Liene Dobicina und Zane Jurevica beim Kuhlau-Wettbewerb

Musikerinnen aus Riga lieben Uelzen

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Liene Dobicina (r.) und Zane Jurevica am Kuhlau-Relief an der Kirche St. Marien in der Uelzener Innenstadt.

Uelzen. „Uuunglaublich“ (mit Betonung der zweiten Silbe): Die junge Lettin Liene Dobicina macht kein Hehl daraus, dass ihr Uelzen, der Geburtsort Friedrich Kuhlaus, gefällt: „I love Fachwerk“.

Nach Uelzen ist sie mit ihrer Landsfrau Zane Jurevica gekommen, weil die beiden sich bei dem alle zwei Jahre stattfindenden Kuhlau-Wettbewerb mit anderen, aus aller Welt kommenden Musikern messen möchten.

Für Zane ist es das zweite Mal, dass sie an dieser musikalischen Veranstaltung teilnimmt, daher ist ihr Uelzen ein wenig vertraut, obwohl sich in der Zwischenzeit doch einiges verändert hat. Zane, die aus dem 60 Kilometer südlich von Riga, an der Via Baltica liegenden Bauska stammt und jetzt, wie auch Liene, in Lettlands Hauptstadt Riga lebt, mag die ruhige Atmosphäre hier. Und die Geschichte Uelzens, die über die Hanse auch die Geschichte Rigas berührt.

Liene (gesprochen Li-enne) war noch nie in Uelzen, wohl aber in vielen anderen Städten, in denen sie studiert (unter anderen Maastricht), an Wettbewerben teilgenommen oder an Konzerten mitgewirkt hat. An dem diesjährigen Wettstreit beteiligen sich Zane und Liene mit dem Instrument, für das der 1786 in der Ilmenaustadt geborene Friedrich Kuhlau eine große Anzahl seiner Werke als königlicher Hofkompositeur in Kopenhagen geschrieben hat: mit der Flöte. Doch ohne Übung kein Meister – und so verbringen die beiden viel Zeit damit, Finger, Lippen und Körper geschmeidig zu halten, um ihren Instrumenten die richtigen Flötentöne zu entlocken. Besonders die „Kanonischen Etüden“ von Günter Bialas findet Liene „uuunglaublich“. Doch sie wollen es schaffen.

Zur Entspannung zwischen ihren stundenlangen Übungsphasen joggen Liene und Zane durch den Stadtwald, schlendern durch „this very nice city“, sitzen zum Plausch bei ihrer Guestfamily oder beim Kaffee an den Marktstraßen. Mit Riga sei Uelzen höchstens in der Altstadt zu vergleichen, auch dort gebe es noch einen relativ hohen Anteil an Fachwerk-, aber auch an Backsteinhäusern. Riga, die alte Hansestadt, bringt es mitsamt dem umliegenden Einzugsgebiet auf mehr als eine Million Einwohner und ist so die größte Stadt des Baltikums.

Von der Teilnahme am Kuhlau-Wettbewerb erhoffen sich Liene und Zane, auch wenn sie nicht als Sieger daraus hervorgehen sollten, eine Weiterentwicklung ihres Spiels. Zu sehen und zu hören, wie andere das Repertoire bewältigen, deren Stil zu verfolgen, sei interessant. Sie selber unterrichten in Riga an unterschiedlichen Musik-Schulen und sehen dieses Messen ihres Könnens mit dem der anderen als Herausforderung, als etwas, was sie weiterbringt.

„I like to do this effort“ sagt Liene, und Zane bekräftigt „It is a great expierence“. Dass sich dies Bemühen und das Sammeln an Erfahrung letztendlich in einer guten, womöglich der besten Jury-Bewertung niederschlagen wird, wäre schon sehr schön, sei aber nicht ausschlaggebend. „Man wächst mit jedem Wettbewerb, nichts ist vergebens, alles ist richtig und wichtig.“ Sie sind als Botschafter der Musik aus Riga nach Uelzen gekommen und werden – wie sie stets betonen – die guten Eindrücke aus Uelzen mitnehmen in ihre Heimat.

Von Folkert Frels

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