Der Nachwuchs der Artisten

Über das jüngste Mitglied im Circus Krone freut sich die ganze Crew, vor allem Clown Hector. Das Artisten-Paar Fernanda Lais de Sousa Costa und Sergio Vieira Ribeiro hat vor einer Woche einen zweiten Sohn bekommen. Fotos: Ph. Schulze

Uelzen. Der Circus Krone hat während seines Aufenthaltes in Uelzen Zuwachs bekommen. Ein Menschenbaby ist für die 400 Mitarbeiter starke Crew auf der Tournee eine seltene Attraktion – denn zu 90 Prozent besteht die Mannschaft aus Männern, sagt Pressesprecherin Susanne Matzenau.

Artistin Fernanda Lais de Sousa Costa aus Argentinien hat heute vor einer Woche im Lüneburger Krankenhaus per Kaiserschnitt einen Sohn zur Welt gebracht. Gestern ist der 3260 Gramm schwere und 51 Zentimeter große David Vieira bei seiner nun vierköpfigen Familie im Zirkus-Dorf eingezogen. Und sein Lebenslauf ist schon so gut wie vorgegeben: Als Sohn eines „Fliegers“, wie die Trapezkünstler im Zirkus genannt werden, wird David vermutlich auch das Fliegen lernen, sagt sein Vater Sergio Vieira Ribeiro aus Brasilien.

Verdammt niedlich: die Zirkus-Bewohner

Noch kurz vor der Geburt ist der Flieger während einer Aufführung abgestürzt und im Netz gelandet. Er war froh, dass den Moment nicht seine hochschwangere Frau miterlebt hat.

Voraussetzung fürs Fliegen am Trapez ist die passende Körperstatur – ein Flieger darf nicht allzu kräftig gebaut sein. Wenn Sergio Vieira Ribeiro zum Beispiel einen dreifachen Salto mortale ausführt, landet er mit dem dreifachen Gewicht seines Körpers. Die Kollegen, die am Trapez die Position eines Fängers haben, gehören stattdessen zu den Kräftigen. Zu ihnen zähle eher Davids zweijähriger Bruder Dennis, meint Vieira Ribeiro: „Dennis wird ein Fänger, er war bei seiner Geburt ganz kräftig und knapp 4000 Gramm schwer.“

Die Kinder im Circus Krone erhalten genug Gelegenheit, ihren Eltern nachzueifern. Dafür geht es in der kleinen Zirkus-Schule um die übrigen Grundlagen, die sie im Leben brauchen. Sobald sie ins Grundschulalter kommen, lernen sie in einem kleinen Wohnwagen bei einer Grund- und Hauptschullehrerin Deutsch und Mathematik. Am Wichtigsten ist es, dass sie die deutsche Sprache lernen, damit sie sich verständigen können, berichtet Susanne Matzenau. Denn alle fünf Kinder, die dort – je nach Alter vormittags oder nachmittags – an den vier Bänken sitzen, haben unterschiedliche Nationalitäten.

Der Schulbesuch ist zwar auch für diese Kinder Pflichtprogramm. Aber so ganz nehmen sie es offensichtlich nicht als Pflicht wahr: Fünf Kinder sind in dieser Schule angemeldet. In diesem Monat kommen noch vier weitere hinzu, die eigentlich Ferien hätten und ihren Urlaub bei den Verwandten vom Circus Krone verbringen. Sie setzen sich freiwillig mit in die Reihen des Wohnwagens.

Während die Crew hinter der Kulisse „ihren Nachwuchs“ feiert, werden im Krone-Zoo die tierischen Attraktionen dargeboten. Täglich haben Uelzener Zirkus-Fans Gelegenheit, die 200 Tiere zu besichtigen. Vor allem die vier Seerobben von Familie Duss begeistern die Zuschauer. Wer sich nicht vom Geschrei der kanadischen Seelöwen abschrecken lässt, darf sich von ihnen küssen und durch das Wasser ziehen lassen. Wichtig dabei ist: „Nicht allzu sehr die Seelöwen umklammern“, warnt Roland Duss vor. Noch vor dem Sprung ins Wasser holen sich die schweren Riesen mit ihrem feuchten, glatten Kurzhaarfell ihre Streicheleinheiten ab – vor allem der acht Jahre junge Joe zeigt sich ganz vernarrt. Mit seinen großen dunklen Augen beobachtet er sein Gegenüber genau und reckt die kitzelnde Schnauze empor – solange, bis er von Roland Duss einen leisen Pfiff hört. Der 20-jährige Chico, der „totale Frauenversteher“, der in der Staffel „Hallo Robbie“ die Hauptrolle gespielt hat, lässt sich von Duss weniger motivieren. Es ist die Zeit der „Bulligkeit“, die Paarungszeit der Seelöwen. Und wenn sie nicht mitarbeiten wollen, dann ist auch Duss machtlos.

Aber meistens wollen sie ganz offensichtlich dabei sein, denn wer mitmacht, bekommt Fisch-Häppchen. Sie schieben mit ihren Schnauzen Rückenschwimmer an den Füßen an oder ziehen sie auf ihrem Rücken durch die 100 000 Liter Fluten. Wenn Duss „Foto“ ruft, halten sie still und wenn er sie mit „Smile“ auffordert, blinzeln sie und deuten ein Lächeln an. – Kein Wunder, dass Petra Duss ihren Schreibtisch mit der Seelöwen-Station getauscht hat. Nach ihrer Ausbildung zur Bürokauffrau in Uelzen hat die gebürtige Munsteranerin im Erse Park Uetze ihren Mann kennengelernt. „Da hab ich mich in ihn und die Tiere verliebt“, sagt Petra Duss. Derzeit baut die Familie mit rund 60 Meerestieren einen neuen Park in Spanien auf. Charly, Joe, Tino und Chico sind ihre vier Lieblinge, „sehr intelligent, wissbegierig und wollen den ganzen Tag beschäftigt sein“. Jeden Morgen um 10 Uhr werden sie öffentlich im Zoo trainiert.

Eine Fotogalerie vom Schwimmen mit den Seelöwen und ein Video von einer Tour durch den Krone-Zoo finden Sie im Internet unter

Von Diane Baatani

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