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Muslime auf einem Dorffriedhof – ein Kommentar

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Es ist eine Meldung, die aufhorchen lässt und auch irritiert. Die Stadt Uelzen will ein muslimisches Gräberfeld einrichten, und zwar nicht in der Kernstadt, sondern im größten Ortsteil, in Westerweyhe.

Thomas Mitzlaff

Vergangene Woche stand das Thema auf der Tagesordnung des Ortsrates und sollte durchgewunken werden. Doch dann stellten die Verantwortlichen schnell fest, dass es durchaus noch Gesprächsbedarf bei den Bürgern gibt – wen wundert es. Denn ein solcher Vorschlag wirft viele Fragen auf und so ein Projekt, das auch mit Unsicherheiten behaftet ist, einfach im Schnelldurchlauf durchzupeitschen, wäre der größte Fehler, den man machen könnte. Deshalb wollen Bürgermeister und Verwaltung jetzt aufklären und haben zu einer Bürgerversammlung eingeladen. Und das ist auch gut so. Denn wenn man die Angelegenheit genauer hinterfragt, dann klingen manche Antworten zu einfach, scheint die Entscheidung für Westerweyhe doch etwas sehr glatt und pragmatisch – dabei geht es doch hier um eine ganz andere und vielen auch völlig fremde Glaubensrichtung.

Fakt ist: Die muslimische Gemeinde in Uelzen, die ihr Domizil mitten in der Stadt hat, hatte um eine Möglichkeit gebeten, Menschen ihres Glaubens in Uelzen beerdigen zu können. Bislang muss man dies in Gifhorn oder Lüneburg tun. Der Bedarf hat sich durch die zugewanderten Flüchtlinge noch erhöht.

Die Stadtpolitik hat beschlossen, diese Bitte zu erfüllen. Und die Verwaltung hatte sodann die Aufgabe, das Anliegen umzusetzen.

Westerweyhe sprang den Planern dabei förmlich ins Auge. Denn der dortige Friedhof sollte ohnehin umstrukturiert werden, während die Grabstätten in den anderen Ortsteilen und auch in Uelzen selbst nicht über genug Platz verfügen.

Und so sollen die Westerweyher zu einem muslimischen Gräberfeld kommen, nur weil sie ausreichend Kapazitäten haben. Die Stadt verkündete das und die Bürger waren irritiert. Denn reicht das wirklich als Kriterium? Und auch was da so in Nebensätzen durchschimmerte, sorgte zusätzlich für Verunsicherung. Muslime brauchen für die Zeremonie einen eigenen Friedhofseingang, hieß es da, und sie dürfen auf ihrem Weg zum Grab und zurück nicht mit christlichen Kreuzen konfrontiert werden. Und auf der Fläche darf noch nicht bestattet worden sein.

Für eine Dorfgemeinschaft, in der große Toleranz praktiziert wird, mussten solche Abschottungs-Bedingungen für Skepsis und auch Ablehnung sorgen. Und so steht der Bürgermeister jetzt vor der schwierigen Aufgabe, die Menschen in seinem Ort dennoch mitzunehmen und sie für diese Sache zu gewinnen.

Und die Verwaltung wird sich die Frage stellen lassen müssen, ob sie es sich nicht etwas einfach gemacht hat, auf der Stadtkarte einfach mit dem Finger zu suchen, wo genug Platz ist für so eine Grabstätte, die auch schnell ein Politikum werden kann.

Und deshalb darf es in der Diskussion, die eigentlich schon vor der Ratssitzung hätte ausführlicher geführt werden müssen, keine Tabus geben. Auch die Frage, ob Uelzen wirklich einen muslimischen Friedhof braucht, darf kein Tabu sein.

Von Thomas Mitzlaff

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