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Nachts Tempo 30? Stadt Uelzen macht Groß Liedern, Hanstedt II und Molzen Mut

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Von: Lars Becker

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In Rätzlingen gilt nachts auf der B493 seit einigen Monaten Tempo 30 – aus Lärmschutzgründen. Für die Uelzener Ortschaften Hanstedt II, Groß Liedern und Molzen ist die Gemeinde das Vorbild.
In Rätzlingen gilt nachts auf der B493 seit einigen Monaten Tempo 30 – aus Lärmschutzgründen. Für die Uelzener Ortschaften Hanstedt II, Groß Liedern und Molzen ist die Gemeinde das Vorbild. © Lars Becker

Mit Hanstedt II, Groß Liedern und Molzen können sich drei Uelzener Ortschaften Hoffnungen machen, dass stark frequentierte Straßen perspektivisch von 22 Uhr am Abend bis 6 Uhr morgens ein Tempolimit von 30 km/h erhalten.

Uelzen – Das Paradebeispiel in der Nachbarschaft ist Rätzlingen. Die 500-Seelen-Gemeinde zwischen Uelzen und Rosche hat auf der B493 das, was sich die Bürger so mancher Ortschaft der Hansestadt Uelzen auch schon lange herbeisehnen: Zwischen 22 Uhr am Abend und 6 Uhr am Morgen ist dort die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der Bundesstraße aus Lärmschutzgründen auf 30 Stundenkilometer begrenzt.

Das Straßenverkehrsamt des Landkreises Uelzen hatte so im März entschieden, um den vom starken Durchgangsverkehr belasteten Anliegern ruhigere Nächte zu bescheren.

Eben auf solche dürfen die Menschen nun auch in den drei Uelzener Ortschaften Molzen, Hanstedt II und Groß Liedern hoffen. In den jeweiligen Sitzungen der Ortsräte ging es konkret um eben solche Temporeduzierungen in den Nachtstunden nach dem Rätzlinger Vorbild: auf der Uelzener Straße in Molzen, auf den Ortsdurchfahrten der Bundesstraße 71 in Hanstedt II (Hanstedter Straße) und Groß Liedern (Salzwedeler Straße) sowie auf der Lehmker und Rätzlinger Straße in Hanstedt II (Kreisstraße 17).

20 km/h weniger haben positiven Effekt

Und seitens der Uelzener Stadtverwaltung waren die ausgesendeten Signale positiv: „Wir haben uns im Haus mit der Frage beschäftigt und können uns sehr gut vorstellen, dass das klappt. In Rätzlingen ist ja sogar noch weniger Verkehr. Insofern bin ich optimistisch“, erklärte Pierre-Pascal Berning aus der Abteilung Straßenbau und Verkehr der Hansestadt beispielsweise im Ortsrat Groß Liedern/Hanstedt II/Mehre.

Dort stand der Antrag von Christof Schultz (Grüne) auf der Tagesordnung, die Ortsdurchfahrten der B71 in Hanstedt II und Groß Liedern sowie die von dort abzweigende Kreisstraße 17 in Hanstedt II nachts von 50 auf 30 Stundenkilometer zu reduzieren. „Am Beispiel Rätzlingen an der B 493 ist zu erkennen, dass eine Begrenzung sehr wohl möglich ist“, so Schultz, der weitere Beispiele aus dem Nachbarkreis Lüchow-Dannenberg anführte.

Schwerlastverkehr in erheblichem Ausmaß

Ortsbürgermeister Wilfried Teichmann (SPD) ergänzte: „Eine Temporeduzierung um 20 km/h hat für die Anwohner einen positiven Effekt. Sie können dann im Sommer auch mal die Fenster öffnen. Nachts wird ohnehin schneller gefahren als erlaubt, deshalb ist der Ansatz der richtige.“ Das sah auch der Ortsrat so und sprach sich einstimmig für den Vorstoß zur nächtlichen Temporeduzierung aus.

Auch an der Uelzener Straße in Molzen sind viele Menschen seit Jahren genervt vom Verkehr. Aus den beiden Richtungen Ripdorf und Masendorf fahren viele Verkehrsteilnehmer nach Überzeugung der Anwohner viel zu rasant in den Ort. Und insbesondere während der Rübenkampagne sowie zuletzt verstärkt durch die mehrmonatige Sperrung zwischen Oldenstadt und Uelzen donnert Schwerlastverkehr in erheblichem Ausmaß durch die Straßen des Ortes.

Im Ortsrat Masendorf/Molzen/Riestedt führte Bernd Behn aus dem Fachbereich Straßenbau, Umwelt und Grünflächen der Hansestadt aus, dass es in Sachen Lärmschutz gesetzliche Grenzwerte gebe. „Werden die überschritten, greift das Recht auf Lärmschutz. Rätzlingen wurde schon als Beispiel genannt. Das ist das, was hier auch gut und wünschenswert wäre“, so Behn.

Verkehrszählung und Lärmgutachten

Berning wie Behn erläuterten in den Ortsratssitzungen das Verfahren, das zum Ziel führen kann: Es werden Verkehrszählungen durchgeführt, ehe ein Lärmschutzgutachten in Auftrag gegeben wird. Dessen Kosten belaufen sich nach Angaben der Verwaltung jeweils auf 1500 bis 2000 Euro, die die Landesstraßenbaubehörde trägt, wenn es sich um eine Bundesstraße handelt.

Allerdings dauert es erfahrungsgemäß mindestens zwei Monate, bis das Gutachten vorliegt. „Dann liegt der Ball bei uns als Verkehrsbehörde: Wir müssen die Ergebnisse bewerten und eine Entscheidung treffen. Zunächst ist nur eine Beschlussfassung des Ortsrates erforderlich, eine Behandlung in weiteren politischen Gremien ist nicht erforderlich“, so Berning. „Auch in Rätzlingen ist das Verfahren so gelaufen. Die Schilder sind dann nur noch der für alle sichtbare Endpunkt“, sagte Bernd Behn.

In Molzen soll die Verkehrszählung nach seinen Angaben voraussichtlich schon im November stattfinden – und damit auch während der Rübenkampagne von Nordzucker, weil das repräsentativ für vier Monate jeden Jahres sei, so Behn.

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