„Mit einem Feuer ist immer zu rechnen“

Nach Notre-Dame-Feuer: Experten glauben, dass solch ein Großbrand auch Kirchen in Uelzen treffen könnte

+
Lichterloh brennt der 96 Meter hohe Turm von Notre-Dame am Montagabend in Paris. Wenige Minuten später stürzt er ein, die Kathedrale kann gerettet werden.

Uelzen – Die Welt hält den Atem an, als das Pariser Wahrzeichen Notre-Dame am Montagabend in Flammen aufgeht. Experten glauben, dass so ein Großbrand auch Kirchen in Uelzen treffen könnte.

Die älteren Uelzener hatten bei den Bildern, die am Montagabend in den Nachrichten live aus Paris gesendet wurden, vielleicht das Jahr 1945 im Kopf. Damals brannte die Turmspitze von St. Marien nach einem Bombenangriff komplett ab.

Ein solches Flammen-Inferno kann auch heute Uelzens Gotteshäuser treffen: „Die große Gefahr sind die Dachstühle“, erklärt Lüneburgs Stadtarchäologe Professor Dr. Edgar Ring, dem Uelzens Kirchen bestens vertraut sind. „Die sind auch heute noch komplett aus Holz.“

Nach jetzigem Ermittlungsstand könnten Renovierungsarbeiten im Dachstuhl das Feuer in Notre-Dame ausgelöst haben. Das Dach von St. Marien besteht aus Eichenholz. „Es hat einen hohen Widerstandswert“, weiß Ring. Doch je älter und trockener das Holz, desto größer sei die Gefahr, dass sich unter dem Kirchendach ein Feuer entzündet. Und: „Wenn ein paar Jahrzehnte nichts passiert, ist das Glück“, weiß Uelzens Kreisbrandmeister Helmut Rüger. „Mit einem Feuer ist immer zu rechnen.“

Zwar würden Handwerker in den Kirchen genau darauf achten, dass beim Schweißen keine glühenden Funken zurückbleiben und nichts unbemerkt vor sich hin kokelt. Doch: „Das Hauptproblem ist die Fahrlässigkeit“, sagt Ring. Ein Funke im Staub, eine Glasscherbe, die von der Sonne erhitzt wird – das kann unter Umständen ein großes Feuer auslösen.

Auch der Kirchturm von St. Marien fiel 1945 schon einmal den Flammen zum Opfer.

Brennt der Dachstuhl erst einmal, sind die Möglichkeiten der Feuerwehr begrenzt. St. Mariens Kirchturm ist 86 Meter hoch. „Unsere längste Drehleiter ist 30 Meter lang“, berichtet der stellvertretende Stadtbrandmeister Reiner Seidel. „Wenn der Kirchturm wirklich brennt, können wir nicht viel machen. Es wäre zu gefährlich, da Leute reinzuschicken.“ Man wisse nie, wann der Turm einstürzt und in welche Richtung. Aufgabe der Feuerwehr sei es dann, die Umgebung abzusichern. „Natürlich würden wir alles dafür geben, so viel wie möglich zu retten.“

Löschflugzeuge, wie sie beim Nordzucker-Brand 2014 zum Einsatz kamen, seien bei Kirchen aber keine Option: „Wenn zweieinhalb Tonnen Wasser auf die alten Gemäuer treffen, macht das mehr kaputt, als dass es nützt“, sagt Seidel. Im schlimmsten Fall müsste dann im Nachhinein die ganze Kirche abgerissen werden.

Elektrische Sicherheitstüren sind Teil des Brandschutzkonzepts in Uelzens St. Marien. 

Im Zuge der Sanierung und Ausstattung mit neuer Elektrik hat St. Marien eine Brandmeldeanlage bekommen. „Die Brandschutzmaßnahmen sind auf dem neuesten Stand“, sagt der Küster Thomas Sorge, der selbst schon erlebt hat, wie sich Kerzen selbst wieder entzündet haben. Sollte es während einer Veranstaltung brennen, sei das Personal in der Kirche darin geschult, die Besucher jederzeit sicher über die Fluchtwege nach draußen zu bringen.

VON SANDRA HACKENBERG

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare