Harald Meyer und seine Gruppe beenden Führungen durch Uelzen

Nachtwächter geht in Ruhestand

Harald Meyer in seiner Nachtwächter-Kluft.
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Nachtwächter Harald Meyer und seine Gruppe hören aus Altersgründen auf. Im Dezember wird es die letzte Führung geben.

Uelzen – Zehn Jahre, 330 Führungen, 14.000 Besucher: Die Bilanz, die Nachtwächter Harald Meyer zieht, zeugt von großem Erfolg, aber auch von großem Aufwand.

„Drei bis dreieinhalb Stunden sind mein persönlicher Arbeitseinsatz“, schätzt Harald Meyer den zeitlichen Aufwand, der für eine zweieinhalbstündige Führung zu stemmen ist. Im Dezember soll damit jedoch Schluss sein.

Aus unserem Video-Archiv (Beitrag von 2013)

Aufgrund des hohen Durchschnittsalters der Nachtwächter-Gruppe von rund 75 Jahren geht diese Belastung nicht mehr spurlos an den Laien-Darstellern vorbei. Im Januar führte man daher eine Abstimmung über die Fortsetzung der Führungen durch. Das Ergebnis: „Die große Mehrheit hat sich für den Schluss am 18. Dezember 2020 entschieden“, so Meyer. An diesem Datum wird Harald Meyer mit seiner Truppe zum letzten Mal durch Uelzens bewegte Vergangenheit führen.

Harald Meyer in seiner Nachtwächter-Kluft.

„Wir kriegen einfach keinen Nachwuchs“, begründet Meyer diesen Schritt. Bereits im Januar 2018 habe man den Uelzener Kulturausschuss über „große personelle Engpässe“ informiert und auch nach jeder Führung einen Aufruf an junge Leute gestartet. Bislang jedoch vergeblich. Denn die Rolle des Nachtwächters ist fordernd. Er ist für die Gesamtorganisation zuständig, muss für jede Führung die Gruppe zusammenstellen oder Sponsoren finden. Daneben sei die Fähigkeit, frei zu sprechen, sehr wichtig. „Wir brauchen einen Kopf, der bereit ist, zu sagen: ,Das mache ich’“, fasst Harald Meyer seine Aufgaben zusammen.

Auch die Gesundheit spielte bei dem Entschluss, aufzuhören, eine Rolle. „Ich habe meiner Frau versprochen, mit 80 bin ich aus der Sache raus“, sagt der jetzt 79-jährige Meyer. Ihm persönlich gehe es zwar noch gut, doch andere Mitglieder hätten bereits mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen gehabt. „Wir spielen gesundheitlich auf Kante“, sagt Meyer. Dennoch sei „nicht eine einzige Führung im Verlauf der zehn Jahre ausgefallen“, sagt Meyer stolz.

Leicht fällt Harald Meyer der Abschied aber nicht: „Das ist ungefähr so, wie wenn ein Kind die Entscheidung trifft, aus dem Haus zu gehen. Dann gibt es ein lachendes und ein weinendes Auge.“ Zwar freue er sich über die Anerkennung, aber „besser ein Ende ohne Schrecken“, wie Meyer mit Blick auf die gesundheitliche Situation anmerkt.

Die Idee, Nachtwächter-Führungen anzubieten, entstand, während Meyer die Leitung einer Ausbildung für Stadtführer innehatte. Da Meyer zuvor mit seiner Frau Kultur- und Wanderreisen in der ganzen Welt angeboten hatte, konnte er auch die Führungen in der Uhlenköperstadt übernehmen. Auch das gesamte Konzept wurde von ihm entwickelt. „Diese Führung hat eine Qualität, die man so schnell nicht mehr erleben wird“, sagt Meyer stolz. Zudem seien Führungen in solchem Umfang seines Wissens nach in Norddeutschland einmalig – ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal.

Langweilig wird es Harald Meyer aber auch nach seiner Nachtwächter-Ära nicht. Verstärkt wolle er seiner Leidenschaft fürs Reisen nachge-hen und Zeit mit seinen Kindern und Enkeln verbringen – „so lange, wie die Füße tragen.“

VON DANIEL BIELING

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