Uelzener Tierheim nimmt schon keine streunenden Katzen mehr auf

Ruf nach Kastrationsgebot

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Wilde Katzen sorgen nicht nur in Bad Bodenteich für Ärger und Aufregung. Im gesamten Landkreis Uelzen streunen Tiere umher.

no Uelzen/Landkreis. Das Tierheim in Uelzen nimmt keine streunenden Katzen mehr auf. Der Grund: Platzmangel. In Bad Bodenteich gibt es eine hohe Zahl an wild lebenden Katzen, die regelmäßig gefüttert werden.

Und die Tiere vermehren sich unkontrolliert. So wird der Ruf nach einem Kastrationsgebot laut. Es gibt in Deutschland bereits Städte, die dieses Gebot ausgesprochen haben. Die Samtgemeinden im Landkreis Uelzen werden sich künftig auch mit dem Thema beschäftigen müssen. In Bodenteich wird schon nach Lösungen gesucht.

Unverantwortlich und egoistisch

Ines Bräutigam

Wer sich nur ein Mal die elenden kleinen Kreaturen angesehen hat, die dabei herauskommen, wenn Felix sich über Jahre hinweg hemmungslos mit Mieze vergnügt, der kann gar nicht gegen die Kastration von Stubentigern sein: Verklebte Augen, triefende Nasen, wenn es ganz übel läuft gar körperlich entstellte Katzenkinder, die sich durch ein erbärmliches Leben schlagen müssen. Weil sie sich immer wieder gegenseitig mit Viren anstecken oder unkontrolliert Inzucht betreiben. Schön, abends einen Schmusetiger auf dem Schoß zu haben – keine Frage. Nur wer den Freigänger nicht kastriert, ist verantwortungslos und egoistisch. Denn sind die Katzen draußen rollig, wird aus dem Schmusetiger ein gnadenloser Gigolo, der bis zum Umfallen die vierbeinigen Damen beglückt. Eine Katze kann pro Jahr bis zu drei oder vier Mal Junge bekommen. Die Tierschutzvereine können ein trauriges Lied davon singen, die Katzenhäuser sind zum Bersten gefüllt mit Samtpfoten, die „über“ sind. Es sind die Tiere, die zur viel zitierten „Plage“ geworden sind, die herum streunen und das Bild „ordentlicher“ Orte stören. Kater Felix kann nicht anders. Er folgt nur seinem Trieb. Er ist und bleibt eben ein Tier. Ein Tier, das aber der Mensch domestiziert hat. Und deswegen ist es des Menschen Pflicht und Schuldigkeit, dafür zu sorgen, dass weder Mensch noch Tier durch die ungezügelte Vermehrung beeinträchtigt werden. Wenn das Kastrieren von Kater und Katze offensichtlich schon keine Selbstverständlichkeit ist, dann muss es eben zur Pflicht werden. Und ist der einzelne Mensch – verwerflich genug – seiner Verantwortung nicht nachgekommen, dann muss eben eine Kommune tätig werden, wenn sich bei ihr die herrenlosen Katzen vermehren. So traurig und so teuer es sein mag. Von Ines Bräutigam

Gegen die Natur

Sven Kamin

Gegen eine Kastration von streunenden Katzen, kann man gar keine Argumente haben. Sie ist so alternativlos, wie die Lagerung von Atommüll in Gorleben oder die geplante Verpressung von Co2 im Boden. Weil wir, der Mensch, wieder einmal der Probleme nicht Herr werden, die wir, und hier liegt der Hase oder in diesem Fall die Katze im Pfeffer, selbst verursacht haben. Wenn wir zuviel Atommüll haben, muss er verbuddelt werden, wenn wir zuviel CO2 produzieren wird es verpresst und wenn es zu viele Katzen gibt, dann werden sie halt kastriert. So einfach geht das. Applaus! Auf diese Weise werden aber Probleme nicht gelöst, sondern nur die Symptome bekämpft. Denn leider ist es offenbar im Selbstbild des Menschen so angelegt, dass er glaubt, die Natur im Griff haben zu müssen. Der Mensch integriert sich nicht in die Natur – er macht sie sich Untertan. Er macht Tiere zu Haus- und Nutztieren und entfremdet sie so ihrer Natur als Wildtiere, die selbst auf sich Acht geben können. Er selbst will entscheiden, was gut für die Tiere ist und was nicht. Aber wird der Mensch als regelnde Instanz in der Natur überhaupt benötigt? Wenn wir ehrlich sind: Nein. Auch wenn es für viele Haustierliebhaber grausam erscheint: Die Natur regelt solche Dinge ganz alleine. Ganz natürlich. Ohne den Menschen. Die Natur allein würde es spielend schaffen, dort ein natürliches Gleichgewicht herzustellen, wo der Mensch versucht durch seine Eingriffe in Tierpopulationen ein künstliches ihm genehmes Ungleichgewicht zu halten. Denn: So lange die streunenden Katzen genug Futter und Lebensraum finden, wird die Population weiterwachsen – ganz gleich ob dies dem Menschen nun gefällt oder nicht. Letzteres wäre der Natur natürlich herzlich egal. Denn der Mensch braucht die Natur, aber die Natur den Menschen nicht. Von Sven Kamin

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