Landrat Dr. Heiko Blume findet deutliche Worte

Nach Razzien im Kreis Uelzen: „Bleiben Sie wachsam!“

Bei einer Razzia geparkte Polizeifahrzeuge. In der vorigen Woche waren Ermittler wieder gegen einen mutmaßlichen Rechtsextremisten in der Gemeinde Wriedel im Einsatz.
+
Bei einer Razzia geparkte Polizeifahrzeuge. In der vorigen Woche waren Ermittler wieder gegen einen mutmaßlichen Rechtsextremisten in der Gemeinde Wriedel im Einsatz.

Wriedel/Landkreis – Bei einer erneuten Razzia gegen Rechts ist einmal mehr der Landkreis Uelzen in den Fokus geraten. Warum werden die Ermittler immer wieder in unserer Region fündig?.

Wieder Wriedel, wieder eine Razzia gegen einen mutmaßlichen Rechtsextremen (AZ berichtete): Ende vergangener Woche gab es hier erneut einen polizeilichen Einsatz wegen extremistischer Umtriebe.

Katrin Gladitz, Sprecherin des Landeskriminalamts, hatte am Wochenende eine erste Einschätzung gegeben: „Aufgrund der Gesamtumstände wird derzeit bei einem Teil der Beschuldigten von einer rechtsgerichteten Gesinnung ausgegangen.“ Durchsucht worden waren zehn Objekte in drei Bundesländern. Hintergrund: Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Unter anderem in Wriedel. Dort waren bereits im Februar Haus und Grundstück eines mutmaßlichen Rechtsterroristen nach Waffen und anderem Beweismaterial durchsucht worden.

Uelzens Landrat Dr. Heiko Blume findet angesichts der Situation deutliche Worte: „Die im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland niedergelegte freiheitlich-demokratische Grundordnung ist das Fundament unserer pluralistischen Gesellschaft. Extremisten jeglicher Couleur – auch Rechtsextreme – wollen die Axt an diese Grundordnung legen. Ich appelliere an alle Demokratinnen und Demokraten im Landkreis Uelzen: Bleiben Sie wachsam. Wir lassen uns unsere Demokratie nicht kaputtmachen.“

Wilfried Manneke, Pastor im Ruhestand aus dem Nachbarkreis Celle, engagiert sich seit vielen Jahren gegen rechte Umtriebe. Und begibt sich auf die Suche nach Hintergründen: „Es gibt zwei Regionen in Niedersachsen, die in diesem Zusammenhang besonders auffallen: die Heide und der Harz.“ Es seien dünn besiedelte Räume, in denen Rechtsextreme sich bevorzugt niederließen: „In den Städten würde es sofort einen viel größeren Widerstand geben.“ Der 2009 gestorbene rechtsextreme Anwalt Jürgen Rieger habe beispielsweise in Herrmannsburg im Landkreis Celle 20 Jahre lang ein rechtes Schulungszentrum mit 300 Betten betrieben: „Erst waren es die Altnazis, jetzt sind es Neonazis“, hält Manneke fest. Schwerpunkte seien bislang Celle, Munster, Schneverdingen, und Tostedt gewesen. In der Region Gifhorn-Wolfsburg habe es einmal ein rechtes „Aktionsbündnis 38“ gegeben.

Mit Sorge betrachtet der Aktivist, der jüngst erst wieder in Eschede gegen Neonazis auf die Straße gegangen ist, eine weitere Entwicklung: Immer mehr Rechte ließen sich als „völkische Siedler“ in der Region nieder: „Es sollen allein im Landkreis Uelzen schon 100 Personen sein.“ Sie kauften alte Höfe günstig auf, gern auch in direkter Nähe zueinander: „Dann können sie ihre Idee besser umsetzen.“ Begonnen habe es in Mecklenburg-Vorpommern, jetzt sei es die Lüneburger Heide: „Diese dünn besiedelten Regionen eignen sich offenbar dafür.“ mm

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare