Namensstreit im Fernsehen

„Bitte erklären Sie unseren Zuschauern, warum Sie dagegen sind, die Straße nach Farina zu benennen“, bat die Reporterin.

Uelzen. „Wir möchten nicht in einem Atemzug genannt werden mit Städten, in denen Nazis ihr Unwesen treiben“, spricht eine Uelzenerin ins Mikrofon der NDR-Reporterin, die am Montag mit ihrem Kamerateam am Stern recherchierte. „Wir befürchten, dass eine Rückbenennung der Straße Am Stadtgut in Farinastraße von den Rechten als ermutigendes Signal verstanden wird.“

Beim NDR in Hannover wird die Initiative zur Rückbenennung mit wachsendem Interesse verfolgt. Nicht etwa die Initiative „Keine Nazi-Straßennamen in Uelzen“ oder das „Bündnis gegen Rechts“ haben den NDR informiert, dass man sich am Stern treffen werde. „Der NDR hat recht kurzfristig bei mir angerufen“, bestätigt Dieter Thiel, der sich seit dem vergangenen Jahr für die Umbenennung der Farinastraße engagiert hat. Nach einem Radiobeitrag auf NDR 1 wird der bizarre Streit um den Straßennamen jetzt auch seinen Widerhall im Fernsehen finden, in der Sendung „Hallo Niedersachsen“, die täglich ab 19.30 Uhr im dritten Programm ausgestrahlt wird.

Die Zuschauer des NDR werden von der Initiative des CDU-Ratsherren Peter Lücke erfahren, der Unterschriften für einen „Bürgerentscheid“ gesammelt hat, damit die Straße wieder nach dem ehemaligen Uelzener Bürgermeister Farina benannt wird. Für den Hörfunk war Lücke noch zu einem Interview bereit, vor die Kamera allerdings wollte er nicht, ist von einer Mitarbeiterin des NDR zu erfahren.

So wird es denn wohl vor allem die Gegenseite sein, die in dem Beitrag zu Wort kommt. Und die ist sich einig: Vorbildcharakter hat Farina nicht und das sei Voraussetzung dafür, dass eine Straße nach ihm benannt werden könnte. Ganz im Gegenteil, Farina sei „ein Zahnrad im Getriebe des NS-Staats“ gewesen, so Thiel. Auf sein Konto gingen unter anderem „elf Verhaftungen für das KZ Moringen unter Ausschaltung der Gerichte, um das Nazi-System in den ersten Monaten zu stabilisieren“, erklärt Thiel den Fernsehzuschauern. Farina sei nämlich als Bürgermeister auch Leiter der Ortspolizeibehörde gewesen. Die Verhaftungen aber seien ein Akt vorauseilenden Gehorsams gewesen, niemand hätte ihn dazu zwingen können.

Und auch die Argumentation Lückes, Farina habe sich für die Stadt Uelzen eingesetzt, können die Kundgebungsteilnehmer nicht nachvollziehen: „Das ist die Aufgabe eines jeden Bürgermeisters, dafür wird er bezahlt“, findet Borvin Wulf.

Pastor Ulrich Hillmer würde gerne noch eine Informationsveranstaltung im Gemeindehaus von St. Johannis zum Thema machen, „denn der Riss geht auch durch meine Kirchengemeinde“.

Nächste Station des NDR-Teams ist das Grab von Farina, weil dort jedes Jahr ein Kranz von der Stadt niedergelegt wird.

Von Jürgen Köhler-Götze

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