Ideen für Kirche der Zukunft: Theologiestudenten tagen in Woltersburger Mühle

Mutig und ohne Tabus

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Ein Gotteshaus in bunten Farben: So wie auf diesem Graffito stellen sich die Theologiestudenten aus der Landeskirche Hannover die Kirche von morgen vor. Die jungen Leute trafen sich jetzt zu einer viertägigen Tagung in der Woltersburger Mühle.

Uelzen. Die Kirche der Zukunft hat goldene Türme und Mauern und steht vor einem Hintergrund aus Regenbogenfarben. So jedenfalls gestalteten Theologiestudenten gestern in der Woltersburger Mühle ein Graffito – mit Farben aus Spraydosen auf einem Leinentuch.

Es war der Abschluss der viertägigen Frühjahrstagung der Landeskirche Hannover, die den Titel „Pimp my church“ trug. Dabei sammelten 21 Theologiestudenten Ideen, wie die Kirche der Zukunft aussehen könnte.

„Die Atmosphäre war ermutigend, es konnte über viele Ängste und Sorgen geredet werden“, sagt Kristina Hagen, die die Tagung mit Geeske Brinkmann und Sarah-Magdalena Kingreen organisiert hatte. Welche Perspektiven die Kirche hat, dazu machten die drei Studentinnen aus Berlin konkrete Vorschläge. Sie präsentierten ein „Manifest mutiger Vermittlung“, in dem Kirche als Ort der Kommunikationsstiftung bezeichnet wird.

„Wir möchten die Welt gestalten und in ihr unseren Glauben vermitteln – mit all unseren verrückten Ideen, unseren Befürchtungen und unter allen bestehenden Herausforderungen. Dazu braucht es Mut“, heißt es in dem Manifest. So dürfe es in der Kirche keine Tabuthemen geben. Es müsse offen diskutiert werden – etwa über Sexualität, Prostitution oder den US-Geheimdienst NSA.

Eine weitere Idee für die Kirche der Zukunft ist ein „Think-Tank“ – eine Plattform für den Austausch junger Menschen aus theologischer Praxis und Wissenschaft. Wie wird Kirche in der Gesellschaft wahrgenommen? Diese Frage könnte dabei erörtert werden.

Die Vorschläge stießen bei den Teilnehmern auf ein unterschiedliches Echo. Eine Gruppe plädierte dafür, die Kirchenstrukturen stark zu verändern, eine andere sprach sich dafür aus, bestehende Gestaltungsmöglichkeiten zu nutzen. „Genau das macht protestantische Kirche aus – sie ist sehr vielfältig“, begrüßt Kristina Hagen das breite Meinungsspektrum.

Einer der Höhepunkte der Tagung war das Gespräch mit Landesbischof Ralf Meister. Auch eine Podiumsdiskussion mit Pastoren, einem Diakon und der Superintendentin des Kirchenkreises Wolfsburg-Wittingen, Hanna Löhmannsröben, stieß auf großes Interesse.

Und wie kam die Tagung bei den Studenten an? „Ich fand sie total aufregend und interessant. Ich kehre mit vielen neuen Impulsen und der Lust zurück, das in die Landeskirche weiterzutragen“, erklärt Eva Kingreen, Studentin aus Göttingen. Dem pflichtet ihre Kommilitonin Josefine Feisthauer bei. „Wir dürfen keine Angst haben, Strukturen in der Kirche zu verändern. Es wird einen gewaltigen Wandel geben. Wir sollten ihn als Chance begreifen, etwas Neues zu entwickeln“, meint sie.

Von Bernd Schossadowski

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