Nach Todesfällen im Böh: Stadt Uelzen will verstärkt über Beheizen informieren

Ofen mit Müll befeuert

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Die Wohnung im Böh, in der die beiden Uelzener verstorben sind, hat die Polizei versiegelt.

Uelzen. Der Tod eines 41-jährigen Mannes und seiner 54 Jahre alten Bekannten in der Obdachenlosenunterkunft im Böh hat bei der Stadt tiefe Betroffenheit ausgelöst, sagt Stadt-Sprecherin Ute Krüger. Mehr noch: „Wir haben den Vorfall sofort zum Anlass genommen, unsere eigenen Verpflichtungen und Sicherheitsvorkehrungen einer Prüfung zu unterziehen.“

Die Stadt ist Eigentümerin der Baracken, die am Stadtrand liegen, und überlässt sie seit 1970 vorübergehend Wohnungslosen als Unterkunft. Derzeit sind von den 43 Wohneinheiten 22 bewohnt. 25 Menschen leben hier aktuell.

Alle Wohneinheiten der Obdachlosenunterkunft werden mit Kohle-Öfen beheizt. Eine Zentralheizung gibt es nicht. „Beim Einzug erhalten die Bewohner Sicherheitshinweise zum Befeuern der Öfen“, erklärt Ute Krüger. Das vor Ort wohnende Hausmeister-Ehepaar erkläre den Neuzugängen, wie die Öfen funktionieren, welche Brennstoffe verwendet werden dürfen, wie die Öfen gereinigt werden müssen und wo die Asche entsorgt werde.

Eine Kontrolle der Befeuerungsanlagen werde regelmäßig vorgenommen: „Drei Mal im Jahr werden die Schornsteineinzüge der Obdachlosenunterkunft vom Schornsteinfeger gereinigt und überprüft“, so Krüger. Zwei Mal während der Heizperiode und ein Mal nach der Heizperiode. „Letztmalig wurde im Februar gefegt“, sagt sie. „Der Ofen im Zimmer des Verstorbenen wurde im Rahmen der gesetzlich vorgegebenen Feuerstättenschau durch den Schornsteinfeger im Jahre 2008 abgenommen.“

Hausmeister und das städtische Gebäudemanagement würden zudem darauf achten, dass sich die Kohle-Öfen in den Wohneinheiten der Unterkunft in einem ordnungsgemäßen Zustand befinden. Auch der Schornsteinfeger weise die Bewohner bei seinen Einsätzen darauf hin, falls sicherheitstechnische Voraussetzungen nicht eingehalten würden, so Ute Krüger.

Nach Ermittlungen der Polizei waren der 41-jährige Mann und die 54-Jährige Frau an einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben, weil der Ofen so massiv befeuert worden sei, dass sich Ofenrohre zugesetzt hatten – die giftigen Abgase zogen nicht durch den Schornstein ab, sondern strömten in den Wohnraum. Die Beamten sprechen von einem tragischen Unglück, das durch „fahrlässiges Selbstverschulden“ verursacht worden sei. Unter anderem sei der Ofen unsachgemäß mit Müll angeheizt worden, informiert Polizei-Sprecher Kai Richter auf AZ-Nachfrage. Wie berichtet, hatte die Polizei die beiden Verstorbenen am Sonntagmittag nach Hinweisen des Hausmeisters im Bett liegend gefunden; da waren sie offensichtlich schon ein paar Tage tot.

Die Stadt Uelzen wird das Unglück zum Anlass nehmen, mit den Bewohnern der Obdachlosenunterkunft im Böh zusammenzutreffen und das Ereignis aufzuarbeiten. „Alle Personen sollen noch einmal für das richtige Beheizen der Öfen sensibilisiert werden“, betont Sprecherin Ute Krüger. Der Hausmeiser solle künftig noch stärker auf das richtige Heizmaterial und das richtige Reinigen achten, heißt es. „Außerdem wird die Stadt zusätzlich die Abgasrohre an den Öfen regelmäßig direkt vom Schornsteinfeger überprüfen lassen“, kündigt die Sprecherin an. Unterdessen ist auch die Bestürzung bei den Bewohnern der Obdachlosenunterkunft im Böh groß.

Von Ines Bräutigam

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