uelzen und 13 Jahre Kreisvorsitzender der Dehoga, bis er das Amt in 2010 abgab. „In Uelzen neue Ideen zu etablieren, ist extrem schwierig. Man braucht einen langen Atem und viele haben es nicht geschafft“, sagt Meyer, der die Gastro-Szene der Uhlenköperstadt kennt wie kaum ein anderer. Die Stadthalle hat er schon betrieben, seine Kartoffelstube an der Dieterichsstraße gibt es nicht mehr. Jetzt betreibt er die „Deutsche Eiche“ in Veerßen und Meyers Gasthaus in Hanstedt II.

In Uelzen gebe es nur ein begrenztes Publikum, „denn wir sind eher eine Schlafstadt“. Viele Bewohner würden mit ihren Familien hier zwar leben, aber in den Metropolen außerhalb arbeiten. „Und hier geht man dann eher selten aus.“ Es gebe keine Universität, relativ wenig junge Leute, „für unsere Branche ist das sehr schwierig“ – erst Recht für Gastronomen, die Neues wagen.

Maqsoad Ahmad hat diese Skepsis der Uelzener zu spüren bekommen in den ersten Monaten. Doch seinen Weg will er weitergehen: „Im Frühjahr werden wir auf dem Herzogenplatz eine neue Terrasse bauen.“ Einen Gedanken ans Aufgeben verschwende er nicht – „und das werde ich wohl auch in den nächsten 15 Jahren nicht tun.“

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