Auftritt im Neuen Schauspielhaus

Ein musikalischer Gast vom Feinsten: Daniel Malheur brilliert in Uelzen

Daniel Malheur legt die alten Schellackplatten behutsam auf. Er kämpft unterm Segeltuch mit der sengenden Hitze. Auch der Plattenspieler muckt.
+
Daniel Malheur legt die alten Schellackplatten behutsam auf. Er kämpft unterm Segeltuch mit der sengenden Hitze. Auch der Plattenspieler muckt.

Uelzen – Dinah war da, Lilly, Daisy und Veronika – Frauen, aus legendären Titeln der bekannten Comedian Harmonists. Unbeschwert bei Wochenend und Sonnenschein, mit Küssen, auf der kleinen Frühlingswiese bis hin zum „Irgendwo auf der Welt“.

Salontenor Daniel Malheur war musikalischer Gast vom Feinsten im Garten des Neuen Schauspielhaus Uelzen. Das Publikum ließ sich gerne unterhalten, summte Refrains mit, wippte und zeigte entspannte Gesichtszüge.

Die andere Seite war die Geschichte der Comedian Harmonists, die zwischen die Titel eingestreut war. Malheur hatte sorgsam Informationen ausgewählt, um die Chronologie der Entwicklung der populären Boygroup Ende der Zwanziger bis hinein Mitte der Dreißiger aufzuzeigen – ihren Bruch, den Einfluss des Nationalsozialismus, die Trennung, das Auseinanderdriften und die Schicksale.

Eine Hommage an das weltberühmte Gesangsensemble. Malheur schlüpfte – stilvoll mit Smoking, Fliege, Monokel – in die Rolle des zweiten Tenors, Erich Collin. Der Anfang war eine Suchanzeige im Berliner Tageblatt 1927. Im Januar 1929 war die erste Probe, der erste Auftritt noch unter dem Namen „Melodymakers“ ein Desaster.

Dann der große Durchbruch im Herbst 1929, in einer Revue neben Hans Albers und Marlene Dietrich. „Im Frühjahr 1930 unser Durchbruch in Leipzig. Wir wurden berühmt und berühmter. 1933 hatten wir unseren Höhepunkt mit 150 gespielten Abenden im Jahr“, so Collin/Malheur.

Damals sei es eine Protesthaltung gewesen, ins Konzert zu kommen. „Wir versuchten mit den Wölfen zu heulen, auch wir drei Juden.“ Doch es kam ein Verbot und 1935 hatten alle die Hoffnung verloren. Bittersüß wurde „Auf Wiedersehn my dear“ gesungen als letzte Zugabe in München – dann die Trennung.

Die jüdischen Sänger gingen nach Wien, emigrierten in die USA. Die anderen gründeten das „Meistersextett“, das nicht an den früheren Erfolg anknüpfte.

„So ein Malheur, das Monokel fällt angesichts der schweißtreibenden Temperaturen immer raus“, so der Künstler.  ute

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare