Von Woche zu Woche

Nach dem Ausbau-Pfusch: Bahn-Manager ab in den Zug

Eigentlich hätte man es wissen müssen. Dass die Bahn oft später kommt, ist ja nichts Neues. Was die Chefs aber in dieser Woche verkündeten, darf getrost als Skandal bezeichnet werden.

16 Bahnübergänge zwischen Uelzen und Stendal sind falsch gebaut worden, und das bringt den zweigleisigen Ausbau der ganzen Amerikalinie über Jahre in Verzug. Wer hat da geschlafen? Wer wird dafür zur Verantwortung gezogen? Laut Bauplan sollten die Bahnübergänge zum Teil breitere Fahrbahnen haben und die Schranken die komplette Fahrbahn abdecken. Beides wurde bei den 16 Bahnübergängen nicht umgesetzt. Und das verkünden die Bahn-Manager so ganz lapidar.

Das Beste wäre, wenn die Bahn-Manager mal selbst von Uelzen durch die Altmark in Richtung Berlin mit ihrer Bahn fahren. Dann wüssten sie, wie frustrierend es ist, ständig auf Schienenersatzverkehr angewiesen zu sein, weil die Gleisbauarbeiten das nötig machen. Spätenstens, wenn die Bahn-Manager irgendwo zwischen Salzwedel und Stendal einige Stunden in Hohenwulsch zugebracht und den Anschlusszug verpasst haben, könnten sie die Reisenden verstehen und wären frustriert über ihr eigenes Unternehmen. Aber vielleicht würden solche Pannen dann nicht mehr passieren.

Den Bahnreisenden wird jetzt der Kragen platzen. Denn klar ist doch, dass die Arbeiten an den 16 Bahnübergängen wieder Schienenersatzverkehr und Verspätungen zur Folge haben werden – vermutlich über Jahre.

Und wenn die Bahn-Manager diese Strecke einmal testen, dann wäre es gut, wenn sie in in halber Strecke in Stendal einsteigen, und zwar mit einem Rollstuhl. Dann stehen sie nämlich an den Treppen vor einem unüberwindbaren Hindernis und wüssten, wie sich Gehbehinderte fühlen.

Jahrelang hat die Bahn in diesem Bahnhof umgebaut, einer Station, in der im Zuge der Schnellstrecke Berlin-Hannover immerhin ICE- und IC-Züge halten. Doch der behindertengerechte Ausbau, so heißt es kurz und knapp in dieser Woche, wird sich weiter verzögern. 2018, vielleicht aber auch erst 2020, werden Gehandicapte die Gleise barrierefrei erreichen können, sollen Aufzüge gebaut und die Bahnsteige auf 55 Zentimeter angehoben worden sein.

Zu schade, dass die Deutsche Bahn in dieser Gegend keine Konkurrenz hat. Ihre Manager fahren dicke Autos. Sie sollten mal Bahn fahren. Von Stendal nach Uelzen – zwei Jahre lang.

Von Ulrike Meineke

Rubriklistenbild: © Lüdemann

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