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„Nein“ zur autofreien Zone in Uelzener Marktstraßen

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Von: Norman Reuter

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Die Polizei kontrollierte unter anderem am Sonnabendnachmittag, 19. Juni, jeden Autofahrer, der durch die Marktstraßen fuhr.
Die Polizei kontrollierte im vergangenen Sommer Autofahrer, die durch die Marktstraßen fuhren. © Reuter

Der Handelsverein spricht sich gegen eine erneute Sperrung der Marktstraßen an Sommer-Wochenenden aus. Anlass ist eine Umfrage unter Gastronomen sowie Betrieben und Dienstleistern aller Art in der Innenstadt, bei der eine klare Mehrheit erklärte, die autofreie Zone habe sich negativ ausgewirkt. Jetzt ist die Politik gefragt.

Uelzen – Die neue Vorsitzende des Uelzener Handelsvereins, Gabriele Cordes-Marschall, lässt keine Zweifel aufkommen: Die Sperrung der Marktstraßen an den Wochenenden des vergangenen Sommers sei ein Versuch gewesen – „aber dieser ist gescheitert“, sagt sie. Deshalb: Eine Wiederauflage soll es nach dem Willen des Handelsvereins nicht geben.

In den zurückliegenden 14 Tagen hat der Verein nach eigenen Angaben mit „Gastronomen, Ärzten, Apotheken, Rechtsanwälten, Banken, Handwerksbetrieben und Dienstleistern aller Art“ Gespräche geführt, in denen danach gefragt wurde, wie sich die autofreie Zone ausgewirkt habe.

Lediglich ein Unternehmen habe eine positive Wirkung für seine Geschäfte festgestellt, 25 hätten keine Unterschiede gesehen, „für die große Mehrheit von 74 Unternehmen hat die Sperrung negative Auswirkungen gehabt“, erklärt der Handelsverein. Auf die Frage, ob die Sperrung wiederholt werden solle, hätten 89 erklärt, dass es keine solche Neuauflage geben solle. Fünf sprachen sich für eine Wiederholung aus, sechs Unternehmen war es egal. „Das Ergebnis ist eindeutig“, bilanziert der Handelsverein – und nimmt die Umfrage zum Anlass, sich gegen eine erneute Sperrung auszusprechen. Denn: Für all die Befragten wolle er künftig Sprachrohr sein.

Die Marktstraßen in den Sommer-Monaten an den Wochenenden zu einer autofreien Zone zu erklären, geht auf einen Antrag der UWG im Rat aus dem Jahr 2019 zurück. Im Jahr darauf fand er – nach einer Umfrage des Stadtmarketings – eine politische Mehrheit. Er wurde auch von Bürgermeister Jürgen Markwardt unterstützt. Erstmals war es dann im vergangenen Jahr zu einer Sperrung gekommen.

Anlass für den Antrag der UWG waren die sogenannten Schaufahrten durch die Marktstraßen und die Möglichkeit, mit den Sperrungen den Menschen in den Außenbereichen der Gastronomien einen ungestörten Aufenthalt zu ermöglichen. Ein Thema, das auch bei Gesprächen des Handelsvereins mit den Anliegern eine Rolle spielte. Mehrere Befragte hätten nach Angaben des Vereins zum Ausdruck gebracht, dass mit den Sperrungen „das Auto-Poser-Problem auf Kosten der Gewerbetreibenden und Dienstleister“ gelöst worden sei.

Nach Beschlusslage ist die autofreie Zone für den Zeitraum Ostern bis Oktober vorgesehen. Nach der Premiere im vergangenen Jahr waren für eine Neuauflage noch einmal politische Beratungen angekündigt worden, ohne dass es diese bisher abschließend gegeben hat. Der Handelsverein befeuert jetzt, gut sechs Wochen vor dem Osterfest, die Debatte.

Sie drehte sich zuletzt auch nicht mehr ausschließlich um die Schaufahrten, sondern auch um Klimaschutz-Aspekte. So hatte die SPD im Rat noch 2021 den Antrag gestellt, den reinen Durchfahrtsverkehr aus den Marktstraßen ganzjährig auszuschließen – und zwar an sieben Tagen die Woche.

Daran erinnert auch noch einmal gestern der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Knust: „Die grundsätzliche Haltung der SPD ist, den Verkehr so oft und so viel wie nötig aus den Marktstraßen herauszunehmen.“ Der gestellte Antrag dazu sei noch zu beraten. „Hier ist der Diskussionsprozess noch nicht zu Ende.“

Knust kündigt an, bei einem der nächsten Infostände der SPD in der Innenstadt das Thema Verkehr in den Mittelpunkt stellen zu wollen.

Dr. Wiebke Köpp sagt gestern als Sprecherin der CDU-Fraktion: „Wir müssen auf die hören, die in der Innenstadt ihren Lebensunterhalt verdienen.“ Insofern unterstütze man als Fraktion die Ausführungen des Handelsvereins.

Als Bürgermeisterkandidatin hatte Köpp 2021 erklärt, Rat und Stadtgesellschaft müssten über eine dauerhafte autofreie Zone ins Gespräch kommen, weil es eine Lärm-, Abgas- und Umweltbelastung gebe. Als Voraussetzung dafür nannte sie Lösungen wie beispielsweise Shuttles, damit der Handel nicht leide und der Komfort für die Menschen erhalten bleibe.

„Ich persönlich finde das auch noch richtig. Aber das ist keine Debatte für morgen, sondern für übermorgen“, so Wiebke Köpp. Mit der CDU sei eine Sperrung der Marktstraßen für diesen Sommer aber nicht machbar.

„WIR für Uelzen“ war und bleibt Gegner der Sperrung. Knut Roenelt sagt: „Ich weiß aus Gesprächen: Das war nicht zuträglich für die Innenstadt und Anlieger hatten Ärger damit.“

Die Grünen hatten im letzten Jahr die autofreie Zone befürwortet und grundsätzlich tun sie das auch weiterhin. „Da muss es schon gravierende Punkte geben, die dagegen sprechen“, so die Fraktionsvorsitzende Judith Libuda. Die Umfrage des Handelsvereins und deren Ergebnisse wolle man sich vorstellen lassen. Sie würden dann entsprechend bewertet.

Neu seit Herbst im Rat ist die AfD. Fraktionsvorsitzender Christian Dörhöfer sagt: „Wir arbeiten ungern mit Verboten.“ Insofern sei man gegen eine Sperrung.

Die FDP muss sich zunächst noch beraten, was die autofreie Zone betrifft. Gleiches gilt für die UWG, die eine Gruppe mit der FDP bildet. Ralf Munstermann hält aber fest: „Verkehrlich ist es offenkundig an den Wochenenden in den Marktstraßen besser geworden.“

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