Technischer Leiter Fritz-Eckhard Müller feiert heute 70. Geburtstag

Natürlich Theater!

Fritz-Eckhard Müller

Uelzen. Er kennt das Uelzener Theater wie kein anderer: Fritz-Eckhard Müller ist seit 42 Jahren technischer Theaterleiter im Theater an der Ilmenau. Heute feiert er seinen 70. Geburtstag.

Im Interview mit AZ-Redakteur Jörn Nolting gibt er Einblicke in seine Arbeit und wirft dabei auch einen Blick auf die Zukunft der Uelzener Kultureinrichtung.

AZ: Herzlichen Glückwunsch zum 70. Geburtstag!

Fritz-Eckhard Müller: Vielen Dank.

AZ: Wie sieht und fühlt man sich mit 70 Jahren?

Müller: Curd Jürgens, den ich übrigens selbst noch kennengelernt habe, sagte auf einer Schallplatte: „60 Jahr und nicht ein bisschen weise“. Oder es gab einen Schlager mit dem Text: „ ...mit 17 hat man noch Träume, da wachsen noch alle Bäume in den Himmel der Liebe“.

AZ: Wollen Sie damit sagen, dass Sie mit 70 nicht ein bisschen weise sind? Und sind Sie auch mit 70 noch ein Träumer?

Müller: Beides ist der Fall. Der eine wie andere Begriff ist wichtig, um in der realen Welt zu bestehen. Mein Vater vermittelte mir die preußischen Tugenden, meine Mutter die künstlerische und humanistische Ideologie. Es gab zwar immer Platz fürs Träumen, aber diszipliniertes Handeln ist für mich Grundvoraussetzung fürs Leben und Überleben.

AZ: Was waren Ihre Eltern denn von Beruf?

Müller: Mein Vater war Meister einer Baufirma und meine Mutter Kunstmalerin. Und Sie hat auch Ballett getanzt...

AZ: ...und so sind Sie auch ans Theater gekommen?

Müller: Ich habe viel ausprobiert. Mit 16,5 Jahren habe ich mein Abitur in Hildesheim gemacht und dann drei Jahre Studium und Lehre als Mode- und Industriefotograf in Hildesheim, Dortmund und Celle. Diese Zeit hat mich sehr geprägt.

AZ: Wie lange haben Sie denn als Fotograf gearbeitet?

Müller: Nach der Ausbildung kam die Bundeswehr, deshalb habe ich später nur noch nebenbei immer im Sommer als Fotograf gearbeitet. Über die Bundeswehr habe ich ein Praktikum im Medizinbereich begonnen, aber dann nach anderthalb Jahren abgebrochen.

AZ: Und wie gelangten Sie ans Theater?

Müller: Als Fotograf habe ich beim GOP Varieté-Theater in Hannover begonnen. Später wurde ich dann Beleuchter, Bühnentechniker und technischer Leiter – und Conférencier.

AZ: Und wie kamen Sie dann nach Uelzen?

Müller: Ich war nach der Zeit in Hannover drei Jahre in Hildesheim und habe ohne Bezahlung alle Stationen eines Theaters erlernt – von der Schlosserei, Malersaal und Bühnenbildbau sowie Elektrik bis zum Maskenbildner und Kostümschneiderei habe ich alles durchlaufen. Danach war ich bei der Staatsoper in Hannover und nebenbei war ich Geschäftsführer von drei Kneipen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich meine spätere erste Frau kennengelernt – und die kam aus Uelzen.

AZ: Dadurch enstand Ihre erste Beziehung zu Uelzen?

Müller: Ja, und ich habe beobachtet, wie das Theater gebaut wurde und war sofort Feuer und Flamme. Ich habe mich gleich beworben und wurde trotz abgeschlossener Bewerbungsfrist genommen. Und so wurde ich am 13. September 1970 technischer Leiter des Theaters.

AZ: Seitdem sind nun 42 Jahre vergangen. Wie hat sich das Theater im Laufe der Zeit verändert?

Müller: Damals gab es eine regelrechte Aufbruchstimmung und ja auch einen generellen Aufschwung. Der Nachholbedarf war gewaltig und es kamen viele große Stars nach Uelzen. Irgendwann blieb es jedoch stehen.

AZ: Woran mag das liegen?

Müller: Ich habe das Gefühl, alle werkeln für sich – das ist schlimm. Hier müssten alle umdenken und modern agieren, damit das Theater attraktiv im Mittelpunkt steht.

AZ: Wie kann man das erreichen?

Müller: Wir müssen hier wieder ein Wir-Gefühl entwickeln. Ein Gefühl, an dem wir arbeiten müssen.

AZ: Welche Probleme sehen Sie denn?

Müller: Im Alltag der Finanzzwänge der Kommunen stehen wir allzu häufig vor der Alternative von Kippung und manchmal sogar Schließung von Bewährtem, um Entwicklungen anderswo zu retten.

AZ: Aber es gibt doch Fördergelder?

Müller: Fördergelder werden zu wenig genutzt, weil sowohl die Geförderten als auch die Förderer isoliert agieren. Lokal sinnvoll begonnene Entwicklungen sollten fortgesetzt werden, die Theaterkulturförderung erhalten bleiben.

AZ: Was können denn die Verantwortlichen und Uelzener tun?

Müller: Das Publikum muss sich öffnen und das Theater sollte bundesweit stärker für Bewerber angeboten werden. Oper, Volkstheater oder leichte Unterhaltung müssen ebenso angeboten und angenommen werden wie Lyrik und Sonette von Shakespeare. Kultur in den Kommunen kann ein spannender Beitrag in der Praxis sein.

AZ: Wie sehen Sie denn ihre persönliche Zukunft?

Müller: Natürlich weiter unser Theater leiten! Und ich will das Märchen „Bobo-Jobo und Bobeline“, das ich 2005 angefangen habe zu schreiben, fertigstellen. Außerdem habe ich 1998 eine Revue mit dem Titel „Revue einer Stadt“ geschrieben, die ich gern realisieren würde. Des Weiteren möchte ich verstärkt meine Chansons und Lieder vermarkten. Außerdem ist ein Fernsehsender daran interessiert, über mich eine Reportage zu drehen. Sie sehen, mir wird nicht langweilig ...

AZ: Stimmt. Und es sieht so aus, als wenn es Sie jung hält. Wie lange wollen Sie denn noch dabei bleiben?

Müller: Da halte ich es mit den Worten: „Glaube versetzt Berge“. Und was wäre ich ohne meine Familie, die mir den Freiraum für meine Theaterarbeit gibt. Außerdem halte ich es mit Shakespeare: „Ich glaube, dass es mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, als unsere Schulweisheit sich träumen lässt.“

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