Junge Männer aus aller Herren Ländern leben nun in Uelzen – ihre Tage sind lang / CJD will helfen

Nach der Flucht herrscht Tristesse

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Die Tage für junge männliche Flüchtlinge können lang sein. Ihnen fehlt noch der Anschluss, die Sprache ist noch eine Hürde und zum Teil wissen sie auch noch nicht, ob sie Asyl oder ein Bleiberecht erhalten.

Uelzen. Ein Tag kann lang sein, wenn einem die Aufgaben fehlen: Spazieren gehen, durchs Internet surfen, einkaufen. Hauptsache beschäftigt sein.

Annika Quednau berichtet von Flüchtlingen, die sich beispielsweise bewusst an Supermarktkassen unbeholfen anstellen, nur damit sie mit den anderen Kunden ins Reden kommen. Jedes Gespräch sei willkommene Abwechslung, so die Leiterin des Jugendmigrationsdienstes des Christlichen Jugenddorf Werkes (CJD) an der Luisenstraße in Uelzen. Quednau betreut über die Organisation junge Flüchtlinge in Uelzen, von denen es viele gebe, und sie weiß: Ihnen ist langweilig, weil ihnen noch der Anschluss fehlt. Der Jugendmigrationsdienst will mit zusätzlichen Angeboten vor allem männliche Flüchtlinge im Alter von 18 bis 25 Jahren beschäftigen.

Rückblick: Herbst 2015. Seinerzeit sind nach einem Notruf des Landes Flüchtlinge in Uelzener Turnhallen untergebracht. Während in der Halle des Lessing-Gymnasiums vorwiegend Familien gut drei Monate zubringen, leben in der Pestalozzi-Halle vor allem junge Männer. Mehr als 80 werden gezählt. Sie blieben im Landkreis, wurden in Wohngemeinschaften in der Stadt und den Gemeinden untergebracht. Quednau weiß von vielen Fällen, in denen das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bislang keine Interviewtermine verschickte. Das ist die Voraussetzung für ein Asylverfahren oder ein Bleiberecht und damit auch die Möglichkeit zur Arbeitsaufnahme. Manche leben direkt in Uelzen, andere in Tätendorf-Eppensen oder Westerweyhe. Mit Rädern machen sie sich auf den Weg nach Uelzen, stehen oft spontan vor der Tür des Jugendmigrationsdienstes, erzählt Quednau. „Wir suchen dann Sportvereine, die für sie in Frage kommen.“ Gemeinsam würden auch Ausflüge unternommen. „Bei jedem Vorschlag sind sie gleich Feuer und Flamme.“

Der Jugendmigrationsdienst hatte in der Vergangenheit vor allem Angebote etabliert, die für weibliche Migranten zugeschnitten waren. „Weil Frauen mit Migrationshintergrund häufig isoliert waren.“ Jetzt erlebten die Mitarbeiter des CJD auch häufig männliche Flüchtlinge, für die dies zutreffe. „Sie kommen ins Grübeln.“ Und Traumata würden bei Kriegsflüchtlingen wieder aufbrechen. „Das Beste dagegen ist Beschäftigung“, so Quednau.

Ein Startschuss für mehr Angebote für junge Flüchtlinge soll am kommenden Montag fallen. In Zusammenarbeit mit der Ostfalia Hochschule wollen Studenten des Campus Suderburg mit Flüchtlingen ein Foto-Projekt starten. 25 Flüchtlinge werden 25 Stunden Uelzen durch die Objektive von Kameras in den Blick nehmen. Wie sehen die neuen Bewohner die Stadt Uelzen? Was ist ihnen wichtig? Was ist für sie fremd? Die Flüchtlinge halten es fest. „Aus den Bildern soll eine Ausstellung werden“, kündigt Annika Quednau an.

Nach dem Fotoprojekt sei dann geplant, eine Männergruppe für junge Flüchtlinge aufzubauen. Zu unterschiedlichen Themen würden Termine angeboten.

Von Norman Reuter

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