Vor 10 Tagen als JVA-Beamter entlassen – seine Staatsbürgerschaft wurde nach 14 Jahren annuliert

Oguz K. darf wieder in der JVA arbeiten

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Am 1. Juni tritt Oguz K. seinen Dienst in der JVA Uelzen wieder an – vor 10 Tagen war er entlassen worden.

Uelzen. „Am Montag bekomme ich meine Dienstkleidung zurück und darf wieder meinen Job machen.“ Oguz K. kann sein Glück noch gar nicht fassen.

Zwar bezeichnet sich der Uelzener weiter als „staatenlos“, weil er weder einen deutschen noch einen türkischen Pass besitzt, doch das Land Niedersachsen stellt ihn zum 1. Juni wieder in der Justizvollzugsanstalt Uelzen ein – ein in Deutschland wohl einmaliger Vorgang.

Rückblende: Dienstag vergangener Woche hatte JVA-Leiterin Sabine Hamann dem 33-jährigen Beamten die Entlassungsurkunde aushändigen müssen, weil der Landkreis Uelzen zuvor rückwirkend die deutsche Staatsbürgerschaft annulliert hatte. K., als Sohn türkischer Eltern in Deutschland geboren, hatte zwar beim Erlangen der Volljährigkeit die türkische Staatsbürgerschaft abgelegt und im August 2001 die deutsche angenommen, wird aber im Standesamt der türkischen Geburtsstadt seines Vaters aus ungeklärten Gründen als Türke geführt. Er darf aber keine doppelte Staatsbürgerschaft haben. Der Landkreis Uelzen hatte den Auszug aus dem Personenregister vergangenes Jahr im Rahmen des Visa-Verfahrens für K.s türkische Ehefrau angefordert.

Vergangene Woche noch stand der 33-Jährige, der in Deutschland den Realschulabschluss geschafft und in der JVA seine Ausbildung als Vollzugsbeamter absolviert hatte, vor den Trümmern seiner Existenz. In dieser Woche händigte der Landkreis ihm eine vorläufige Aufenthaltserlaubnis aus, in der auch die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit gestattet wird. Damit marschierte Oguz K. jetzt zu seinem Arbeitgeber, der JVA Uelzen – und wurde dort mit offenen Armen empfangen. „Die Kollegen haben mitgefiebert, dass die Angelegenheit gut ausgeht. Alle standen auf seiner Seite“, schildert Anstaltsleiterin Sabine Hamann. Da K. derzeit laut Landkreis türkischer Staatsbürger ist, darf er zunächst nur als Angestellter tätig sein. „Ziel ist aber die Wiederbeschäftigung als Beamter“, betont Hamann.

Dazu aber muss Oguz K. wieder Deutscher werden. „Ich bin jetzt also türkischer Staatsbürger ohne entsprechenden Pass, das ist schon skurril“, sagt er zur AZ. Beim türkischen Generalkonsulat in Hamburg muss er jetzt ein Ausweisdokument beantragen, mit diesem dann die türkische Staatsbürgerschaft nochmals ablegen und dann die deutsche wieder annehmen.

Der Landkreis hat ihm bereits signalisiert, die Einbürgerung zu genehmigen. „Alles hängt jetzt davon, ob die türkischen Behörden mitspielen“, weiß Oguz K.

Er ist froh, wieder Arbeit zu haben: „Finanziell musste ich jetzt letztlich nur zwei Wochen überbrücken, das geht schon“, sagt er. Und auch Uelzens JVA-Leiterin ist erleichtert, „dieser Schritt ist eine gute Zwischenlösung“, sagt sie.

Und auch für die Wiederaufnahme ins Beamtenverhältnis sehen JVA und Niedersächsisches Justizministerium eine Möglichkeit. Zwar ist mit der Annullierung der Staatsbürgerschaft eigentlich auch die Ausbildung erloschen, laut Ministerium könne man aber den Landespersonalausschuss anrufen, „um die Laufbahnbewerbung als sogenannter anderer Bewerber feststellen zu lassen“, erklärt ein Sprecher. Für Oguz K. wäre das ein unverhofftes Happy-End.

Von Thomas Mitzlaff

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