Der Sänger vom Eurovision Song Contest in Istanbul 2004 in der Uelzener Jabelmannhalle

Max Mutzke 2016: Lauter und frecher

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Max Mutzke, bekannt vom Eurovision Song Contest 2004, jetzt aber lauter und frecher.

Uelzen. Istanbul, Mai 2004: Ein schwarz gekleideter Mann sitzt auf einem Hocker. Die Augen geschlossen, das Mikrofon fest umklammert, singt er zum sanften Gitarrenspiel für Deutschland beim Eurovision Song Contest.

Am Freitagabend in Uelzen: Derselbe Mann springt auf die Bühne der Jabelmannhalle, greift zum Mikro, blickt offenen Auges in die jubelnde Menge und heizt sie an, genau dies den ganzen Abend zu tun: Max Mutzke ist vernehmbar lauter geworden, frecher, vielleicht auch vielseitiger – aber nicht weniger authentisch als damals.

„Die ganze Stadt ist angesteckt”, schmettert Mutzke beim Titel „Unsere Nacht”, seinem musikalischen Appell für ein buntes Deutschland. „Grenzenlos muss unsere Liebe sein – auch in Uelzen!” Der Beweis tanzt zwischen den Stuhlreihen, erscheint als johlendes Echo, wie von Mutzke und seiner Band „monoPunk” ausdrücklich erwünscht. Und es verstummt erst dann wieder vollständig, als die fünf Männer im Rampenlicht der Jabelmannhalle ihre emotionale Achterbahnfahrt in gefühlvolleren Genres fortsetzen.

Max Mutzke scheut den Kontrast genauso wenig wie die sensiblen Themen dieser Welt. In seinen Songs verarbeitet er unter anderem den Tod seiner Mutter und ihren Leidensweg. Mit seiner sanften Stimme haucht der Mann mit der Schiebermütze sein privates Innerstes in die Halle, wo man ihm in diesen intimen Augenblicken nun mit einem Mal beklommen lauscht.

Genauso unbeständig wie das Leben ist auch Mutzkes Programm: Mal singt er auf Englisch, dann wieder auf Deutsch, er paart gefühlvollen Soul mit Pop und Jazz, stürzt sich in ein amüsantes Zwiegespräch mit dem Keyboard und greift auch mal selbst zur Rassel.

Bei seinem „unfassbar sexy Song“ (Mutzke) „Schwarz auf Weiß“, landet diese jedoch mit einem Wurf in der Ecke, weil er die Hände hier zum Klatschen braucht – eine Geste, die in seiner Einführung zum Titel „Laut“ vielleicht eine Erklärung findet: Es geht um Regeln, genauer um solche, die man auch mal ignorieren dürfe, „weil wir dann einfach noch viel lustiger und bunter leben als ohnehin schon“.

Und getreu diesem Statement ignoriert das Publikum schließlich auch das Ende der Veranstaltung. „Jetzt sind wir seit über zwei Stunden auf der Bühne, und ihr tut so, als hättet ihr noch nichts gehört“, protestiert Mutzke angesichts des nicht enden wollenden Applauses. Seine Zugabe entführt zurück nach Istanbul, ins Jahr 2004, als ein unscheinbarer Mann auf der Bühne saß und mit geschlossenen Augen sang.

Genau denselben Song (Can’t Wait Until Tonight) gibt jetzt es auch in Uelzen zu hören, nur eben lauter, frecher – anders.

Von Anna Petersen

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