Der Weg nach der Klospülung

Ehe es mit einem Schneckenpumpwerk zu Verarbeitung sechs Meter hoch gehoben wird, kommt hier das Abwasser an – 345 Kilometer Kanalnetz im Stadtgebiet laufen hier schließlich zusammen. Fotos: Kaiser

Uelzen. Der kleine Lukas, sechs Jahre alt, bringt es auf den Punkt, als er gefragt wird, warum er mit seiner Schwester Laura und Papa Peter Haskey am Sonnabend auf das Gelände der Kläranlage gekommen sei: „Ich will wissen, wohin meine Kacke kommt!“.

Das ist so drastisch wie wahr. Nach dem etwa einstündigen Rundgang sollte auch der pfiffige Junge, der im August in die Schule kommt, deren Weg verstanden haben können, nachdem er an der Toilettenspülung gezogen hat.

„Es war ein Wunsch aus der Mitarbeiterschaft heraus den Leuten zu zeigen, was wir machen und können“, sagt der technische Werksleiter Dietmar Kahrs, nach dem Anliegen des wirklich allerersten Tages der offenen Tür befragt. Zwar gäbe es seit fünf Jahren angemeldete Führungen für Schulen und Vereine, für die Bürger blieb das Tor jedoch verschlossen. „Wir wollen erklären, was der Einwohner für seine Abwassergebühren bekommt“, so Kahrs weiter, „und was wir für den Umweltschutz tun.“

Die 28 Mitarbeiter der Kläranlage, von denen 14 eigentlich im Uelzener Rathaus sitzen, hatten von Beginn an zu tun, denn der Tag der geöffneten Pforten stieß auf das Interesse der Besucher.

Die Motivation, sich auf den Weg zu machen, war übrigens bei allen dieselbe wie bei Lukas; nur in der Wortwahl entsprechend modifizierter!

Täglich klärt die Anlage zehn- bis zwölftausend Kubikmeter Abwasser, bereitet es mechanisch und biologisch auf, behandelt den angeschwemmten Schlamm, erzeugt Energie aus dem entstehenden Klärgas. Daneben betreuen die Angestellten 345 Kilometer Kanalnetz im Stadtgebiet, das ist eine Luftstreckenlinie von Uelzen bis Frankfurt/Main, und 46 Pumpwerke.

„Wir sind gespannt, was die Leute wissen wollen“, freut sich Kahrs auf den Tag. Vielleicht haben sie auch nach den skurrilsten Episoden gefragt, die sich hier zutragen?

Beispielsweise, wenn jemand anruft und fragt, ob der in die Toilette gefallene Ehering in der Kläranlage wiederzufinden sei. Bei den Dimensionen kann das als unwahrscheinlich gelten. Also: Obacht, ehe der Spülknopf gedrückt wird!

Von Barbara Kaiser

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