„Nadelstiche setzen“

Bei Regen kein Publikums-Magnet: Gähnende Leere gestern Mittag in der Fußgängerzone Veerßer Straße.

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. Fußgängerzone heißt das gut sichtbare, von zwei Blumenkübeln umrahmte Schild direkt vor dem alten Rathaus. Dem Fahrer des blauen Ford mit Celler Kennzeichen scheint das Symbol nicht bekannt zu sein, er biegt in die Straße ein. Ein älterer Passant zeigt dem Fahrer prompt einen Vogel. Seit nunmehr sechs Wochen ist die Uelzener Fußgängerzone um die Veerßer Straße erweitert – und die Meinungen über diese Maßnahme, mit der die Innenstadt ein Stück attraktiver werden soll, gehen weiter denn je auseinander.

„Es ist noch schlimmer gekommen als befürchtet“, sagt Apotheker Heiko Barz, der als Anlieger der Veerßer Straße seit Monaten gegen das Projekt wettert und sich nun bestätigt sieht. Gestern Mittag bietet die Straße einen trostlosen Anblick an diesem regnerischen Sommertag. Die Fußgänger nutzen überwiegend den Bürgersteig, die Fahrbahn ist das Revier der Radler. „Wenn man da in der Mitte geht, kann man doch gar nicht in die Schaufenster sehen.“ Am heutigen Dienstagabend tagt die Arbeitsgemeinschaft Innenstadt zum Thema Veerßer Straße, die AG Leere Kassen habe schon vergangenen Donnerstag diskutiert, was man unternehmen könne, beschreibt Barz die Zusammenkunft mehrerer Geschäftsleute von der Veerßer Straße. „Wir müssen jetzt Nadelstiche setzen gegen die Politik, so geht es nicht mehr weiter.“

Derweil sind die Meinungen auf der Straße geteilt: „Für eine Fußgängerzone gibt es hier zu wenig Lokale, denn erst Tische auf den Straßen bringen Leben in die Sache“, findet eine Mitvierzigerin. „In so einer Straße muss es ein bekanntes Geschäft als Magnet geben, das gezielt die Leute hierher lockt“, meint ein anderer Passant. Positiv bewertet die Erweiterung der Fußgängerzone Michael Hausstein: „Mir gefällt es so, das ist ein Schritt nach vorne in der Entwicklung Uelzens“, sagt er und schlendert im Nieselregen weiter.

Bei der Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Innenstadt werden heute Abend auch viele Vorschläge der Uelzener SPD auf den Tisch kommen. Grünflächen, Stühle, Lesesäulen, Stellwände – die Liste ist lang. „Aber im November retten uns auch keine Lesesäulen, das ist doch alles Aktionismus“, sagt Apotheker Barz. Derweil biegt ein schwarzer Audi mit Düsseldorfer Kennzeichen von der Gudesstraße in die Fußgängerzone Veerßer Straße. Er hat freie Fahrt bis zum Neuen Rathaus – die wenigen Tische auf der Fahrbahn sind kein Hindernis.

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