Von Woche zu Woche

Millionen-Frage mit verschränkten Armen

Der Finanzbedarf der Stadtwerke Uelzen für dieses Jahr ist voraussichtlich nicht gedeckt. Doch die Verantwortlichen scheinen sich mit verschränkten Armen zurückzulehnen. So baut der örtliche Energieversorger seine Investitionspläne auf Einnahmen aus einem Landwirtschaftsprojekt der Sustainable Bio Energy Holding GmbH (SBE) in der Ukraine auf, das bislang als Minus-Geschäft galt.

Da die Rückzahlungen aus dem Geschäft wohl 2013 nicht fließen werden, erwartet sie ein Defizit von mehr als 1,1 Millionen Euro. Wenn die AZ nachhakt, läuft sie gegen eine Mauer: Fragen nach Rückzahlungen aus Darlehenszinsen von der SBE werden abgetan mit Sätzen wie „Vertraglich bestehen diese Ansprüche“.

Diane Baatani

Da fällt auf, dass der Aufsichtsratsvorsitzende, Bürgermeister Otto Lukat, im selben Wortlaut antwortet wie die Stadtwerke – im Klartext: Fragen an Lukat werden offenbar von den Stadtwerken selbst beantwortet. Doch der Aufsichtsrat ist ein Kontrollgremium, von dem die Öffentlichkeit eine Einschätzung erwarten darf. Er muss über Bilanzen und Pläne informiert sein und die Gesellschafterin, die Stadt Uelzen, muss mit Steuergeldern sorgsam umgehen. Kann die Stadt weiterhin mit Ausschüttungen von über 495.000 Euro der Stadtwerke rechnen, die sie wegen der erhofften Entschuldungshilfe vom Land Niedersachsen einnehmen muss? Wie können weitere Projekte wie die Beteiligung am Windpark vor Borkum mit 567 000 Euro finanziert werden? Mit welchem Geld wollen die Stadtwerke – so ist es geplant – in diesem Jahr Mittelspannungsleitungen für voraussichtlich zwei Millionen Euro erwerben?

Bezüglich der erwarteten SBE-Rückzahlungen heißt es: „Die Durchsetzung hängt vom Geschäftsverlauf der SBE ab.“ Und zu den Erwartungen für das Ukraine-Geschäft 2013 „verweisen wir auf die Geschäftsführung der SBE“. Nach Rücksprache mit der SBE ist jedoch deutlich: Deren Geschäftsführer Johannes van Bergen hat offensichtlich ganz andere Vorstellungen als die Uelzener. Er will weiter investieren. In den nächsten Wochen müssen also in Uelzen Zahlen auf den Tisch und Entscheidungen fallen. Mit verschränkten Armen funktioniert das sicherlich nicht.

diane.baatani@az-online.de

Rubriklistenbild: © Philipp Schulze / phs-foto.de

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