Stromausfall im Landkreis Uelzen

Nach der Sintflut kommt der Blackout

Uelzen/Landkreis. Um 9. 30 Uhr ging das Licht aus – fast im ganzen Landkreis Uelzen flächendeckender Stromausfall. Der Grund: Ein Unwetter hatte am Morgen nicht nur sintflutartigen Regen, sondern auch Blitze im Gepäck. Einer schlug vermutlich im Stromnetz ein.

„Betroffen war eine Mittelspannungsleitung vom Umspannwerk Stadorf zum Umspannwerk Uelzen“, erklärt Christina Schulz, Pressesprecherin von Eon-Avacon. Äußerlich war zwar keine Beschädigung der Leitung auszumachen. Dennoch vermutet Eon einen Blitzeinschlag als Auslöser für die Störungen. Schröder: „Trifft ein Blitz auf die Leitung, wird er als Fremdkörper wahrgenommen und die Spannung wird ausgesetzt. “.

Für den Landkreis Uelzen bedeutete das eine Zwangspause von 9.30 bis 11.10 Uhr. Schweigende Fernseher und Radios waren das geringste Problem. In den meisten Geschäften stand der Betrieb still – denn der Kassenbereich läuft inzwischen fast überall komplett elektronisch. Kunden und Verkäufer waren ratlos. Waren konnten nicht eingescannt werden, mit Strom betriebene Schiebetüren wurden mechanisch geöffnet. „Plötzlich ging das Licht aus“, berichtet Schuhverkäuferin Irina Bruch, die mit ihren Kolleginnen bei einem Kaffee auf den Strom wartete. „Erst dachten wir, das ist nur bei uns. Aber alle liefen hektisch auf die Straße, überall war es dunkel.“ Den Kaffee hatten die Damen übrigens bei einem freundlichen Nachbarn abgestaubt – aus der Thermoskanne, denn frisch kochen konnte gestern Vormittag erstmal niemand, genauso wie Bargeld abheben, tanken oder telefonieren. Ein Ausfall, der eher amüsierte: auch die Parkscheinautomaten rührten sich nicht. Der Uelzener Teehändler Jens Kaisen hatte ebenfalls gut Lachen. Denn bei ihm ist Handarbeit gefragt: mit seiner mechanischen Waage trotzte er dem Stromausfall. „Schade nur, dass ich mir kein Teewasser kochen kann. Vorhin hat schon jemand gefragt, ob ich mir das heiße Wurstwasser von gegenüber holen möchte, aber das lasse ich wohl besser“, scherzte er.

Während sich die meisten Uelzener gelassen mit der Situation abfanden und ruhig auf Besserung warteten, wurde Gianna Strahl von einem Eiscafé in der Innenstadt gegen 10 Uhr langsam nervös: „Wir haben kein Notfallaggregat. Das Eis wird im Kühlhaus auf minus 20 Grad gehalten. Beim Stromausfall kann es dort zwei bis drei Stunden aufgehoben werden. Danach können wir es nicht mehr servieren.“

Polizei und Feuerwehr meldeten trotz augefallener Ampelanlagen keine besonderen Einsätze. Bahnfahrer bekamen jedoch die Folgen des Gewitters zu spüren. Bereits am frühen morgen hatte der Blitz im Stellwerk in Deutsch Evern eingeschlagen. Erst gegen 9 Uhr wurde die Strecke zwischen Bienenbüttel und Uelzen von der Deutschen Bahn wieder für den Schienenverkehr frei gegeben. „Die Verzögerungen zogen sich aber noch etwas länger hin“, erklärte Metronom-Pressesprecher Hagen Grützmacher.

Von Wiebke Brütt

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