Abhören und durchsuchen: Uelzener Ermittler spricht über Arbeitsalltag

Zwischen Krimi und Kripo

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Millionenfach soll der US-Amerikanische Nachrichtendienst elektronische Daten ausgespäht haben. Undenkbar für die Uelzener Kriminalpolizei: Jede Überwachung, jede Durchsuchung, alles ist reglementiert. Narrenfreiheit gibt es bei den Ermittlern nicht.

Landkreis Uelzen . Millionenfach soll der US-Nachrichtendienst Handy- und Computerdaten ausgespäht und überwacht haben. Scheinbar auch das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel (AZ berichtete).

Dabei hatten die Geheimdienstmitarbeiter offenbar keine großen Hürden zu bewältigen. Ein Umstand, von dem die Ermittler der Uelzener Kripo nur träumen können. Was uns Krimiserien suggerieren, scheint fernab der Realität zu sein. Die Arbeit als Kriminalbeamter ist allerdings keineswegs ereignislos, wie Dieter Neugebauer, Leiter des Uelzener Fachbereichs für Diebstahl, Raub, Erpressung und Betäubungsmittel, zu berichten weiß. Wenn nötig, werden auch Telefonate abgehört und Wohnräume durchsucht.

Wie sieht der Alltag der Uelzener Kriminalermittler aus? „Unsere Arbeit ist unheimlich stark reglementiert“, sagt Neugebauer. Ein krasser Gegensatz also zu dem, was derzeit über die Machenschaften des US-Nachrichtendienstes zu erfahren ist.

Viele Maßnahmen der Uelzener Ermittler, wie beispielsweise das vermeintlich simple Herausfinden von Handy-Verbindungsdaten, müssen erst richterlich abgesegnet werden. Und auch bei einer Genehmigung dürfen die Ermittler die Verhältnismäßigkeit ihrer Mittel nicht einfach außer Acht lassen. Ein Beispiel: Die Verbindungsdaten von zusammen etwa 120 gestohlener Mobilfunktelefone im Kreis Uelzen auszuspähen, wäre theoretisch möglich gewesen, hätte den Steuerzahler aber viele zehntausend Euro gekostet und die Aussicht auf Erfolg war nicht gewährleistet. „Auch so etwas müssen wir abwägen“, berichtet Kriminalhauptkommissar Neugebauer.

Eine Wohnung zu betreten, ohne einen entsprechenden Durchsuchungsbeschluss, ist ebenfalls mit Risiken verbunden. „Bei Gefahr im Verzug ist das vertretbar“, so Neugebauer, „aber auf jeden Fall die Ausnahme.“ Denn Beweisstücke, die durch ein widerrechtliches Betreten von Wohnung oder Wohnhaus gefunden werden, hätten vor Gericht für gewöhnlich keine Beweiskraft. „Kein geschulter Polizist würde das machen“, ist sich Neugebauer sicher.

Komplette Telefonate abhören, dazu waren die Uelzener Ermittler schon gezwungen. „Das kommt aber nur bei extrem schweren Straftaten vor“, sagt der Fachbereichsleiter. Das entsprechende Klientel wüsste jedoch standesgemäß, sich „sehr diszipliniert am Telefon auszudrücken“. Durch eine Telefonüberwachung verwertbare Beweise zu erhalten, ist also nicht garantiert.

Wenn Krimiserien, vorzugsweise aus den USA, dem Zuschauer vorgaukeln, die Ermittler kämen binnen Sekunden an persönliche, ja geheime Daten heran, „so bildet das garantiert nicht unseren Berufsalltag ab“, betont Neugebauer. „Unser Krimi besteht darin, Papier zu füllen“, so der Fachbereichsleiter. Von der ersten Vernehmung bis zur Weiterleitung der Akte an die Staatsanwaltschaft: „Unseren Arbeitsalltag zu verfilmen, wäre wahrscheinlich ein relativ langweiliger Krimi. Und doch liebe ich meinen Beruf.“

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